Neuer Radweg nach Schwäbisch Gmünd verdoppelt den Radverkehr nahezu
Auf dem neuen Radweg zwischen Waldstetten und Schwäbisch Gmünd ist deutlich mehr los. Seit der Eröffnung Mitte 2024 hat der Radverkehr in den Sommermonaten kräftig zugelegt. Die Zählstelle liefert dazu inzwischen ziemlich klare Zahlen – und die machen Hoffnung, auch wenn es beim weiteren Ausbau erst einmal langsamer weitergeht.
Im Juli 2026 wurden 12.809 Radfahrer gezählt, 88 Prozent mehr als im Juli 2025. Im August lag der Wert um 65 Prozent über dem Vorjahresmonat. Besonders stark fiel der September aus: 10.558 Radfahrer statt 4.921, ein Plus von 115 Prozent.
2026 kommen noch Ständer und eine neue Querung
Heuer sind noch zwei konkrete Maßnahmen vorgesehen: Mehr als 250 neue Fahrradständer sollen gebaut werden. Außerdem ist an der Schranke des Radwegs im Schießtal eine Fahrraddurchquerung geplant. Danach ist zunächst Schluss – und die Winterpause beginnt obendrein.
Weitere Pläne sollen in einer Arbeitsgruppe mit den radpolitischen Sprechern der Gemeinderatsfraktionen beraten werden. Gebildet ist diese Runde allerdings noch nicht. Ein erster Termin wird ab Mitte November 2026 angestrebt. Weitere Bauarbeiten sind 2026 nicht vorgesehen.
Für 2027 gibt es bisher weder eine Prioritätenliste noch einen Zeitplan. Der Grund ist nüchtern: Im städtischen Haushalt fehlen die Mittel. Oberbürgermeister Richard Arnold sagt, größere Radinfrastrukturprojekte würden künftig nur möglich sein, wenn die Stadt einen hohen Anteil an Fördermitteln erhält.
Ein gemeinsames Projekt mit Kanalbau
Der Rad- und Gehweg entstand als gemeinsames Vorhaben des Ostalbkreises, der Stadt Schwäbisch Gmünd und der Gemeinde Waldstetten. Gleichzeitig wurde ein Abwasserkanal verlegt. Der 2,50 Meter breite Weg verbindet Waldstetten mit Schwäbisch Gmünd; am Ortsende von Waldstetten kam eine neue Querungshilfe dazu.
Landrat Joachim Bläse verwies auf die wachsende Bedeutung des Fahrrads als Verkehrsmittel. Beim STADTRADELN wurden im Ostalbkreis 1,6 Millionen Kilometer gefahren. Insgesamt gibt es dort derzeit 1.175 Kilometer Radwege.
Für den Rad- und Gehweg wurden Kosten von 2,4 Millionen Euro geschätzt, weitere 3,2 Millionen Euro kostet die Neuverlegung des Abwasserkanals nach Schwäbisch Gmünd. Damit soll die Waldstetter Kläranlage an die Gmünder Sammelkläranlage angeschlossen werden. Die größere gemeinsame Anlage kann Ressourcen bündeln, kostengünstiger betrieben werden und eine bessere Abwasserreinigung ermöglichen.
Beide Bauprojekte wurden gemeinsam ausgeschrieben. Laut Ingenieurbüro ergab sich dadurch eine Einsparung von 20 Prozent. Für den Rad- und Gehweg konnten Fördermittel von bis zu 90 Prozent beantragt werden. Die Planung musste dafür unterschiedliche Förderprogramme sowie verschiedene Antrags- und Bewilligungstermine unter einen Hut bringen – kein kleines Puzzle.
Die Baustelle am Ortsausgang von Waldstetten begann am Montag, 16. Oktober. Wegen Gashochdruck- und Starkstromleitungen im Baufeld sowie der bis zu 3,5 Meter tiefen Kanalbauarbeiten wurde die Straße aus Sicherheitsgründen vollständig gesperrt. Der öffentliche Nahverkehr und Radfahrer konnten die Baustelle passieren.
