Jugendprotest „Gen Z regelt“ eskaliert in deutschen Städten
Gmünd, 1. November 2026. Was am Samstag tagsüber als bundesweiter Jugendprotest begann, endete in mehreren deutschen Städten mit Gewalt, Plünderungen und einem massiven Polizeieinsatz. Nach zunächst weitgehend friedlichen Demonstrationen mit mehr als 100.000 Teilnehmenden kam es am Abend vor allem in Frankfurt am Main und Köln zu Ausschreitungen. Auch in Berlin, Hamburg, Hannover, Bremen, Stuttgart und weiteren Städten wurden Zwischenfälle gemeldet.
Die Initiative „Gen Z regelt“ hatte für Samstag, 31. Oktober 2026, in mehr als 30 deutschen Städten zu Protesten aufgerufen. Auf den Straßen ging es um mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, soziale Gerechtigkeit, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und mehr Klimaschutz. Die Bewegung richtet sich außerdem gegen die Wehrpflicht und lehnt einen Ausbau staatlicher Überwachung ab.
Frankfurt: Zeil gesperrt, Geschäfte geplündert
In Frankfurt am Main nahmen rund 8.000 Menschen an der Gen-Z-Demonstration teil. Bereits am späten Nachmittag kam es vereinzelt zu Ausschreitungen, woraufhin die Polizei die Versammlung auflöste. Nach Angaben des hessischen Innenministers Roman Poseck mischten sich rund 100 linksextremistische Gewalttäter unter die Demonstrierenden.
Am Abend verlagerte sich das Geschehen auf die Einkaufsstraße Zeil. Randalierer schlugen Schaufenster ein, errichteten Barrikaden und plünderten laut Berichten Sportgeschäfte sowie einen Waffenladen. Aufnahmen zeigten mutmaßlich die Plünderung einer Filiale des Sneaker- und Streetwear-Händlers Snipes. Mehrere Personen stahlen Turnschuhe und weitere Gegenstände. Auch ein als Batman verkleideter Demonstrant wurde festgenommen. Viele Randalierer trugen Masken oder Sturmhauben.
Auf Polizisten flogen Molotowcocktails, Steine, Flaschen und Böller. Die Polizei setzte Hubschrauber, Wasserwerfer und Spezialeinsatzkräfte ein; zwei Waffen wurden sichergestellt, nähere Angaben dazu gab es zunächst nicht. Es kam zu zahlreichen Festnahmen, später war von mehr als 30 vorläufig festgenommenen Menschen die Rede. Es gab Verletzte.
Die Zeil wurde vollständig gesperrt, unbeteiligte Personen mussten die Straße verlassen. Nach der Absperrung der Frankfurter Innenstadt beruhigte sich die Lage bis zum frühen Sonntagmorgen. Starke Polizeikräfte blieben jedoch die ganze Nacht vor Ort. Auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) war im Einsatz.
Berlin, Köln und Hamburg
In Berlin verlief die zentrale Versammlung am Brandenburger Tor mit bis zu 5.000 Teilnehmenden laut Polizei nahezu störungsfrei. Bei einer weiteren Versammlung mit bis zu 3.500 Menschen am Rosenthaler Platz und später an der Prenzlauer Allee wurden hingegen Pyrotechnik, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen gemeldet. Dazu kamen Verstöße gegen Waffen- und Sprengstoffgesetze.
Flaschen, Böller und Eier wurden geworfen, eine Tram mit roter Farbe besprüht und Seitenstraßen abgesperrt. Die Demonstration wurde beendet, anschließend räumte die Polizei die Prenzlauer Allee. 27 Beamte wurden leicht verletzt, konnten aber ihren Dienst fortsetzen. 56 Menschen wurden festgenommen. Rund 1.500 Einsatzkräfte waren im Einsatz. Die Polizei sprach von vereinzelten Straftaten, nicht von Straßenschlachten oder größeren Ausschreitungen. Die Gewerkschaft der Polizei betonte, die überwiegende Mehrheit habe friedlich demonstriert; die Gewalt sei von teils vermummten autonomen Gruppen ausgegangen.
Auf der Kölner Domplatte verschärfte sich die Lage nach den Protesten durch rund 200 teils randalierende Personen. Polizisten wurden mit Flaschen beworfen, außerdem flogen Fahrräder. Ein Mensch wurde verletzt, fünf Personen kamen in Gewahrsam. Ein geworfener E-Scooter zerstörte in einer Nebenstraße eine Fensterscheibe. Im Stadtgebiet wurden Böller und Raketen gezündet. Die Polizei sprach von einer dynamischen Lage und zog weitere Kräfte zusammen.
