In Perg ist die Landwirtschaft kein Nebenschauplatz. Land- und Forstwirtschaft prägen den Bezirk seit Generationen, sichern regionale Wertschöpfung und Versorgung und halten die Kulturlandschaft offen. Beim Pressegespräch in Pabneukirchen informierten Landwirtschaftskammer-Oberösterreich-Präsident Franz Waldenberger und Katrin Schober, Vorsitzende des Bäuerinnenbeirats im Bezirk Perg, über die Lage der bäuerlichen Familienbetriebe und ihre Anliegen.

Die Herausforderungen sind deutlich spürbar: steigende Anforderungen, zunehmende Wetterextreme, volatile Märkte und internationaler Wettbewerbsdruck setzen den Höfen zu. Bezirksbauernkammer-Obfrau Barbara Payreder fordert deshalb verlässliche Rahmenbedingungen, Planungssicherheit, praxistaugliche Vorgaben und politische Entscheidungen, die sich auch umsetzen lassen. Übermäßige Bürokratie müsse eingedämmt werden, regionale Besonderheiten seien bei der Umsetzung von Vorgaben zu berücksichtigen.

Zwischen Dürre, Kosten und neuen Vorgaben

Das Jahr 2026 wurde als schwerstes Dürrejahr in der Geschichte der österreichischen Landwirtschaft bezeichnet. Für Oberösterreich wurde ein Schaden von rund 200 Millionen Euro genannt. Gerade bei vielen Grünlandbetrieben hinterließ die trockene Witterung deutliche Spuren. Wassermanagement auf den Höfen wird wichtiger, ebenso trockenheitsresistente Pflanzenzüchtungen und Grassorten.

Geholfen wurde über die eigenen Betriebsgrenzen hinaus: Ackerbaubetriebe in Perg und Freistadt stellten Zwischenfruchtflächen als Futterflächen zur Verfügung. Das dort geerntete Futter ging an Rinderbetriebe. Solche Lösungen entstehen nicht am Schreibtisch, sondern oft dort, wo es schnell gehen muss.

Besonders schwierig bleibt die Lage in der Schweinehaltung. Im Bezirk gibt es 430 Schweinebetriebe mit insgesamt 41.429 Schweinen. Hohe Produktionskosten, stark gesunkene und schwankende Erzeugerpreise sowie steigende Anforderungen an Tierwohl und Nachhaltigkeit drücken auf die Betriebe. Für gesetzliche Tierwohlstandards, die ab 2033 gelten, müssen viele Höfe erhebliche Investitionen tätigen. Weil die Erlöse fehlen, halten sich Schweinehalter derzeit mit Investitionen zurück. Waldenberger und Schober verlangen Marktperspektiven und Planungssicherheit.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Zusätzliche Anforderungen müssten mit den notwendigen wirtschaftlichen Voraussetzungen verbunden werden, betont Payreder. Das gilt auch für den Ackerbau: Familienbetriebe erzeugen Getreide, Sojabohnen, Mais und Zuckerrüben und tragen vor allem im Süden des Bezirks zur Versorgungssicherheit und regionalen Wertschöpfung bei. Zugleich sollen sie Umwelt- und Naturschutzauflagen erfüllen. Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Innovation müssten zusammengedacht werden.

Für die Betriebe ist dabei das Agrar-Umweltprogramm ÖPUL von großer Bedeutung. Es unterstützt Umwelt-, Klima-, Boden- und Gewässerschutz und dürfe nicht gekürzt werden. Auch eine faire Abgeltung für Milchviehbetriebe wird gefordert: In den vergangenen Jahren mussten zahlreiche Milchbetriebe aufgeben, die Leistungen der Milchbauern sollen langfristig über den Markt erhalten bleiben.

Wald, Hänge und ein Hof mit Straußen

Rund 40 Prozent des Bezirks sind bewaldet. Die Forstwirtschaft ist für viele Höfe ein wichtiges Standbein und ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Trockenheit, Sturmschäden und zunehmender Schädlingsdruck setzen den Waldbesitzern allerdings zu. Gefordert werden stabile Rahmenbedingungen für eine klimafitte Weiterentwicklung der Wälder.

Auch benachteiligte Gebiete brauchen laut Schober Sicherheit. Hanglagen und ungünstige Strukturen erhöhen dort den Bewirtschaftungsaufwand. Die Ausgleichszulage sichert Einkommen, ermöglicht die weitere Bewirtschaftung dieser Flächen und trägt zum Erhalt der Kulturlandschaft bei.

Wie vielfältig die Betriebe aufgestellt sind, zeigt der Hof der Familie Krichbaum vulgo „Kriechbaumer“ in Unter-Pabneukirchen. Günter Krichbaum und Petra Gartlehner bewirtschaften ihn zu gleichen Teilen im Nebenerwerb. Drei Kinder und Günters Eltern leben am Hof, die Eltern helfen bei Arbeitsspitzen mit. Zum Betrieb gehören 70,35 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 40 Hektar Wald, teilweise gepachtet, außerdem 150 Rinder, darunter 40 Milchkühe, sowie Mastrinder.

Und dann gibt es noch die Straußenherde: 20 Tiere. Das Fleisch des „Mühlviertler Strauß“ wird ausschließlich direkt vermarktet. Der Betrieb verkauft außerdem über Milchlieferung und Schlachtvieh. Ein neuer Stall nach aktuellen Tierwohlstandards wurde errichtet – eine Investition, die im Alltag wohl nicht nur nach Zahlen beurteilt wird, sondern auch nach dem Geräuschpegel im Stall und danach, ob die Arbeit am Abend leichter von der Hand geht.