Alle anderen Verkehrsteilnehmer mussten der ausgeschilderten Umleitung folgen; deren Einhaltung sollte verstärkt kontrolliert werden. Fußgängern wurde empfohlen, über die Schlattfelder oder die Bahntrasse nach Schwäbisch Gmünd zu gehen. Die Baustelle lief bis zum Wintereinbruch, anschließend sollte die Straße in beide Richtungen befahrbar sein. Nach dem Winter wird der Bau von Gmünd und Waldstetten aus mit einer erneuten Vollsperrung fortgesetzt.
Der Verkehrsknoten Becherlehen bleibt Zukunftsmusik
Nach Angaben der Stadt liegen weitere Ausbaupläne bereits vor. Als langfristiges Projekt gilt der radgerechte Umbau des Verkehrsknotens Becherlehen rund um die Ditib-Moschee. Dort treffen Pfitzerstraße, Graf-von-Soden-Straße und Lindenfirststraße aufeinander.
In einer Planungswerkstatt mit Fachleuten und Beschäftigten anderer Kommunen wurden mögliche Verbesserungen für den Rad- und Fußverkehr erarbeitet. Der Rad- und Fußwegekoordinator Jürgen Stemke bezeichnet die Umsetzung als Zukunftsprojekt. Vorerst bleibt es also bei den Plänen.
Bundesweit machen Rad- und Fußverkehr zusammen 37 Prozent aller Wege aus. Sie gehören damit zum Mobilitätsmix für Alltags- und kombinierte Wege – und zwar für alle Altersgruppen. Radfahren hilft laut Bundesministerium für Verkehr beim Erreichen der Klimaschutzziele, weil es eine klimaschonende Mobilitätsform ist. Tägliche Bewegung fördert zudem die Gesundheit; bei Kindern und Jugendlichen trägt sie zur Entwicklung wichtiger Fähigkeiten für eine sichere Verkehrsteilnahme bei.
Fördergeld liegt bereit – aber nicht automatisch vor Ort
Das Bundesministerium für Verkehr fördert den Radverkehr mit verschiedenen Programmen. Seit 2026 wird die Rad- und Fußverkehrsförderung schwerpunktmäßig aus dem Klima- und Transformationsfonds, kurz KTF, finanziert. Darunter fallen das Sonderprogramm „Stadt und Land“, die Förderung von Radschnellwegen sowie investive und nicht investive Rad- und Fußverkehrsprogramme. Gebündelt sind diese Angebote im KTF-Titel „Aktive Mobilität“.
Für 2026 sind dafür folgende Haushaltsmittel vorgesehen, Angaben in Tausend Euro:
| Bereich | Mittel 2026 |
|---|---|
| Förderung der aktiven Mobilität | 178.339 |
| Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen | 15.692 |
| Finanzhilfen an die Länder für das Sonderprogramm „Stadt und Land“ | 281.000 |
| Finanzhilfen für Radschnellwege | 58.487 |
| Radwegebau an Bundesstraßen | 100.000 |
| Radverkehrstauglicher Ausbau von Betriebswegen an Bundeswasserstraßen | 11.600 |
| Radwege über oder unter Eisenbahnstrecken nach § 17 Eisenbahnkreuzungsgesetz | 7.500 |
| Gesamt | 552.618 |
Das Parlamentsprogramm „Fahrradparkhäuser an Bahnhöfen“ ist bis 2027 ausfinanziert. Zusätzlich zu den Kassenmitteln gibt es Verpflichtungsermächtigungen. Sie ermöglichen Vertragsschlüsse und Bewilligungen im laufenden Haushaltsjahr für Folgejahre.
Im neuen Titel „Förderung der aktiven Mobilität“ stecken Zuschüsse für nicht investive Modellprojekte, Modellvorhaben des Radverkehrs, der Ausbau und die Erweiterung des „Radnetzes Deutschland“ sowie die Förderung des Fußverkehrs; dessen Anteil wurde in der Tabelle herausgerechnet.
Eine Besonderheit betrifft Radwege an Bundesstraßen: Bau und Erhalt in der Baulast des Bundes werden nicht über Förderprogramme finanziert, sondern vollständig vom Bund getragen. In Gmünd bleibt derweil die Zählstelle am neuen Weg der nüchterne kleine Beweis dafür, dass die Strecke angenommen wird – Monat für Monat, Rad für Rad.
