Gmünd, 3. November 2026 – Nordkorea hat nach eigenen Angaben einen Streusprengkopf für einen strategischen Marschflugkörper getestet. Der Versuch fand laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA am Montag statt. Damit meldete Pjöngjang binnen weniger Tage Tests mit Streusprengköpfen für zwei verschiedene Raketentypen.

Bereits am 31. Oktober hatte Nordkorea einen Streusprengkopf für eine taktische ballistische Rakete erprobt. Bei dem jüngeren Test ging es nun um einen Marschflugkörper. Anders als ballistische Raketen fliegen solche Flugkörper in geringer Höhe und können während des Fluges gesteuert werden.

Große Fläche, viele Gefahren

Streumunition verteilt zahlreiche kleinere Sprengkörper über ein größeres Gebiet. Gerade weil ihre Wirkung schwer kontrollierbar ist, gilt sie international als geächtet. Nicht explodierte Sprengkörper können noch lange nach einem Angriff eine Gefahr für die Zivilbevölkerung bleiben – oft unsichtbar im Boden, zwischen Trümmern oder auf Feldern.

Nordkorea zufolge kann der getestete Sprengkopf eine Fläche von fünf bis sechs Hektar verwüsten. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Offen ist außerdem, ob das System bereits einsatzbereit ist und welche Reichweite es besitzt.

Beim Test des Waffensystems für taktische ballistische Raketen am Samstag sollte nach offiziellen Angaben die Einsatzfähigkeit und Wirkung der Sprengköpfe überprüft werden. Eine entsprechend bestückte Rakete könne ein Gebiet von 12 bis 13 Hektar vollständig zerstören, erklärte die nordkoreanische Regierung. Ein Vertreter der nationalen Raketenbehörde sagte, die Sprengköpfe würden in vier Kategorien eingeteilt. Weitere Einzelheiten nannte er nicht. Bis Ende 2026 sollen Nordkoreas Militäreinheiten alle vier Arten je nach Einsatzzweck einsetzen können.

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Von KCNA veröffentlichte Fotos zeigten den Start einer Rakete von einer mobilen Abschussvorrichtung und mehrere Einschläge auf einer Insel. Machthaber Kim Jong Un war bei diesem Versuch nicht anwesend. Im April hatte er bereits einen Test von Streumunitions-Sprengköpfen begleitet.

Neue Raketen, alte Spannungen

Am Donnerstag feuerte Nordkorea nach südkoreanischen Angaben etwa ein Dutzend ballistische Kurzstreckenraketen in Richtung Ostmeer ab. Zuvor hatte sich die Lage an der Grenze verschärft. Bei einer Explosion wurden drei südkoreanische Soldaten verletzt. Seoul vermutet nordkoreanische Landminen, Pjöngjang weist die Verantwortung zurück.

Am Freitag bekräftigten die USA, Südkorea und Japan ihre Forderung nach einer vollständigen Denuklearisierung Nordkoreas. Eine Vereinbarung darüber kam bislang nicht zustande. Nordkorea hält trotz internationaler Sanktionen an seinem Atomwaffen- und Raketenprogramm fest. Kriegserfahrungen sammelte das Land unter anderem, indem es Truppen zur Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine entsandte.

Nach Schätzungen der südkoreanischen Regierung verfügt Nordkorea über 80 bis 120 Atomwaffen. Seinen Status als Atommacht verankerte das Land 2023 in der Verfassung. Offiziell bezeichnet sich Nordkorea bereits seit 2012 als Atommacht; die etablierten Kernwaffenstaaten erkennen diesen Status nicht an.

US-Präsident Trump traf Kim Jong Un während seiner ersten Amtszeit dreimal. Im August erklärte er, Kim noch 2026 treffen zu wollen. Südkorea und Nordkorea befinden sich formal weiterhin im Kriegszustand: Der Koreakrieg endete 1953 lediglich mit einem Waffenstillstand, nicht mit einem Friedensvertrag.