Waldenberger bezeichnete Perg als Bezirk mit großer Vielfalt in der Land- und Forstwirtschaft. Die wirtschaftliche Zukunft der Familienbetriebe hänge davon ab, ob sich Landwirtschaft weiterhin rechne. Fachwissen, Erfahrung und Innovationskraft seien vorhanden; viele Familien seien bereit, in die Weiterentwicklung ihrer Höfe zu investieren. Dafür brauche es wirtschaftlich verlässliche Bedingungen.

Was hinter den Bezirkszahlen steckt

Bereich Zahl
Landwirtschaftliche Hauptbetriebe 1.540
Darunter Biobetriebe 311
Geflügelbetriebe 969
Rinderbetriebe 812
Futterbaubetriebe 807
Milchviehbetriebe 560
Schweinebetriebe 430
Marktfruchtbetriebe 338
Gemischte Landwirtschaftsbetriebe 170
Forstbetriebe 137

Insgesamt umfasst die landwirtschaftliche Fläche 28.410 Hektar. Davon entfallen 18.319 Hektar auf Ackerflächen und 9.987 Hektar auf Grünland. Die Forstflächen umfassen 24.000 Hektar. Im Bezirk werden 304.005 Geflügel, 41.429 Schweine, 29.655 Rinder, 4.475 Schafe, 1.612 Ziegen und 797 Pferde gehalten.

Hinter diesen Zahlen stehen Familien, Arbeitswege, Stallarbeit bei schlechtem Wetter und die Frage, ob sich eine Investition irgendwann wirklich trägt. Die Landwirtschaftskammer versucht dabei an vielen Stellen anzusetzen: Laut Waldenberger fließen rund 43 Prozent der Kammerarbeit in die Beratung. Betriebe können sich bei fachlichen, rechtlichen und steuerlichen Fragen Unterstützung holen. Das Ländliche Fortbildungsinstitut, kurz LFI, bietet praxisnahe Kurse zu Tierhaltung, Betriebsführung, Digitalisierung, Persönlichkeitsbildung und Direktvermarktung an.

Schober verweist zudem auf Leistungen, die in keiner Milch- oder Getreideabrechnung vollständig sichtbar werden: Bäuerinnen und Bauern pflegen die Kulturlandschaft, fördern die Biodiversität, tragen zur Lebensqualität in den Gemeinden bei und stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt im ländlichen Raum. Dafür brauche es einen respektvollen Dialog zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft – und mehr Verständnis und Wertschätzung für bäuerliche Arbeit.

Regionale und saisonale Lebensmittel sind für Schober ein weiterer Schlüssel. Sie stärken bäuerliche Betriebe, regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit. Die Bauernvertreter fordern außerdem eine Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln in Gastronomie und Lebensmittelindustrie. Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer wird ein Projekt vorbereitet, bei dem Kundinnen und Kunden in 600 Betrieben die Herkunft der Lebensmittel per QR-Code abrufen können.

Beratung, Generationenwechsel und der Blick nach vorn

Die Themen aus Perg passen in ein größeres Bild. Der Grüne Bericht 2025 des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft nennt geopolitische Entwicklungen, volatile Weltmärkte und die Auswirkungen des Klimawandels als zentrale Herausforderungen für Land- und Forstwirtschaft.

Versorgungssicherheit, Klimawandelanpassung, Wasserverfügbarkeit, die Förderung biologischer Vielfalt und der Ausbau erneuerbarer Energien zählen dort zu den Zukunftsthemen. Landwirtschaftliche Betriebe leisten Beiträge für Wirtschaft und Tourismus, liefern regionale, sichere, gesunde und leistbare Lebensmittel und schützen die Natur. Im Rahmen von ÖPUL stellen bäuerliche Familienbetriebe Flächen für Biodiversität, Boden- und Gewässerschutz, Klima- und Luftreinhaltung sowie höheres Tierwohl bereit.

Nach einem Einkommensrückgang im Vorjahr entwickelten sich die Einkommen der Bauern und Bäuerinnen 2024 wieder leicht positiv. Einen wesentlichen Beitrag leistete das Impulsprogramm für die österreichische Landwirtschaft mit höheren ÖPUL-Prämien ab 2024 und stärkeren Ausgleichszahlungen für benachteiligte Gebiete.

Ein Schwerpunkt liegt auf Jungbauern und Jungbäuerinnen. Die aktuelle Agrarstrukturerhebung zeigt einen Generationenwechsel in der Land- und Forstwirtschaft; Hofübernahmen sollen bestmöglich begleitet werden. Stabile Rahmenbedingungen und Planbarkeit sollen jungen Menschen Perspektiven geben und Investitionen ermöglichen. Für einen Hof wie den Kriechbaumer in Pabneukirchen entscheidet sich das nicht in einer einzigen Sitzung, sondern Jahr für Jahr – zwischen Stall, Wald, Feldern und den Rechnungen, die am Küchentisch liegen.

Der Grüne Bericht, Ausgabejahr und -ort 2025, Wien, wird traditionell gemeinsam mit Wirtschafts- und Sozialpartnern sowie den im Parlament vertretenen Parteien erstellt. Eine zentrale Rolle spielt die §-7-Kommission. Der Bericht umfasst 118 Seiten, ist als Download in der Kategorie „Landwirtschaft allgemein“ erschienen. Der Herausgeber dankt den Bauern und Bäuerinnen für die Bereitstellung ihrer Einkommensdaten sowie den beteiligten Mitgliedern und Fachleuten. Zuständig ist die Abteilung II/1 – Agrarpolitische Grundsätze, Datenmanagement und Weiterbildung.

In Perg bleibt derweil vieles konkret: Futter muss reichen, Wälder müssen gepflegt, Ställe angepasst und Märkte beobachtet werden. Und irgendwo läuft vermutlich gerade ein Strauß über eine Wiese.