In der Volksschule Langau ist es während der Herbstferien leiser geworden. Zwei Klassenräume erhielten schalldämmende Akustikplatten. Die Montage war rechtzeitig vor dem Ferienende abgeschlossen, damit die Räume zum Schulbeginn wieder bereitstanden.

Die Platten sollen den Schallpegel und den störenden Nachhall im Unterricht verringern. Davon versprechen sich die Verantwortlichen bessere Konzentration und mehr Wohlbefinden für Kinder und Lehrkräfte. Gleichzeitig lockern die Elemente das Erscheinungsbild der Klassenräume auf – weniger Hall, etwas mehr Ruhe, und an den Wänden tut sich auch etwas.

Umsetzung durch die Gemeinde

Bürgermeister Daniel Mayerhofer dankte dem geschäftsführenden Gemeinderat Ernst Andre. Er habe die Umsetzung der Idee bis zur Beschaffung begleitet. Gemeindemitarbeiter Gernot Hess kümmerte sich um die Fertigstellung.

Der Schritt in Langau trifft einen Punkt, der im Schulalltag schnell spürbar wird: Hoher Lärm erschwert die Kommunikation und stört den Unterricht. Für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte kann die Belastung akut anstrengend sein und langfristig gesundheitliche Probleme verursachen.

Wenn jedes Wort gegen den Hall ankämpft

Gute Raumakustik ist eine Voraussetzung dafür, dass Kinder dem mündlichen Unterricht aufmerksam folgen können. Hall und Lärm verschlechtern die Sprachverständlichkeit, erschweren das Mitkommen und können zu schneller Ermüdung sowie beeinträchtigten Leistungen führen. Lehrkräfte erleben die Geräuschkulisse als Stress; bei schlechter Akustik müssen sie lauter sprechen, was die Stimme stärker belastet.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Für verständliche Sprache braucht es ausreichend schallabsorbierende Flächen und eine möglichst kurze Nachhallzeit. Klassenräume sind typischerweise 60 bis 70 Quadratmeter groß und etwa drei Meter hoch. Nach DIN 18041 soll die Nachhallzeit in Räumen bis etwa 250 Kubikmeter bei 0,5 bis 0,6 Sekunden liegen. Für Kinder mit eingeschränktem Hörvermögen sowie für jene, die in einer nicht als Muttersprache gelernten Sprache kommunizieren, werden bis zu 0,4 Sekunden empfohlen. Das betrifft auch Schülerinnen und Schüler, die eine Fremdsprache lernen.

Erwachsene können Hintergrundgeräusche meist besser ausblenden und unvollständige akustische Informationen ergänzen als Kinder. Flüstern, Stühlerücken oder Außengeräusche fallen daher für die Jüngeren stärker ins Gewicht. In einem halligen Raum sprechen Lehrkräfte lauter, ebenso die Kinder – vor allem bei Gruppenarbeit. Der Grundgeräuschpegel steigt, alle drehen noch weiter auf: Dieser Kreislauf wird als Lombard-Effekt bezeichnet.

Schallabsorptionsmaterial kann die Halligkeit bremsen und die Sprachverständlichkeit verbessern. Dann reicht oft eine leisere Stimme, und die Geräuschbelastung schaukelt sich nicht weiter hoch. Je nach Ausgangslage lässt sich der Pegel durch raumakustische Maßnahmen deutlich senken. Das wirkt sich auf die Lernleistung der Schülerinnen und Schüler aus und auf das Wohlbefinden des Lehrpersonals, dessen akustische Belastung häufig unterschätzt wird.

Akustik ist mehr als eine Platte an der Wand

Fachleute entwickeln zukunftsorientierte Lösungen für Lehr- und Lernräume. Dazu gehören eine raumakustische Planung, schallabsorbierende Bauteile sowie die Abstimmung von akustischer Wirkung, Gestaltung und Nachhaltigkeit. Auch Schallquellen selbst können reduziert werden, etwa durch optimierte Sporthallenböden. Eine bessere Schalldämmung kann die Schallabstrahlung beim Aufprall von Bällen verringern.

