Fürstenfeld und Murska Sobota haben am 29. Oktober 2026 ihre neue Städtepartnerschaft besiegelt. Bei einem Festakt in der Stadthalle von Fürstenfeld unterzeichneten Bürgermeister Franz Jost und sein Amtskollege Damjan Anželj die Partnerschaftsurkunde.

Geplant sind ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch, gemeinsame Projekte und ein Netzwerk zwischen Vereinen, öffentlichen Einrichtungen und Bürgerinnen und Bürgern. Die Zusammenarbeit soll sich auf Öffentlichkeit, Wirtschaft, Kultur, Sport und das Vereinswesen erstrecken. Also nicht bloß Papier und Händeschütteln, sondern möglichst viele direkte Begegnungen.

Von der Absichtserklärung zur Partnerschaft

Der formellen Besiegelung waren mehrere Schritte vorausgegangen. Murska Sobota liegt rund 60 Kilometer von Fürstenfeld entfernt. Im Februar besuchte eine Delegation aus Slowenien die oststeirische Stadt, um die Gespräche zu vertiefen. Mitte Juni folgte der Gegenbesuch in Murska Sobota.

Die Fürstenfelder Delegation wurde von Bürgermeister Franz Jost geleitet. Mit dabei waren unter anderem die Stadträtinnen Barbara Raidl und Yvonne Medina-Sandino, Stadtrat Michael Rath, zahlreiche Gemeinderäte, Vertreter des Stadtmarketings, die Amtsdirektoren Verena Sorger und Franz Sach sowie weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Beim Empfang im Freizeitpark „Expano“ unterzeichneten Jost und Anželj zunächst eine Absichtserklärung. Darin war eine dauerhafte Ausweitung der Zusammenarbeit im öffentlichen Leben und in der Wirtschaft vorgesehen. Ein verstärkter Austausch sollte vor allem in Verwaltung, Kunst und Kultur sowie im Sport entstehen; verschiedene Organisationen und Vereine sollten eingebunden werden.

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Die formelle Proklamation stand damals noch aus. Beide Bürgermeister rechneten jedoch mit der Zustimmung der zuständigen Gremien ihrer Städte. Jost regte außerdem gemeinsame Projekte von Fürstenfeld, Murska Sobota und der ungarischen Partnerstadt Körmend an. Anželj verwies darauf, dass interkommunale Kooperationen im Dreiländereck allen drei Städten zugutekommen könnten.

Drei Städte, kurze Wege

Fürstenfeld strebt mit Murska Sobota seine fünfte Städtepartnerschaft an. Bereits bestehende Verbindungen gibt es mit Zug in der Schweiz, Körmend in Ungarn, Viseu de Sus in Rumänien und Aindling in Deutschland. Murska Sobota und Fürstenfeld sind nach Angaben der Stadt hinsichtlich Größe und Struktur vergleichbar.

Eine wichtige Rolle bei der neuen Verbindung spielte Barna Szabó, Bürgermeister von Körmend. Seine Stadt ist bereits seit 2012 Partnerstadt von Murska Sobota. Im Herbst 2025 stellte Szabó den Kontakt zwischen Fürstenfeld und Murska Sobota her. Künftig ist eine Zusammenarbeit aller drei Städte im Dreiländereck vorgesehen.

Zum Besuchsprogramm in Murska Sobota gehörten eine Führung durch den interaktiven Freizeitpark „Expano“, ein Abstecher in einen historischen Weinkeller und eine Stadtführung. Gegessen wurde im mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Gourmetrestaurant „Kodila“. Ein Programm, bei dem offenbar auch der Magen nicht zu kurz kam.

Gansl-Menü nach dem Festakt

Zur Feier in Fürstenfeld kamen Delegationen aus Politik und Verwaltung von Murska Sobota, Fürstenfelder Stadt- und Gemeinderäte, die Amtsleitung sowie Vertreter der Stadtkapelle und der Stadtfeuerwehr. Auch Barna Szabó war anwesend.

Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Duo „Die Übersbacher“. Nach dem Eintrag in das Gästebuch der Stadt Fürstenfeld wechselten die Gäste bei einem „Gansl-Menü“ in persönliche Gespräche. Urkunde, Musik, gutes Essen – und viele Namen, die man sich für den nächsten Termin merken muss.

Partnerschaften mit praktischem Inhalt

Kommunale Partnerschaften stehen in einer längeren europäischen Tradition. Die Römischen Verträge formulierten das Ziel eines „immer engeren Zusammenschlusses der europäischen Völker“. Städte- und Gemeindeverbindungen sollen zur Völkerverständigung, zur Entwicklung eines europäischen Bewusstseins und zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls beitragen.

Seit mehr als 60 Jahren sind Kommunalpartnerschaften Bestandteil des öffentlichen Lebens deutscher Kommunen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen deutsche Kommunen Partnerschaften ein, noch bevor sich die Beziehungen zwischen ehemaligen Kriegsgegnern auf staatlicher Ebene normalisierten. Zunächst lagen die Schwerpunkte vor allem bei westlichen Nachbarländern. Seit den 1980er-Jahren kamen verstärkt Kommunen im Globalen Süden hinzu, nach dem Zerfall des kommunistischen Systems Ende der 1980er-Jahre außerdem vermehrt Partner in Mittel- und Osteuropa.

Heute unterhalten deutsche Kommunen weltweit mehr als 7.000 Partnerschaften, Freundschaften und Kontakte. Durch die Globalisierung und die wachsenden Herausforderungen in Europa und weltweit hat sich auch die Partnerschaftsarbeit verändert: Neben Annäherung und Versöhnung geht es inzwischen um Kooperationen in allen Bereichen kommunalen Handelns. Die Formen reichen von klassischen Partnerschaften über Themen- und Projektpartnerschaften bis zu Netzwerken von Partnerschaften.

Gemeinsam ist diesen Verbindungen der direkte Kontakt. Bürgerinnen und Bürger fördern durch persönliche Begegnungen Freundschaft zwischen den Völkern – manchmal bei einer Sitzung, manchmal bei einem Vereinsprojekt und manchmal eben bei einem Gansl-Menü.