Atempausen für die Seele: Wie wir unser Nervensystem wieder ins Gleichgewicht bringen
Am 8. Oktober 2026 fand im Pfarrsaal von Kallham ein beeindruckender Vortragsabend zum Thema „Wenn das Nervensystem aus der Balance gerät“ statt. Über 80 interessierte Teilnehmer waren gekommen, um den spannenden Ausführungen von Mediziner Christian Neuburger zu lauschen. Der Abend wurde von der Organisatorin Martina Pauzenberger eröffnet, die mit einer einleitenden Geschichte die Neugier der Anwesenden weckte.
Neuburger ließ keinen Zweifel daran, dass das vegetative Nervensystem und die Stressfaktoren des modernen Alltags eng miteinander verwoben sind. Er erklärte, wie unser Körper auf Stress reagiert – oft ohne dass tatsächlich eine akute Bedrohung besteht. Die Zuhörer konnten hautnah erfahren, dass Veränderungen in Herzschlag und Atmung die Folge von unzureichend verarbeiteten Reizen sind. Stress beeinflusst nicht nur unsere Stimmung, sondern auch Schlaf und Verdauung. Man könnte fast sagen, das Nervensystem hat die Tendenz, uns manchmal unzuverlässig fühlen zu lassen.
Praktische Übungen zur Beruhigung
Um die Theorie in die Praxis umzusetzen, praktizierten die Teilnehmer gemeinsam Atemübungen aus dem „Frei-Atmen“. Diese Übungen sind nicht nur hilfreich, um das Nervensystem zu beruhigen, sondern auch um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Zum Abschluss des Abends führte Neuburger eine amüsante Lachübung durch, die nicht nur die Muskeln trainiert, sondern auch befreiend auf das Nervensystem wirkt. Wer hätte gedacht, dass Lachen so gesund sein kann?
Die Beruhigung des vegetativen Nervensystems ist ein Thema, das viele Menschen beschäftigt. In der heutigen hektischen Zeit ist es nicht ungewöhnlich, dass wir uns schnell überfordert fühlen. Ein überreiztes Nervensystem kann zu verzögerter Erholung und Schwierigkeiten beim Entspannen führen. Man fragt sich, wie man dem entgegenwirken kann. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass eine gute Regulation des Nervensystems nicht durch eine getrennte Steuerung von Sympathikus und Parasympathikus erfolgt, sondern durch deren harmonisches Zusammenspiel.
Atemtechniken für den Alltag
Eine Möglichkeit, das Nervensystem zu beruhigen, sind gezielte Atemtechniken. Diese können innerhalb weniger Minuten Wirkung zeigen und helfen, den Vagusnerv zu aktivieren. Beispielsweise kann die Bauchatmung, bei der man vier Sekunden einatmet und sechs Sekunden ausatmet, ein Gefühl von Sicherheit vermitteln und den Körper beruhigen. Auch die 4-7-8-Atmung ist eine bewährte Technik, die bei Nervosität oder Einschlafproblemen helfen kann.
Ein weiterer Tipp ist die Box Breathing, eine Methode, die sogar von Navy SEALs verwendet wird, um Stress zu kontrollieren. Hierbei atmet man vier Sekunden ein, hält vier Sekunden die Luft an, atmet vier Sekunden aus und hält erneut vier Sekunden an. Diese Technik kann besonders nützlich sein, wenn man sich auf eine wichtige Aufgabe konzentrieren muss.
Das Wichtigste bleibt jedoch, regelmäßig kleine, wiederholbare Impulse zu setzen, um das Nervensystem zu trainieren. Es ist nicht immer notwendig, intensiv zu üben – oft genügen kleine Pausen von visuellen und auditiven Reizen, um sich wieder zu erden und zur Ruhe zu kommen. Und wenn alles andere nicht hilft, sind Medikamente oder pflanzliche Mittel zwar eine Option, sie sollten jedoch niemals die Selbstregulation des Körpers ersetzen.
So zeigte der Abend in Kallham nicht nur die Wichtigkeit des Verständnisses über unser Nervensystem, sondern auch, wie sehr wir selbst in der Hand haben, unsere Balance zu finden – mit ein paar gezielten Atemzügen und ein bisschen Humor.
