Am 4. Juni 2026 feierte die Hengstaufzucht Ossiacher Tauern in Feldkirchen ein ganz besonderes Jubiläum: 120 Jahre Bestehen! Es war ein Fest voller Freude und Tradition, das die lange Geschichte des Aufzuchthofs gebührend würdigte. Der Aufzuchthof wurde 1906 gegründet und gilt als der erste Junghengstaufzuchthof in Österreich. Bereits zu dieser Zeit war die Pferdezucht ein zentraler Bestandteil des Betriebs, der auf 960 Metern Seehöhe, erreichbar über öffentliche Straßen, liegt. Die Ursprünge des Ossiacher Tauern reichen bis ins Jahr 1513 zurück, als das Benediktinerkloster in Ossiach die Region gründete und die Pferdezucht in den Mittelpunkt rückte.
Im Zuge der Reformen von Kaiser Josef II. wurde das Kloster 1783 aufgelöst und die Gutsherrschaft ging in militärische Verwaltung über. Dennoch blieb die Pferdezucht ein wichtiger Bestandteil des Hofes, der sich über eine Fläche von 204 Hektar erstreckt. Davon sind 119 Hektar Wald, 78 Hektar Grünland und rund 10 Hektar Weideflächen. Auch in den letzten zwei Jahren wurde intensiv in die Modernisierung des Aufzuchthofes investiert, rund 100.000 Euro flossen in Sanierungsmaßnahmen, die unter anderem die Erneuerung des Auslaufbodens, der Fassade und der Beleuchtung umfassten. Die Umstellung auf Bewegungsstallhaltung in den Jahren 2003-2004 war ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, um das Wohl der Hengste zu fördern.
Tradition und Innovation
Anlässlich des Jubiläums fand der traditionelle Weideaustrieb von rund 20 Junghengsten statt. Landwirtschaft LHStv. Martin Gruber betonte die Bedeutung des Aufzuchthofs für die Kärntner Pferdezucht. Der Hof ist nicht nur für die Zucht der Noriker- und Haflinger-Pferde bekannt, sondern auch für dessen Engagement in der Erhaltung und Förderung dieser Rassen. Noriker sind mittelschwere, harmonische Kaltblutpferde, die sich durch ihre Wendigkeit und Trittsicherheit auszeichnen. Früher als reine Arbeitstiere genutzt, sind sie heute auch beliebte Freizeit- und Sportpferde.
Die Geschichte des Ossiacher Tauern ist eng mit der Entwicklung der Pferdezucht in Kärnten verknüpft. Die erste urkundliche Erwähnung der Tauernkirche, auch St. Thomaskapelle genannt, datiert auf das Jahr 1250. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden Bauernhuben erworben, was zur Gründung der Tauernmeierei führte, die als Nebenbetrieb für die Pferdezucht diente. Die Zuchtziele wurden von Gestüts-Offizieren bestimmt, und die Nachfrage nach schwerem Kaltblut führte zu einem Ankauf von Zuchthengsten.
Ein Fest der Gemeinschaft
Bei der Jubiläumsfeier waren auch zahlreiche Vertreter aus der Landwirtschaft anwesend, darunter Landwirtschaftskammerpräsident Siegfried Huber, der Obmann des Landes-Pferdezuchtverbands Marjan Cik sowie Tierzuchtdirektor Johann Burgstaller und Geschäftsführerin Stefanie Wuzella. Es war eine wunderbare Gelegenheit, die Erfolge der letzten Jahre zu feiern und die enge Verbindung zwischen den Züchtern und der Region zu stärken.
Die Geschichte des Ossiacher Tauern ist mehr als nur die Entwicklung eines Aufzuchthofs; sie ist ein Spiegelbild der kärntnerischen Kultur und der Wertschätzung für die Pferdezucht. Die Noriker, mit ihrer Farbenvielfalt und ihrem hervorragenden Charakter, sind das Ergebnis einer konsequenten Linien- und Farbzucht. Sie sind vielseitig einsetzbare Arbeits-, Freizeit- und Sportpferde, die auch heute noch eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft und im Reitsport spielen.
So bleibt der Ossiacher Tauern nicht nur ein Ort der Tradition, sondern auch ein Beispiel für die gelungene Verbindung von Geschichte und modernem Pferdesport. Das Jubiläum war somit nicht nur ein Rückblick, sondern auch ein Ausblick auf eine vielversprechende Zukunft für die Pferdezucht in Kärnten.
