In Hall in Tirol riecht es nach Holz, Metall und Arbeit. Im Familienunternehmen Anker Dach + Glas leitet Markus Anker-Graf den Betrieb gemeinsam mit seinem Schwager Lorenz Anker. Der gebürtige Innsbrucker ist gelernter Spengler sowie Glaser- und Holzbaumeister – und steht trotz seiner Aufgaben als Unternehmer weiterhin regelmäßig auf Baustellen.

Sein Weg ins Handwerk war nicht geradlinig geplant. Nach der HAK studierte Anker-Graf Betriebswirtschaftslehre und arbeitete nebenbei in einem Sägewerk. Während des Studiums half er im Betrieb seines späteren Schwiegervaters aus und erlernte parallel den Spenglerberuf. Nach dem BWL-Abschluss stieg er als Spengler und später als Prokurist bei Anker Dach + Glas ein. Danach folgten die Meisterausbildungen zum Glaser und zum Holzbaumeister.

Vom Spenglerbetrieb zum vielseitigen Handwerkshaus

Gegründet wurde das Familienunternehmen 1868. Bis 2021 führte Hans Anker den Betrieb, im November dieses Jahres übergab er ihn an seinen Sohn Lorenz und seinen Schwiegersohn Markus Anker-Graf. Die beiden führen das Unternehmen in fünfter Generation weiter. Hans Anker unterstützt den Betrieb weiterhin.

Die Firmengeschichte reicht zu Josef Anker zurück, der 1868 einen Spengler- und Glasereibetrieb gründete. Seine Ausbildung hatte er in Südtirol absolviert. Zusätzlich betrieb er eine Werkstätte mit Geschäft für Haushalts- und Porzellanwaren aus eigener Produktion. Um 1900 übergab er den Betrieb an seinen Sohn Josef Anker. Nach dem tödlichen Unfall von dessen Sohn Hans übernahmen die Enkel Karl und Fritz das Unternehmen. Fritz nahm die Produktion von Dachrinnen in das Angebot auf, 1983 übergab er die Firma an seinen Sohn Johannes Anker.

2007 kam die Dachdeckerei dazu. Seither werden Dachsanierungen und Dachneubauten samt Dachrinnen- und Glasarbeiten als Komplettlösung angeboten. Mit der Übergabe 2021 wurde zusätzlich die Zimmerei aufgenommen. Aus dem ursprünglichen Spengler- und Glaserbetrieb entstand so ein Unternehmen mit vier Fachbereichen: Spenglerei, Glaserei, Dachdeckerei und Zimmerei.

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Der Tiroler Meisterbetrieb mit Sitz in Hall arbeitet für Hall, Innsbruck und Umgebung. In der Spenglerei entstehen Dachrinnen, Fassadenverkleidungen und weitere Blech- und Spenglerarbeiten nach Maß. Die Glaserei übernimmt Fensterverglasungen und individuelle Glaslösungen für Neubau, Sanierung und Reparaturen. Bei Ziegel- und Flachdächern geht es um Neubau, Sanierung und Wartung, während die Zimmerei Dachstühle, Carports und weitere Holzkonstruktionen für Wohn- und Gewerbebauten errichtet.

Die Projekte reichen vom Wohnhaus und Carport bis zur Sanierung des Stadtturms und zu Arbeiten im Denkmalschutz. Als aktuelle Referenzen nennt das Unternehmen einen Zierteich mit Zubauten in Innsbruck, ein modernes Stallgebäude in Baumkirchen und den modernen Holzbau eines Holzhauses in Birgitz. In der Werkstatt stehen historische Maschinen neben modernen Geräten – Vergangenheit und Gegenwart auf engem Raum.

23 Beschäftigte, zwei Lehrlinge und viel Baustellenpraxis

Anker Dach + Glas beschäftigt 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Viele sind seit Jahren dabei, manche sogar seit mehr als 40 Jahren. Der Betrieb bildet derzeit zwei Lehrlinge aus. Besonders gute Erfahrungen hat das Unternehmen mit Menschen gemacht, die sich auf dem zweiten Bildungsweg für einen Handwerksberuf entschieden haben.

Anker-Graf beschreibt seine Rolle als Unternehmer ähnlich der eines Fußballtrainers: koordinieren, zuhören, bei Lösungen unterstützen und Entscheidungen treffen. Alle Aufgaben selbst erledigen oder jeden Arbeitsschritt kontrollieren – das lehnt er ab. Ganz aus der Praxis verabschiedet hat er sich allerdings nicht. Auf Baustellen ist er weiterhin regelmäßig anzutreffen.

