In den letzten Tagen war das Gumpeneck in der Steiermark vor allem eines: Schauplatz für die Jägerschaft. Rund 100 Jäger haben sich dort versammelt, um nach einem Wolf Ausschau zu halten, der bereits für Aufregung gesorgt hatte. Der Grund? Der Wolf wurde vom Land Steiermark Anfang Juli nach mehreren Schafsrissen zum Abschuss freigegeben. Am Sonntagmorgen war es dann soweit – der Wolf wurde geschossen. Bezirksjägermeister Hans Trinker bestätigte diese Nachricht und äußerte die Hoffnung, dass die Bauern nun wieder ruhiger ihre Schafe auf die Weide bringen können.

Der Wolf hatte am Samstag erneut zwei Schafe gerissen, was die Situation für die Landwirte weiter verschärfte. Franz Lackner, ein betroffener Landwirt, wartet nun auf die Ergebnisse eines DNA-Tests, um zu bestätigen, ob es sich um den gesuchten Wolf handelt. Er hat seine Schafe seit sechs Wochen nicht mehr auf die Alm gebracht und beklagt die finanziellen Folgen, die diese Situation mit sich bringt. Peter Kettner, Obmann der Landwirtschaftskammer Liezen, steht hinter dem Abschuss, wenn es um verursachten Schaden durch Wölfe geht. Er betont die Dringlichkeit des Themas und verweist auf die kurze Almsaison.

Geteilte Meinungen über den Abschuss

Doch nicht alle sind mit dem Abschuss einverstanden. Gerald Friedl, Obmann des Vereins „Wölfe in Österreich“, sieht den Abschuss als ineffektiv an und fordert stattdessen präventiven Herdenschutz. Seiner Meinung nach werden ungeschützte Tiere von Wölfen leichter gejagt, und er betont die Notwendigkeit, das Wissen über Wölfe und deren Rolle im Ökosystem zu verbreiten. Schließlich sind Wölfe nicht nur Räuber, sondern auch Teil eines natürlichen Gleichgewichts.

Diese Diskussion über den Wolf ist nicht nur lokal relevant. In Deutschland sind Wölfe ebenfalls wieder heimisch geworden und stellen eine Herausforderung für die Nutztierhaltung dar. Wölfe ernähren sich zu über 95 % von Wildtieren wie Rehen, Wildschweinen und Hirschen. Ungeschützte Weidetiere sind für sie einfachere Beute. Hier kommen Herdenschutzmaßnahmen ins Spiel, die Wölfe davon abhalten sollen, Nutztiere anzugreifen. Die Landesregierung unterstützt Tierhalter*innen bei der Anschaffung solcher Maßnahmen, jedoch variieren die Förderungen je nach Bundesland.

Herdenschutz als Lösung?

Um Wölfe präventiv zu schützen, ist es wichtig, geeignete Herdenschutzmaßnahmen einzusetzen, bevor es zu Übergriffen kommt. Elektrozäune sind hierbei eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen. Diese müssen gut installiert sein – sie sollten bis zum Boden reichen, da Wölfe dazu neigen, sich unter Zäunen hindurchzugraben. Der Abstand zum Boden ist entscheidend, somit sollte die erste stromführende Litze in einer Höhe von 20 cm gespannt werden. Ein gut installierter Grundschutz besteht aus 90 cm hohen elektrifizierten Zäunen, die auf bis zu 120 cm erhöht werden können. Wer Gehegewild hält, sollte sogar mindestens 180 cm hohe Zäune errichten.

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Ein weiterer Aspekt des Herdenschutzes sind Herdenschutzhunde, die eigenständig agieren und Herden vor Eindringlingen schützen. Rassen wie Pyrenäenberghunde, Maremmanos und Kangals sind hierfür besonders geeignet. Die Ausbildung dieser Hunde beginnt früh und sie wachsen eng bei den Weidetieren auf, was ihre Effektivität erhöht. Diese Hunde sind territorial und sollen Eindringlinge durch Bellen abwehren.

Die Problematik rund um den Wolf und die Schafhaltung ist vielschichtig und erfordert individuelle Lösungen. Kompensationszahlungen für gerissene Nutztiere sind in Wolfsmanagementplänen geregelt, doch es fehlen einheitliche Regelungen für Förderung, Rissbegutachtung und Schadensausgleich. Das Bundeszentrum Weidetiere und Wolf, das 2021 eingerichtet wurde, befindet sich noch im Aufbau und wird sicher in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle in der Diskussion spielen.

Insgesamt bleibt die Auseinandersetzung um den Wolf eine Herausforderung, die sowohl die Natur als auch die Landwirtschaft betrifft. Ob der Abschuss die richtige Antwort auf die Probleme ist, bleibt fraglich. Die Natur verlangt nach einem Gleichgewicht, und es liegt an uns, dieses zu finden.

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