Im Mödlinger Stadttheater wird Geschichte lebendig – und das auf eine ganz besondere Art und Weise. Anlässlich des 81. Jahrestags des Kriegsendes wird das Stück „Der Bockerer“ aufgeführt, ein Werk aus dem Jahr 1948, das mit einer Mischung aus Tragik und Wiener Schmäh aufwartet. Die Geschichte dreht sich um einen Wiener Fleischhauer, Karl Bockerer, der sich dem Nationalsozialismus widersetzt. Georg Kusztrich, der die Hauptfigur verkörpert, bringt die Zuschauer zum Nachdenken und Schmunzeln zugleich.

Die Inszenierung von Intendant Bruno Max gelingt es, Ernsthaftigkeit und Humor miteinander zu verweben. Viele der Darsteller schlüpfen dabei in mehrere Rollen – eine Herausforderung, die sie mit Bravour meistern. Besonders bemerkenswert ist die Darbietung von Bernie Feit, der mit seinem Akkordeon als Hatzinger einen roten Faden durch die Inszenierung zieht. Nach der Pause folgt ein gespenstisches Finale, das den Wahnsinn des Krieges thematisiert, als Bockerer auf einen psychisch Kranken trifft, der sich für Hitler hält. Die Auswirkungen des Krieges auf die Nerven und die Kriegserfahrungen der Heimkehrer werden eindrucksvoll dargestellt.

Psychische Folgen von Krieg und Verfolgung

In der aktuellen Forschung wird intensiv untersucht, welche gravierenden psychischen Spuren der Zweite Weltkrieg bei Überlebenden hinterlassen hat. Besonders betroffen sind dabei jüdische Menschen und andere Opfer der Shoa. Zwei Forschungsprojekte des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) widmen sich der Thematik der transgenerationalen Weitergabe von psychischen Traumata. Diese Studien erscheinen genau 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und werfen einen Blick auf die Nachkommen von Holocaust-Überlebenden sowie auf Kinder und Enkel der Tätergeneration.

Die psychischen und biologischen Folgen extremer Belastungen können über Generationen hinweg wirken und familiäre Beziehungen beeinflussen. So zeigt die Forschung, dass die Stresshormonachse von Kindern traumatisierter Eltern verändert ist. Prof. Dr. Dr. Elisabeth Binder untersucht, wie solche extremen Belastungen biologisch „einschreiben“ und wie Umwelteinflüsse die Genaktivität beeinflussen. Veränderungen in der epigenetischen Regulation von Genen, die für die Stressverarbeitung wichtig sind, gelten als Indikatoren für zukünftige psychische Erkrankungen.

Einblicke in die Forschung

Die Forschungsergebnisse belegen, dass vorgeburtliche Stressbelastungen, wie sie durch mütterliche Depression und Angst in der Schwangerschaft ausgelöst werden, erhebliche Auswirkungen auf die spätere Inanspruchnahme medizinischer und psychologischer Hilfe durch die Kinder haben können. Diese Verknüpfungen sind nicht nur für die Nachkommen von Holocaust-Überlebenden relevant. Auch Menschen mit Unrechtserfahrungen in der DDR und Geflüchtete aus aktuellen Kriegs- und Krisengebieten sind betroffen. Prof. Hanna Christiansen und ihr Team untersuchen, wie psychische Erkrankungen in Familien durch gestörte Interaktionen und belastende Lebensbedingungen weitergegeben werden.

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Das Mödlinger Stadttheater erweist sich also nicht nur als Ort der Unterhaltung, sondern auch als Plattform, um wichtige gesellschaftliche Themen aufzugreifen. Die Begeisterung des Publikums, das mit Standing Ovations und Jubelrufen reagierte, zeigt, dass das Stück „Der Bockerer“ mehr ist als nur ein Theaterstück. Es ist ein eindringlicher Appell, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und deren Auswirkungen auf die Gegenwart zu verstehen. Die nächsten Aufführungen finden vom 14. bis 16., 17., 19., 21. bis 23. Mai statt. Wer also noch nicht da war, hat die Gelegenheit, sich von der Verbindung zwischen Tragik und Posse mitreißen zu lassen.

Für weiterführende Informationen zur Thematik der psychischen Folgen des Krieges und den aktuellen Forschungsprojekten kann die Quelle auf DZPG besucht werden. Auch die Perspektiven zur transgenerationalen Traumaweitergabe sind auf MDR nachzulesen.