Von ziviler Forschung zum Nuklearprogramm

Nordkorea entwickelte sein Atom- und Raketenprogramm seit den 1960er-Jahren aus einem zivilen Kernenergieprogramm heraus zu einem militärischen Nuklearprogramm. Parallel baute das Land seine konventionellen Streitkräfte, Raketenwaffen und nuklearen Fähigkeiten aus – trotz Sanktionen und diplomatischer Bemühungen.

Die Sowjetunion unterstützte zunächst die zivile Nuklearforschung und stellte unter anderem einen Forschungsreaktor bereit. Nordkorea beteiligte sich außerdem an Forschungsprojekten des Vereinigten Instituts für Kernforschung in Dubna; Russland beendete die Mitgliedschaft 2015. Von 1974 bis 1994 war Nordkorea Mitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), von 1985 bis 2003 Vertragsstaat des Atomwaffensperrvertrags (NVV).

Das zentrale Forschungs- und Produktionszentrum wurde der Nuklearkomplex Nyŏngbyŏn. Der 1986 fertiggestellte graphitmoderierte 5-MWe-Reaktor kann Plutonium erzeugen. Zum Komplex gehören außerdem Anlagen zur Wiederaufarbeitung, Metallurgie und Brennelementherstellung. Ein 50-MWth-Reaktor in Nyŏngbyŏn und ein 200-MWth-Reaktor nahe Thaechŏn wurden nicht fertiggestellt. Seit 2014 vermuten Fachleute, dass der 5-MWe-Reaktor wieder betrieben werden soll. Hinzu kommen Urananreicherungsanlagen mit Gaszentrifugen-Technologie, unter anderem nahe Nyŏngbyŏn.

1985 trat Nordkorea auf Druck der Sowjetunion dem Atomwaffensperrvertrag bei. Nach dem Abzug US-amerikanischer Atomwaffen aus Südkorea vereinbarten Nord- und Südkorea 1992 eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel. Doch 1993 verweigerte Pjöngjang IAEO-Inspektoren den Zugang zu Nyŏngbyŏn und drohte mit dem Austritt aus dem Vertrag.

Am 21. Oktober 1994 unterzeichneten die USA und Nordkorea das Genfer Rahmenabkommen, das „Agreed Framework“. Nordkorea verpflichtete sich darin, sein Kernwaffenprogramm aufzugeben, im NVV zu bleiben und IAEO-Inspektionen fortzusetzen. Im Gegenzug sollten im Rahmen der KEDO zwei Leistungsreaktoren bei Kŭmho und ein experimenteller Leichtwasserreaktor errichtet werden. Bis zur Fertigstellung waren jährliche Öllieferungen vorgesehen. Voraussetzung war die Abschaltung und Stilllegung anderer nuklearer Anlagen.

Die seit etwa 1994 verfolgte „Militär-zuerst“-Politik Kim Jong-ils führte zu einer umfassenden Aufrüstung der konventionellen Streitkräfte und des Nuklearprogramms. 1996 begannen Vier-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, Südkorea, den USA und China; weitere Verhandlungen scheiterten.

Abkommen, Drohungen und Tests

2001 bezeichnete US-Präsident George W. Bush Kim Jong-il abwertend als „Pygmäen“ und äußerte seine Absicht, ihn zu stürzen. Ein Jahr später nahm Bush Nordkorea in seiner Rede zur Lage der Nation in die „Achse des Bösen“ auf. Im Oktober 2002 warfen die USA Pjöngjang vor, trotz des Genfer Rahmenabkommens ein geheimes Urananreicherungsprogramm zu betreiben.

Die USA stellten im Dezember 2002 die Öllieferungen ein. Am 10. Januar 2003 erklärte Nordkorea seinen Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag, im Mai 2003 das Abkommen über eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel für ungültig. Die US-Angaben von 2002 über die Fähigkeit zur massenhaften Produktion hochangereicherten Urans wurden 2007 als übertrieben und teilweise auf fehlerhaften Geheimdienstinformationen beruhend eingeräumt. Das KEDO-Programm war spätestens 2006 gescheitert.

Am 10. Februar 2005 erklärte Nordkorea erstmals öffentlich, einsatzfähige Kernwaffen zu besitzen, und kündigte Kernwaffentests an. Eine gemeinsame Erklärung der Sechs-Parteien-Gespräche vom 19. September 2005 sah Nordkoreas Bereitschaft vor, sein Kernwaffenprogramm gegen wirtschaftliche und technologische Unterstützung aufzugeben.

