Heute ist der 22.06.2026 und in Graz stehen die Wahlen am 28. Juni vor der Tür. Die Stadt ist im Wahlkampfmodus, und alles dreht sich um Social Media. Bürgermeisterin Elke Kahr von der KPÖ nutzt sogar ein kreatives Reel, um das Grazer Budget zu thematisieren. Das zeigt, wie wichtig die digitalen Plattformen für die politische Kommunikation geworden sind. Doch nicht alle Parteien finden die gleichen Wege, um Wähler:innen zu erreichen. Die SPÖ beispielsweise hat sich auf eine eher ironische Art und Weise in die Debatte eingemischt und macht sich über die KPÖ-Kandidaten im Tigermückenkostüm lustig. Ein Schritt, der von vielen als „Dirty Campaigning“ bezeichnet wird.

Die FPÖ hingegen schlägt einen anderen Ton an und warnt vor einer „schleichenden Islamisierung“, während die ÖVP sich darüber beschwert, dass Blumenbeete anstelle von Parkplätzen angelegt werden. Ein bisschen Chaos und Konfusion ist also vorprogrammiert, und die Wähler:innen scheinen sich immer mehr in einem Dschungel aus Meinungen und Emotionen zu verlieren. „Hamsti“, ein weiteres Maskottchen im Wahlkampf, fordert mehr Wahlbeteiligung und versucht, die Leute aus ihrer Lethargie zu reißen. Man fragt sich, ob diese Figuren wirklich ankommen oder ob sie nur eine Randnotiz im großen Spiel um die Stimmen sind.

Die Rolle von Social Media

Kommunikationswissenschaftler Jakob-Moritz Eberl betont die Notwendigkeit von Social Media im Wahlkampf. Ab Herbst 2025 wird es in der EU verboten sein, bezahlte politische Werbung auf Plattformen wie Facebook und Instagram zu schalten. Das bedeutet, dass Parteien sich die Aufmerksamkeit der Wähler:innen durch Interaktion und organische Reichweite verdienen müssen. BuzzValue hat 39 Social-Media-Profile der Grazer Parteien analysiert und festgestellt, dass von 1.637 veröffentlichten Beiträgen etwa 344.300 Interaktionen generiert wurden. Insbesondere die Grünen und die KPÖ führen in Sachen Interaktionen, wobei die Grünen mit 104.200 und die KPÖ mit 92.100 Interaktionen die Spitzenplätze belegen.

Die ÖVP kommt auf 42.400 Interaktionen, gefolgt von der FPÖ mit 17.900 und der SPÖ mit 17.800. Besonders auffällig ist, dass FPÖ-Spitzenkandidat René Apfelknab nur 5.800 Interaktionen erzielt hat. Vielleicht liegt das an den internen Konflikten und den Nachwirkungen eines Finanzskandals, die die FPÖ plagen. Die Bürgermeisterin Kahr und Vizebürgermeisterin Schwentner hingegen sind die erfolgreichsten Akteure auf Social Media. Die KPÖ setzt auf Themen wie Wohnen und Soziales und inszeniert sich geschickt als Duo mit Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer.

Emotionen als Schlüssel

Emotionale Botschaften sind im Wahlkampf unerlässlich, auch wenn sie oft an der Oberfläche bleiben. Die Grünen nutzen Instagram und TikTok, um ihre Themen wie Verkehr und Begrünung ansprechend zu präsentieren, während die Neos Schwierigkeiten haben, ihre sachlichen Themen in den sozialen Medien rüberzubringen. Die ÖVP positioniert sich als Autofahrer:innen-Partei – eine Strategie, die in der heutigen Zeit besonders bei jungen Wählern fraglich erscheint. Facebook und Instagram sind die Hauptplattformen für den Wahlkampf, während TikTok eine geringere Reichweite hat und YouTube kaum eine Rolle spielt.

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Es ist faszinierend zu beobachten, wie die politische Debatte auf Social Media verläuft. Oft bleiben die Themen an der Oberfläche, und der direkte Kontakt zu Wähler:innen wird durch die digitale Kommunikation ergänzt. Die Frage bleibt: Wird dieser Trend auch nach den Wahlen anhalten? In einer Zeit, in der politische Diskussionen immer emotionaler werden, ist es entscheidend, wie die Parteien ihre Botschaften vermitteln – und ob sie die Wähler:innen tatsächlich erreichen können. Der Wahlkampf in Graz zeigt eindrucksvoll, wie sehr sich die politische Landschaft gewandelt hat und wie Social Media zum Schlüsselinstrument für die Parteien geworden ist.

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