In Hamburg setzte die Polizei erneut Wasserwerfer gegen jugendliche Krawallmacher ein. Einsatzkräfte waren zuvor mit pyrotechnischen Gegenständen beworfen worden. Zudem wurden brennende Barrikaden gemeldet. Auch in einigen anderen Städten kamen Wasserwerfer zum Einsatz.
In München verliefen die Versammlungen mit rund 5.000 Menschen in der Innenstadt laut Polizei überwiegend friedlich. Es gab einzelne Verstöße und Festnahmen, insgesamt wurden 84 Anzeigen aufgenommen.
„Gen Z regelt“ weist Verantwortung zurück
Ein Sprecher von „Gen Z regelt“ erklärte, die Initiative habe keinen Einfluss auf die Ereignisse nach dem Ende der Kundgebungen gehabt. Sie distanzierte sich von Gewalt und gewalttätigen Handlungen anderer Gruppen oder Einzelpersonen. Gewalt sei kein Bestandteil der Bewegung. Kurz vor 20 Uhr hatte ein Sprecher von mehr als 100.000 Teilnehmenden gesprochen; Zahlen aus sechs bis acht Städten fehlten zu diesem Zeitpunkt noch. Bundesweite Polizeizahlen lagen zunächst nicht vor, in einigen Städten lagen die Behördenangaben unter jenen der Veranstalter.
Die Initiative zog vor den abendlichen Ausschreitungen eine positive Bilanz. Sprecher Amadeo sagte, die Proteste seien nur ein erster Schritt. Am 20. November will sich „Gen Z regelt“ an europaweiten Protesten und einem Internationalen Jugendstreiktag beteiligen. Dazu ruft ein breites Bündnis auf, darunter die Bundesschülerkonferenz. Diese hatte sich zuvor wegen unklarer Organisationsstrukturen von den Protesten von „Gen Z regelt“ distanziert.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) erklärte, er sei über die Gewaltexzesse in Frankfurt schockiert, und kündigte Konsequenzen an. Innenminister Roman Poseck (CDU) kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Randalierer an. Er sprach von einer Verbindung von Linksextremisten und gewalttätigen jungen Menschen. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann kritisierte die Ausschreitungen und sagte, friedlicher Protest sei dadurch teilweise kaum noch möglich gewesen.
Protestforscher Florian Staudt schloss nicht aus, dass kleine Gruppen gezielt Ausschreitungen suchten. Alle Demonstrierenden unter Generalverdacht zu stellen, sei jedoch nicht angemessen. Auch die Gewerkschaft der Polizei zog eine gemischte Bilanz: Die eigentlichen Gen-Z-Veranstaltungen seien weitgehend friedlich gewesen, nach deren Ende habe sich die Lage unter anderem in Köln, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und Berlin zugespitzt. Wo nötig, habe die Polizei konsequent und teils massiv eingegriffen, teilweise mit Wasserwerfern und Pfefferspray. Sie blieb für weitere Ausschreitungen in erhöhter Bereitschaft. Massive Sachbeschädigungen seien bis zum Abend nach Einschätzung der Gewerkschaft weitgehend ausgeblieben.
Proteste auch in Frankreich und Italien
Parallel gingen in Frankreich Menschen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungssystem auf die Straße. Nach Angaben des Innenministeriums demonstrierten landesweit rund 320.000 Menschen, die Veranstalter nannten etwa 500.000. Die Kundgebungen verliefen zunächst überwiegend friedlich, später kam es in Paris, Marseille und weiteren Städten zu Zusammenstößen mit der Polizei.
Innenminister Laurent Nuñez meldete 520 Festnahmen, die Zahl könne noch steigen. Rund 70.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz. In Marseille setzte die Polizei im Viertel La Plaine große Mengen Tränengas ein, in Paris wurden erneut Molotowcocktails auf Sicherheitskräfte geworfen. Bereits zwei Wochen zuvor waren Geschäfte geplündert und öffentliche Gebäude angegriffen worden.
In Italien demonstrierten Zehntausende, überwiegend Studierende und Beschäftigte, landesweit für höhere Löhne und bessere öffentliche Dienstleistungen. Sie protestierten außerdem gegen steigende Lebenshaltungskosten und höhere Militärausgaben. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.