Am 9. Oktober 2006 führte Nordkorea nach eigener Darstellung seinen ersten unterirdischen Kernwaffentest durch. US-amerikanische, südkoreanische und russische Messsysteme registrierten eine unterirdische Erschütterung. Südkoreanische Stellen schätzten die Sprengkraft zunächst auf etwa 0,55 Kilotonnen TNT. Wegen der geringen Stärke wurde diskutiert, ob es sich um einen fehlgeschlagenen Kernwaffentest oder eine konventionelle Explosion handelte. Messungen von Xenon-133 deuteten auf eine mögliche Freisetzung radioaktiver Stoffe hin. Der UN-Sicherheitsrat verhängte am 14. Oktober 2006 mit Resolution 1718 Sanktionen, unter anderem gegen bestimmte Militärgüter, Luxusgüter und Personen.

Am 25. Mai 2009 folgte der zweite Kernwaffentest; Russland schätzte die Sprengkraft auf etwa 20 Kilotonnen. Zusätzlich wurden mehrere Kurzstreckenraketen gestartet. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete am 12. Juni 2009 Resolution 1874 mit einem verschärften Waffenembargo und strengeren Finanzauflagen. Nordkorea kündigte daraufhin die Wiederaufnahme der Urananreicherung und die Nutzung seines Plutoniums für die Waffenproduktion an.

Ein vermuteter Test im April oder Mai 2010 ließ sich nicht eindeutig bestätigen. Zwar wurden Xenon-Isotope gemessen, ein passendes seismisches Signal fehlte jedoch. Am 12. Februar 2013 registrierten mehrere Länder nahe Punggye-ri eine künstliche Erschütterung der Stärke etwa 4,9 bis 5,2. Nordkorea meldete den Test einer miniaturisierten Kernwaffe. Südkorea schätzte die Sprengkraft auf 6 bis 7 Kilotonnen, die deutsche BGR auf bis zu 40 Kilotonnen. Der UN-Sicherheitsrat verschärfte daraufhin am 7. März 2013 die Sanktionen. Pjöngjang kündigte den Nichtangriffspakt mit Südkorea und die Schließung des direkten Verbindungskanals auf.

Am 6. Januar 2016 meldete Nordkorea den erfolgreichen Test einer Wasserstoffbombe. Seismische Messungen bestätigten eine Explosion, deren Stärke jedoch eher zu einer verstärkten Spaltbombe als zu einer vollwertigen Wasserstoffbombe passte. China verurteilte den Test. Am 7. Februar 2016 startete Nordkorea die Trägerrakete Unha-3 mit dem Satelliten Kwangmyŏngsŏng-4; die USA, Südkorea und Japan werteten dies als Test einer atomwaffenfähigen Langstreckenrakete.

Südkorea schloss den Industriepark Kaesong, Japan verschärfte Sanktionen, und die USA kündigten die Stationierung des Raketenabwehrsystems THAAD in Südkorea an. China untersagte 2016 den Import von Eisenerz und Kohle sowie den Export waffenfähiger Güter nach Nordkorea.

Am 9. September 2016 wurde nahe Punggye-ri eine Erschütterung der Stärke 5,3 gemessen. Nordkorea bestätigte seinen fünften Kernwaffentest und sprach von einem neu entwickelten Sprengkopf. Ausländische Schätzungen lagen bei etwa 10 Kilotonnen. Am 3. September 2017 registrierten Messstationen zwei Erschütterungen der Stärke 6,3 und 4,6. Die zweite wurde als möglicher Einsturz nach der Explosion interpretiert. Nordkorea meldete den Test einer Wasserstoffbombe; die Sprengkraft wurde auf mehrere hundert Kilotonnen TNT geschätzt und lag damit deutlich über den vorherigen Tests. Insgesamt führte Nordkorea sechs weithin anerkannte Kernwaffentests durch, der letzte erfolgte 2017.

