Im historischen Kellergewölbe des Weinguts Küssler in Grub ist am 8.11.2026 nicht nur ein neues Buch vorgestellt worden. Zwischen alten Mauern, Weinflaschen und dem Duft von Kellerluft wurde auch der „Junge Küssler 2026“ getauft. Das Weingut blickt auf rund 300 Jahre Weinbautradition zurück.

Verena und Gerhard Küssler haben den Familienbetrieb in den vergangenen Jahren kräftig erweitert: Neben Weinbau und Heurigenbetrieb gehören heute Übernachtungen in ausgebauten Weinfässern und Kellern, Wellnessangebote sowie Veranstaltungen zum Haus. Was als Idee begann, um sich von anderen Angeboten abzuheben und Gästen mehr Komfort zu bieten, ist inzwischen ein umfangreicher Tourismusbetrieb geworden.

234 Seiten Weinviertel für zu Hause

Das neue Buch „Küssler – Schlafen im Weinfass, genießen im Weinviertel“ umfasst 234 Seiten. Es erzählt die Geschichte, die Ideen und die Entwicklung des Familienbetriebs. Dazu kommen 72 Rezepte – von Heurigenaufstrichen und Salaten bis zu traditionellen Gerichten aus Omas Kochbüchern. Zu jedem Rezept gibt es eine Geschichte über seine Herkunft und die dazugehörige Tradition.

Das Buch soll die Philosophie des Hauses vermitteln und ein Stück Weinviertel für zu Hause bieten. Bei der Präsentation würdigte Landtagspräsident Karl Wilfing, der das Vorwort verfasst hat, den Unternehmergeist und den generationenübergreifenden Zusammenhalt der Familie.

Wie aus den Weinfässern schließlich Schlafplätze wurden, klingt heute fast selbstverständlich. Anfangs wollten die Küsslers mit der ungewöhnlichen Unterkunft vor allem auffallen und ihren Gästen mehr Komfort bieten. WLAN und Fernseher waren zunächst nicht vorgesehen – wegen der Nachfrage wurden sie dann aber doch angeboten. „Ohne Familie und Mitarbeiter wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen“, betonen Verena und Gerhard Küssler.

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Vom Winzerhof zum Urlaubsort

Der Betrieb verfügt inzwischen über rund 50 Betten und verzeichnet etwa 11.500 Übernachtungen pro Jahr. In Grub an der March, dem ältesten Weinort Mitteleuropas, führt Verena Küssler einen historischen Winzerhof inmitten der Weinberge und nahe dem Naturschutzgebiet March-Thaya-Auen.

Zur Unterkunft gehören 13 Weinfass-Suiten, zwei Weinfass-Chalets mit eigenem Kellergewölbe, ein Weinviertler-Ferienhaus mit fünf Zimmern, vier Bädern und uneinsehbarem Innenhof sowie Komfortzimmer. Ein weitläufiger Winzergarten und ein Frühstücksbereich mit Terrasse ergänzen das Angebot.

An sechs Abenden pro Woche lädt der Hof zum Winzerabend. Auf eine Kellereiführung folgen eine Verkostung in einem 300 Jahre alten Gewölbe, Heurigenschmankerln und Mehlspeisen. Wer danach noch Entspannung braucht, kann ein Rotweinbad nehmen. Für Paare, Familien, Gruppen und Geschäftsreisende ist das Angebot gleichermaßen gedacht.

Rund einen Kilometer entfernt fließt die March. Sie lässt sich mit dem Kanu erkunden, während Rad- und Wanderwege durch die March-Thaya-Auen, zu Kellergassen und zu Kulturstätten wie Schloss Hof und Marchegg führen. Es gibt also einiges zu tun – und wahrscheinlich auch gute Gründe, einmal länger sitzen zu bleiben.

Junger Wein mit weniger Ertrag

Beim Termin wurde außerdem die traditionelle Weintaufe durchgeführt. Das Weinjahr 2026 war von weniger Regen und deutlich geringeren Erntemengen geprägt, die Qualität wurde jedoch als erfreulich bezeichnet.

Der „Junge Küssler 2026“ ist eine Cuvée aus 70 Prozent Grüner Veltliner und 30 Prozent Welschriesling. Pfarrer Eduard Schipfer segnete den Wein, Karl Wilfing übernahm die Weinpatenschaft. Verena Küssler hob den jungen Wein erstmals selbst aus dem Fass – zuvor hatte sie diesen Handgriff geübt.

Für Unterhaltung sorgte Musiker Jimmy Schlager, der auch sein satirisches Weihnachtsprogramm vorstellte. Gefeiert wurde im fast 300 Jahre alten Kellergewölbe, dort, wo die Geschichte des Hauses nicht bloß im Buch steht, sondern förmlich in den Wänden steckt.

Weinviertler Böden und große Schaumweine

Der Blick über Grub hinaus führt ins nördliche Weinviertel. Poysdorf liegt im Herzen dieser Weinregion, deren Weingärten auf kalkreichen Böden stehen. Das pannonisch geprägte Klima bringt sonnige Tage und kühle Nächte – Bedingungen, die den Grünen Veltliner mit Würze und Klarheit prägen.

Poysdorf ist neben dem Grünen Veltliner auch für Schaumweine bekannt. Die Winzerin Marion Ebner-Ebenauer erzeugt in der Region unter anderem den Blanc de Blancs Zero Dosage. Der Sekt wird der internationalen Spitzenklasse zugerechnet und sorgt laut Einordnung des Weinviertel-Beitrags sogar bis in der Champagne für Aufmerksamkeit.