Heute, am 23. Mai 2026, feiern wir den Weltschildkrötentag – ein Tag, der seit 1990 ins Leben gerufen wurde, um auf die Rückgänge der Schildkrötenbestände aufmerksam zu machen. Diese Initiative wurde 2000 von der American Tortoise Rescue ins Leben gerufen und von der Humane Society of the United States offiziell ausgerufen. Das Ziel ist klar: Wir müssen uns um unsere Schildkröten kümmern, denn viele Arten sind vom Aussterben bedroht. Und hey, das betrifft uns alle!
In Güssing ist Ines Kosin, Präsidentin des Schildkrötenvereins “Chüücha”, eine bekannte Stimme in der Schildkröten-Community. Bereits seit fast 30 Jahren hält sie Schildkröten und hat sich mit ihrer Gruppe von über 30 Griechischen Landschildkröten einen Namen gemacht. Mit über 16.000 Mitgliedern in ihrer Facebookgruppe hat sie eine riesige Gemeinschaft aufgebaut, die sich für die artgerechte Haltung dieser faszinierenden Tiere einsetzt. Kosin ist nicht nur Buchautorin, sondern auch eine leidenschaftliche Verfechterin der artgerechten Haltung, die sie vehement in ihren Medienberichten und über Social Media propagiert.
Artgerechte Haltung und ihre Herausforderungen
Was heißt es eigentlich, eine Schildkröte artgerecht zu halten? Laut Kosin ist es essenziell, auf die spezifischen Bedürfnisse dieser Tiere einzugehen. Terrarienhaltung und die Fütterung mit Salat sind für europäische Arten wie die Griechische Landschildkröte nicht geeignet. Diese Tiere benötigen Platz – viel Platz! Sie sind wahre Wanderer und legen täglich bis zu 400 Meter zurück, was sich auf bis zu 12 Kilometer im Jahr summiert. Wenn Sie also darüber nachdenken, eine Schildkröte zu halten, sollten Sie mindestens 10 Quadratmeter für das erste Tier einplanen, und für jedes weitere Tier mindestens nochmal so viel dazu!
Ein gut gestaltetes Gehege ist dabei das A und O. Es sollte naturnah sein, mit Verstecken, Sonnen- und Schattenplätzen sowie einer geeigneten Umzäunung, die mindestens 50 cm hoch und 20 cm tief eingegraben ist, um Fressfeinde fernzuhalten. Eine richtige Haltung erfordert Planung und Aufwand, aber die Vorteile überwiegen: Ein gesundes und naturnahes Leben für die Schildkröte.
Wichtige Punkte zur Pflege
Schildkröten benötigen Sonnenlicht für die Produktion von Vitamin D und die Kalziumaufnahme. Ohne UVB-Strahlung kann es zu Knochenerkrankungen kommen. Morgens ein Sonnenbad von 20 bis 30 Minuten ist wichtig für die Gesundheit. Besonders im Frühjahr und Herbst können Frühbeete oder Gewächshäuser mit zusätzlichen UVB-Lampen hilfreich sein. Und im Winter? Da halten die Griechischen Landschildkröten eine Winterstarre, die Monate andauern kann. Aber Vorsicht: Überwinterung im Garten ist riskant, also lieber in einer Kiste mit feuchter Erde, Humus und Moos bei 4-6°C.
Die Ernährung ist ebenfalls entscheidend. Natürliche Nahrung besteht aus Wildkräutern, wobei Obst nur selten auf den Speiseplan gehört. Gemüse, Brötchen oder gar Hundefutter sind ein No-Go. Und nicht zu vergessen: Das Gehege sollte regelmäßig gereinigt werden, um das Wohlbefinden der Tiere zu gewährleisten.
Faszination Schildkröte
Schildkröten sind wirklich faszinierende Wesen. Ihr Panzer, ein einzigartiges Merkmal, ist das Resultat einer langen Evolution. Die Anatomie dieser Tiere ist beeindruckend – sie haben keinen Schweiß, meiden die Mittagssonne und nutzen Bewegungen ihrer Gliedmaßen zur Atmung. Ihre Sinne sind bemerkenswert ausgeprägt; sie sehen besser als wir Menschen und können tiefe Vibrationen wahrnehmen. Komischerweise sind sie auch Meister darin, ihre Umgebung zu prägen und sich an Futterstellen zu orientieren.
Ines Kosin hebt hervor, dass viele Fundtiere fälschlicherweise als heimisch betrachtet oder als ausgesetzte Tiere „gerettet“ werden. Es ist wichtig, Fundtiere zu melden und die Besitzer zu finden. Schließlich möchten wir, dass diese Tiere in ihrer natürlichen Umgebung leben können, nicht in einem Terrarium. Kosin appelliert, sich mehr mit der Natur zu verbinden und den Tieren ein naturnahes Leben zu ermöglichen.
Der Weltschildkrötentag ist also nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern auch ein Aufruf an uns alle, mehr über diese großartigen Tiere zu lernen und Verantwortung für ihren Schutz zu übernehmen. Schauen wir, dass wir unseren kleinen Freunden das Leben bieten, das sie verdienen – und vielleicht können wir ja auch ein Stück weit von ihrer Gelassenheit lernen.
Für mehr Informationen und spannende Einblicke in die Welt der Schildkröten, werfen Sie einen Blick auf den Artikel von meinbezirk.at.