Auch Kundinnen und Kunden berichten von konkreten Erfahrungen mit dem Unternehmen. Chris Patsch lobt Freundlichkeit, Zuverlässigkeit und Kompetenz bei einem Carportumbau zu einer Garage sowie bei einem Glas-Terrassendach. Inge Sigl hebt die fachlich hochwertige Ausführung eines neuen Stegs an einem Schwimmteich sowie Beratung und Betreuung hervor. Reinhard Sachsenmaier berichtet von einer geplanten und schnell ausgeführten Glasüberdachung. Martin Heinrich beschreibt, wie eine lose Dachplatte noch am selben Tag repariert wurde, und lobt die schnelle und kompetente Ausführung.

Für einen guten Handwerker zählen für Anker-Graf neben fachlicher Qualifikation auch Freude am Beruf und Stolz auf die eigene Arbeit. Er unterrichtet Kalkulation im Glasermeisterkurs und nimmt Lehrabschlussprüfungen ab. Der Kontakt zur Ausbildung endet für ihn also nicht an der Werkstatttür.

Funktionär zwischen Bürokratie und Fachkräftemangel

Nach der Wirtschaftskammerwahl wurde Anker-Graf gefragt, als Funktionär in der Innung der Dachdecker, Glaser und Spengler mitzuwirken. Er stimmte zu. Als Spengler sowie Glaser- und Holzbaumeister kennt er die vertretenen Gewerke aus Theorie und Praxis. Die Innung vereint allerdings unterschiedliche Interessen von Dachdeckern, Spenglern und Glasern – da braucht es manchmal mehr als einen schnellen Handgriff.

Zu den Themen, die er unterstützt, gehören Bürokratieabbau, einfachere administrative Abläufe, Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Ein Schwerpunkt bleibt die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. Anker-Graf will das duale Ausbildungssystem stärken und Jugendliche bei der Berufswahl besser unterstützen.

Die Landesinnung der Dachdecker, Glaser und Spengler hat in Tirol 368 Mitglieder. Innungsmeister ist Thomas Senn, seine Stellvertreter sind Thomas Jäger und Johannes Oswald Stöckholzer. Für die Funktionsperiode 2025–2030 stehen Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel, Unterstützung bei der Lehrausbildung und die branchenpolitische Interessenvertretung im Mittelpunkt.

Der Betrieb ist erreichbar unter +43 5223 57440 sowie per E-Mail an info@anker-glas.at.

Tiroler Arbeitsmarkt bleibt angespannt

Der Blick auf den Tiroler Arbeitsmarkt zeigt, warum Ausbildung und Fachkräftegewinnung für Handwerksbetriebe keine Nebensache sind. Im Jahresdurchschnitt 2025 stieg die Arbeitslosigkeit gegenüber 2024 um 7,1 Prozent auf 17.168 Personen. Die Zahl der sofort verfügbaren offenen Stellen sank um 4,9 Prozent auf 6.772, lag im langjährigen Vergleich aber weiterhin auf hohem Niveau.

Gleichzeitig erreichte die unselbstständige Beschäftigung mit 360.179 Beschäftigungsverhältnissen einen historischen Höchststand. Die geschätzte Arbeitslosenquote lag bei 4,5 Prozent – höher als in den drei Jahren davor, aber weiterhin niedrig im Vergleich zu früheren Jahren. Die Langzeitbeschäftigungslosigkeit stieg um 14,9 Prozent auf 2.070 Personen. Das waren 12,1 Prozent aller Arbeitslosen; österreichweit lag dieser Anteil bei 29,2 Prozent.

Die Entwicklung der Jahre 2022 bis 2025 zeigt ein gemischtes Bild: Die Arbeitslosenquote lag bei 4,0, 3,9, 4,3 und zuletzt 4,5 Prozent. Die unselbstständige Beschäftigung stieg von 350.689 über 356.603 und 358.980 auf 360.179. Bei den arbeitslosen Personen waren es 14.724, 14.664, 16.027 und 17.168. Die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen bewegte sich von 2.186 über 1.610 und 1.801 auf 2.070. Schulungsteilnehmer gab es 2.288, 2.117, 2.279 und 2.460. Die sofort verfügbaren offenen Stellen gingen von 9.877 über 8.025 und 7.120 auf 6.772 zurück. Die Beschäftigungs- und Arbeitslosenquoten für Dezember 2025 waren vorläufige Schätzwerte.