Raketen, Geld und die nächste Generation

Abrüstungs- und Friedensforscher schätzten Nordkoreas Bestand 2024 auf etwa 50 bis 80 hergestellte Kernsprengköpfe. Frühere Schätzungen lagen bei etwa 30 Sprengköpfen 2021 und 20 im Jahr 2015. Die südkoreanische Regierung kommt mit 80 bis 120 Atomwaffen auf eine höhere Schätzung.

Nordkorea behauptet, über einsatzbereite Kernwaffen und verschiedene Trägersysteme zu verfügen: Interkontinentalraketen der Baureihen Hwasong, Taepodong und Pukguksong, mobile Transport- und Startfahrzeuge sowie U-Boot-gestützte Systeme. Die ersten Raketen stammten aus sowjetischer Entwicklung, darunter Scud-B-Raketen, die lokal als Hwasong-5, Hwasong-6 und Hwasong-7 produziert wurden.

Für das Raumfahrtprogramm ist die National Aerospace Development Administration zuständig; militärische Raketen entwickelt die Raketenverwaltung der Koreanischen Volksarmee. Die Strategischen Raketentruppen betreiben die nordkoreanischen Kernwaffensysteme. Die seit 2006 entwickelte Taepodong-2 soll die US-Westküste erreichen können. Als besonders relevante Interkontinentalraketen gelten Hwasong-15, Hwasong-17 und Hwasong-18. Sie lösten die kleinere Hwasong-13-Baureihe ab. Bei einer Parade zum Tag des Sieges 2013 wurden zwei Startfahrzeuge mit abgedeckten Raketen gezeigt, die vermutlich dem Typ Hwasong-13 entsprachen.

Im September 2021 meldete Nordkorea den erfolgreichen Test der Hyperschallrakete Hwasong-8. Im August 2025 wurden Hinweise auf eine seit etwa 2004 bestehende Raketenbasis in Sinpung-dong bekannt. Im Januar 2026 meldete Nordkorea den Test eines Flugkörpers mit Hyperschallfähigkeiten.

Der militärische Apparat ist gewaltig. Schätzungen zufolge arbeiteten rund 500.000 Menschen in etwa 300 Rüstungsfabriken und -unternehmen. Der Rüstungssektor machte demnach etwa 30 bis 60 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Für das Atomwaffenprogramm wurden schätzungsweise etwa 700 Millionen US-Dollar und für ballistische Raketen etwa 600 Millionen US-Dollar bereitgestellt.

Ein UN-Bericht von 2019 schätzte, dass Nordkorea seine Waffen- und Atomprogramme maßgeblich durch Cyberangriffe mit einer Beute von etwa 2 Milliarden US-Dollar finanzierte. Als beteiligte Stellen wurden unter anderem der Geheimdienst, das Generalbüro für Aufklärung und Büro 121 genannt; Büro 39 gilt als Quelle illegaler Einnahmen.

In den 1990er-Jahren bestanden Kontakte zu Pakistan, das über Gaszentrifugen-Technologie zur Urananreicherung verfügte. Pakistan erklärte 2005, diese Kontakte beendet zu haben. Fachleute vermuten, Nordkorea habe die Technologie teilweise übernommen oder selbst entwickelt. Von 1958 bis 1991 stationierten die USA Atomwaffen in Südkorea. Die Sowjetunion und China lehnten eine Unterstützung Nordkoreas bei der militärischen Nutzung der Kernenergie ab.

China blieb Nordkoreas wichtigster Handelspartner. Zugleich gibt es Hinweise, dass Sanktionen über Verbindungen nach China umgangen werden. Ende 2024 unterzeichneten Russland und Nordkorea im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg ein Verteidigungsabkommen.

Seit 2025 lehnt Nordkorea Gespräche über eine Denuklearisierung ab und bezeichnet seine Kernwaffen als nicht verhandelbar. Kim Yo-jong forderte die Anerkennung Nordkoreas als Kernwaffenstaat. Die USA und Südkorea verfolgen weiterhin das Ziel einer vollständigen Denuklearisierung Nordkoreas und der koreanischen Halbinsel. Währenddessen laufen in Gmünd vermutlich gerade die ersten Kaffeemaschinen – in Ostasien werden neue Raketen gezählt.