Individuell angepasste Bauteile und Konstruktionen sollen die Sprachverständlichkeit erhöhen und die Lärmbelastung senken. Solche Lösungen werden gemeinsam mit den Auftraggebern an die Nutzung und die akustischen Bedingungen vor Ort angepasst. Bei der Produktentwicklung spielen Materialien, Konstruktion und Gestaltung eine Rolle. Für die Raumakustik werden bestehende Normen wie DIN 18041 herangezogen, während die Forschung jene Bedingungen untersucht, die für einen optimalen Produkteinsatz nötig sind. Auch subjektive Bewertungen fließen ein, damit die Akustik den Anforderungen der Nutzer entspricht. Dabei gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Bereich „Kognitive Ergonomie und Psychoakustik“.

Die genannten Nachhallziele lassen sich in Klassenräumen häufig schon mit einer schallabsorbierenden Deckengestaltung erreichen. Bei hochabsorbierenden Materialien kann es sinnvoll sein, nur die Deckenränder zu belegen, damit hochfrequente Schallanteile – besonders Konsonanten – bis in den hinteren Bereich gelangen. Wichtig ist eine ausgewogene Wirkung über alle relevanten Frequenzbereiche.

Ergänzend kann der obere Bereich der Rückwand, also die der Lehrkraft gegenüberliegende Wand, schallabsorbierend gestaltet werden. Das ist vor allem bei größeren Räumen sinnvoll, wenn der Schall über Decke und Rückwand mehr als 17 Meter zurücklegt. Der zeitlich verzögerte Reflexionsschall kann sich sonst mit dem Direktschall überlagern und die Sprache durch verschliffene Informationen unverständlicher machen. Die Wand hinter der Lehrkraft sollte dagegen schallreflektierend sein, damit frühe Reflexionen den Direktschall unterstützen.

Planung, Material und Alltag

Raumakustische Verbesserungen sind in Klassenzimmern meist mit vergleichsweise geringem Aufwand möglich. Oft genügt eine schallabsorbierende Decke aus geeignetem Material. Genannt werden etwa 20 Millimeter dicke Akustikplatten aus Mineralfasermaterial, die mit mindestens zehn Zentimetern Abstand zur Decke montiert werden. Für Eigenleistungen kommen schwer entflammbare Schaumstoffmaterialien infrage, weil sie leicht zugeschnitten und direkt an die Decke geklebt werden können.

Empfohlen wird trotzdem, eine Fachplanerin oder einen Fachplaner einzubinden und die Maßnahmen mit dem zuständigen Sachkostenträger abzustimmen – insbesondere wegen Brandschutz und baubiologischer Vorgaben. Materialien müssen sicher und dauerhaft befestigt werden; erlaubt sind nur zugelassene Befestigungsmittel oder Kleber. Nachträgliche Renovierungen durch Anstriche sind meist keine gute Idee, weil sich dadurch die akustischen Eigenschaften verschlechtern können.

Auch außerhalb des Klassenzimmers beginnt die Geräuschsuche. Liegt eine Schule an einer stark befahrenen Straße, kann eine ausreichende Schalldämmung der Fenster nötig sein. Projektionsgeräte sollten möglichst leise arbeiten. Bei Möbeln helfen Ausführungen, die Geräusche dämpfen, etwa passende Stuhl- und Tischgleiter.

Zur akustischen Gestaltung und Lärmminderung in Schulen werden unter anderem Fachveröffentlichungen von Huber, Kahlert und Klatte, Maue, Oberdörster und Tiesler sowie Publikationen der Unfallkasse Hessen und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft genannt. In Langau ist der erste praktische Schritt inzwischen erledigt: Die beiden Klassenräume sind wieder in Betrieb – mit weniger Nachhall und hoffentlich etwas mehr Luft zwischen den Stimmen.