Für 2026 erwartet das AMS zunächst einen leichten weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Arbeitslosenquote. Die unselbstständige Beschäftigung soll wegen der steigenden Erwerbsbeteiligung älterer Menschen und von Frauen sowie der anhaltenden Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte weiter wachsen. Die Prognose für Tirol fällt etwas günstiger aus als jene für Gesamtösterreich. Ein Rückgang der Arbeitslosigkeit wird frühestens ab Mitte 2026 erwartet. Strukturwandel und Fachkräftebedarf bleiben zentrale Themen.

Am 31. Dezember 2025 waren in Tirol 17.421 Personen arbeitslos, um 3,9 Prozent beziehungsweise 646 Personen mehr als im Vorjahr. 29,7 Prozent hatten bereits eine Einstellzusage eines Betriebs, 63,8 Prozent waren kürzer als drei Monate arbeitslos und 42,4 Prozent verfügten höchstens über einen Pflichtschulabschluss. Österreichweit stieg die Arbeitslosigkeit um 2,9 Prozent auf 363.006 Personen. In Tirol waren im Dezember 2022 15.245, 2023 15.814, 2024 16.775 und 2025 schließlich 17.421 Menschen arbeitslos.

Bei geschätzten 372.000 unselbstständig Beschäftigten lag die Arbeitslosenquote bei 4,5 Prozent. Zusätzlich nahmen 2.474 Personen an AMS-Schulungsmaßnahmen teil, 4,4 Prozent beziehungsweise 105 Personen mehr als im Vorjahr. Die Beschäftigung sank gegenüber dem Vorjahr vorläufig geschätzt um 0,1 Prozent auf 372.000, während die Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte stieg.

Frauen waren stärker vom Anstieg betroffen: Ihre Arbeitslosigkeit nahm um 7,6 Prozent auf 6.100 zu, jene der Männer um 1,9 Prozent auf 11.321. Die geschätzte Arbeitslosenquote der Männer lag bei 5,6 Prozent, unter anderem wegen saisonaler Arbeitslosigkeit im Bau. Bei Frauen betrug sie 3,3 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Quote bei Frauen um 0,2 Prozentpunkte, bei Männern um 0,1 Prozentpunkte.

Nach Branchen erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen im Handel um 240 beziehungsweise 10,4 Prozent, in der Arbeitskräfteüberlassung um 130 beziehungsweise 17,3 Prozent, im Bereich Verkehr und Lagerei um 104 beziehungsweise 12,0 Prozent und im Gesundheits- und Sozialwesen um 103 beziehungsweise 9,6 Prozent. Die Warenherstellung blieb mit plus fünf Personen beziehungsweise 0,3 Prozent weitgehend stabil. Im Bau sank die Arbeitslosigkeit um 221 beziehungsweise 5,5 Prozent. Von den 3.821 arbeitslosen Personen in dieser Branche hatten 75,0 Prozent eine Einstellzusage.

Ende Dezember waren beim AMS Tirol 5.917 sofort verfügbare Stellen gemeldet – 826 beziehungsweise 12,2 Prozent weniger als im Vorjahr. In Beherbergung und Gastronomie gingen die offenen Stellen um 501 beziehungsweise 26,7 Prozent zurück, im Handel um 177 beziehungsweise 13,1 Prozent, im Gesundheits- und Sozialwesen um 136 beziehungsweise 30,4 Prozent und in Verkehr und Lagerei um 133 beziehungsweise 24,2 Prozent.

Mehr offene Stellen gab es hingegen im Bau, wo die Zahl um 78 beziehungsweise 25,7 Prozent stieg, in Architektur- und Ingenieurbüros mit plus 65 beziehungsweise 216,7 Prozent sowie in der Warenherstellung mit plus 30 beziehungsweise 5,1 Prozent. Die Dezemberwerte lagen bei 9.794 offenen Stellen 2022, 8.043 im Jahr 2023, 6.743 im Jahr 2024 und 5.917 im Jahr 2025. Der größte Personalbedarf bestand in der Beherbergung mit 995 Stellen und im Einzelhandel mit 909 Stellen. Am stärksten gesucht wurden Kellnerinnen und Kellner mit 509 Stellen sowie Gaststättenköchinnen und -köche mit 382.

Ende 2025 waren außerdem 2.226 Personen langzeitbeschäftigungslos, 241 beziehungsweise 12,1 Prozent mehr als im Vorjahr. 54,9 Prozent hatten gesundheitliche Einschränkungen oder eine Behinderung, 50,3 Prozent verfügten höchstens über einen Pflichtschulabschluss und 48,8 Prozent waren über 50 Jahre alt. Für einen Handwerksbetrieb wie Anker Dach + Glas heißt das: Lehrlinge ausbilden, zweite Bildungswege offenhalten und gute Leute nicht so schnell wieder ziehen lassen.