Judenburg zwischen leistbaren Wohnungen, marodem Erlebnisbad und großen Zukunftsplänen
In Judenburg stehen mehrere Zukunftsfragen gleichzeitig auf dem Tisch. Bei der Gemeindeversammlung ging es um leistbaren Wohnraum, die Zukunft des Erlebnisbads, die Sanierung des Pflichtschulclusters Lindfeld und ein neues Naherholungsgebiet an der Mur. Vieles davon ist noch nicht beschlossen, manches bereits konkret vorbereitet.
Bürgermeisterin Elke Florian betonte, dass die Einnahmen aus dem Verkauf des Ochsenbodens noch nicht aufgebraucht seien. Ein Teil des Geldes fließt in die laufende Sanierung der Burggasse. Grundsätzlich, so Florian, verkaufe die Stadt Eigentum nur dann, wenn dadurch ein erhaltender oder neuer Wert für die Gemeinde entsteht.
Gemeindewohnungen sollen attraktiver werden
Judenburg besitzt 530 Gemeindewohnungen. Sie seien zwar leistbar, erklärte Florian, aber nur eingeschränkt attraktiv. Rund 40 Prozent stehen derzeit leer. Deshalb gibt es Überlegungen, die Wohnungen an einen Partner zu verkaufen. Ein Angebot liegt bereits vor und wird nun in den zuständigen Gremien beraten.
Das Ziel ist klar formuliert: Mittelfristig soll Judenburg wieder mehr als 10.000 Einwohner erreichen. Dafür brauche es leistbare und zugleich attraktive Wohnungen. Eine Mieterin wollte wissen, ob sie nach einem möglichen Verkauf aus ihrer Wohnung ausziehen müsse. Florian stellte klar, dass die Mietverträge unkündbar bleiben. Die Stadt habe das juristisch prüfen lassen; ein erzwungener Auszug sei nicht möglich.
Erlebnisbad: Resolution an das Land
Auch beim Erlebnisbad ist die Lage ein Spagat. Das Bad soll erhalten bleiben, gleichzeitig beträgt der Investitionsbedarf für die Sanierung rund 8 Millionen Euro. Die laufenden jährlichen Kosten liegen bei etwa 650.000 Euro. Nach Angaben der Stadt verursacht der Betrieb sogar einen Verlust von mehr als 600.000 Euro pro Jahr.
Sichtbare Bauschäden, technische Modernisierungsdefizite und steigende Energiekosten erhöhen den Druck. Für Sanierung, technische Ertüchtigung und Modernisierung wären mehrere Millionen Euro nötig. Ein Bademeister berichtete, dass der Betrieb hinter der gepflegten Außenfassade nur durch umfangreiche Improvisation aufrechterhalten werde. Ein weiterer Investitionsstau könnte langfristig Sicherheit und Betriebsfähigkeit beeinträchtigen.
Der Gemeinderat hat deshalb eine Resolution an das Land Steiermark verabschiedet und darin finanzielle Unterstützung gefordert. Fast alle Fraktionen stimmten zu, die FPÖ enthielt sich. Der Ausschussvorsitzende für Sport und Gesundheit erklärte, die Stadt kämpfe um den Erhalt des Bades und habe deshalb die Resolution eingebracht.
Bei der Frage nach dem Weg dorthin gehen die Meinungen auseinander. Die Vizebürgermeisterin sprach sich dafür aus, zuerst die eigenen finanziellen und organisatorischen Aufgaben der Gemeinde zu erledigen. Andere Fraktionen sehen Unterstützung des Landes als einzige realistische Möglichkeit, das Bad als regionales Freizeit- und Sportzentrum zu bewahren. Ohne substanzielle Hilfe könnten weitere Einsparungen, Gebührenerhöhungen oder ein zusätzlicher Investitionsstau notwendig werden.
Das Erlebnisbad zählt rund 40.000 Besucher pro Jahr, in der Resolution ist von mehr als 30.000 Besucherinnen und Besuchern jährlich die Rede. Rund 5.000 Kinder aus etwa 20 Schulen des Bezirks nutzen die Anlage jedes Jahr für den Schwimmunterricht; für die Schulangebote besteht eine Warteliste. Die Stadt erarbeitet gemeinsam mit Bund und Land Finanzierungskonzepte. Die Resolution wurde an das Land Steiermark übermittelt, eine verbindliche Zusage der Landesregierung liegt noch nicht vor. Wie es weitergeht, hängt von den Gesprächen zwischen Gemeinde und Land sowie von den Prioritäten im Gemeindebudget ab.
Gesundheitszentrum und Schulumbau
Im ehemaligen Gebäude des „Hirter Lagl“ soll bereits 2027 ein neues Gesundheitszentrum entstehen. Zwei Kinderärzte haben Interesse an einer Ansiedlung bekundet. Weitere Ärzte sollen folgen, sobald die notwendigen Voraussetzungen geschaffen sind. Zuvor muss der Gemeinderat dem Projekt noch zustimmen. Für die Stadt würde das eine Investition von rund 500.000 Euro bedeuten.
Für 2027/28 ist außerdem die Sanierung des Pflichtschulclusters Lindfeld vorgesehen. Das Gebäude der Mittelschule und der Polytechnischen Schule soll modernisiert werden, die Volksschule soll dort integriert werden. Veranschlagt sind etwa 2 Millionen Euro. Ob der Zeitplan hält, hängt von der Unterstützung des Landes und den verfügbaren Förderungen ab.
„Murbogen“ wartet auf das neue Kraftwerk
Noch in der Planungsphase befindet sich das Naherholungsgebiet „Murbogen“. Rund um das neue Stadtkraftwerk sollen Spazierwege und Erholungsplätze entstehen. Die Stadt erarbeitet die Pläne gemeinsam mit den Stadtwerken.
Das Kraftwerk soll im Herbst 2027 fertiggestellt werden. Erst danach kann das Naherholungsgebiet umgesetzt werden. Bis dahin bleibt in Judenburg einiges zu beraten: Wohnungen, Schule, Gesundheitsversorgung, Bad und Flussufer hängen nicht alle am selben Fördertopf – aber sehr wohl an der Frage, was sich die Stadt wann leisten kann.
