Wer die Website in Steyr heute, am 1.11.2026, aufrufen will, kann vor einer leeren oder blockierten Seite landen: Das JavaScript-System „Anubis“ konnte nicht geladen werden. Als mögliche Ursache nennt der Hinweis eine Überlastung des Servers. Ein neuer Versuch, die Seite zu laden, wird empfohlen.

„Anubis“ soll Bots und schädliche Anfragen abwehren – ähnlich wie ein CAPTCHA. Dafür bekommt der Browser eine Rechenaufgabe, die innerhalb weniger Sekunden gelöst werden soll. Dieses Verfahren heißt „Proof of Work“. Erst nach erfolgreicher Berechnung wird der Zugriff auf die Website gewährt. Nötig sind moderne JavaScript-Funktionen; Plugins wie JShelter können sie deaktivieren und sollten für die betreffende Domain abgeschaltet werden.

Schutz vor Scraper-Bots

Hinter Anubis steckt eine quelloffene Web-KI-Firewall. Sie bewertet Verbindungen mithilfe einer oder mehrerer Prüfungen und soll vorgeschaltete Ressourcen vor Scraper-Bots schützen – vor allem vor den vielen Anfragen, die von KI-Unternehmen ausgehen können. Das Programm ist bewusst leichtgewichtig gehalten, damit auch kleinere Internetangebote es einsetzen können.

Der Schutz hat allerdings Nebenwirkungen. Kleinere Scraper können ausgesperrt werden, möglicherweise auch erwünschte Bots wie jene des Internet Archive. Betreiber können deshalb Bot-Richtlinien konfigurieren und bestimmte Bots ausdrücklich zulassen. Die Entwickler arbeiten außerdem an einer kuratierten Liste bekanntermaßen guter Bots. In vielen Fällen wird laut Projektbeschreibung Cloudflare als ausreichender Schutz empfohlen. Anubis richtet sich besonders an Betreiber, die Cloudflare nicht verwenden können oder wollen.

Weitere Informationen stehen auf anubis.techaro.lol. Wer auf einen Fehler stößt, soll ein Issue mit allen für die Analyse nötigen Angaben eröffnen. Für direkte Unterstützung verweist das Projekt auf den Patreon-Discord und dort auf den Kanal #anubis.

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Eine kleine Rechenhürde

Technisch wird der Zugriff vorübergehend blockiert, bis der Client eine kryptografische Aufgabe gelöst hat. Anubis kann Bestandteile einer Anfrage prüfen, etwa den User-Agent-Header, und davon abhängig eine Aufgabe verlangen. Standardmäßig trifft das Clients, die sich als Browser ausgeben; dafür wird kontrolliert, ob der User-Agent den Begriff „Mozilla“ enthält.

Das Prinzip erinnert an Hashcash und Bitcoin. Der Client erhält eine Zufallszahl und muss einen sogenannten Nonce finden. Die Verkettung beider Zahlen muss einen SHA-256-Hash mit einer vorgegebenen Zahl führender Nullen ergeben. SHA-256 wurde gewählt, weil die Suche nach dem passenden Nonce aufwendig, die Kontrolle der Lösung aber vergleichsweise günstig ist.

Fünf führende Nullen sind voreingestellt. Ein typischer Browser soll sie innerhalb von Sekunden finden. Sechs Nullen können dagegen mehrere Minuten dauern. Gelöste Aufgaben bleiben für einen einstellbaren Zeitraum gültig; Anubis verwendet dafür EdDSA-signierte Token, die als HTTP-Cookies gespeichert werden können. Wenig belastende Inhalte wie robots.txt oder bestimmte „well-known“-URIs sind ausgenommen, ebenso Anfragen von Common Crawl. Damit soll der Anreiz sinken, dass andere Scraper die Websites durchsuchen.

Die Idee entstand, nachdem ein Amazon-Webcrawler den Git-Server des Entwicklers Xe Iaso überlastet hatte. Der Crawler missachtete robots.txt und umging Zugriffsbeschränkungen. Als Inspiration nennt Iaso Hashcash. Der Name Anubis verweist auf den altägyptischen Gott, der die Herzen Verstorbener wog – sinngemäß soll die Software die „Seele“ eingehender HTTP-Anfragen bewerten.

Wirksam, aber nicht ohne Nebenwirkungen

Für Webcrawler sollen die Rechenaufgaben Kosten verursachen, normale Besucher aber möglichst wenig stören. Das klappt nicht immer. Auf älteren Geräten können die Aufgaben sehr langsam sein und den Akku stark beanspruchen. LWN setzte Anubis unter anderem deshalb nicht ein, weil Nutzer ohne aktiviertes JavaScript vollständig ausgesperrt würden.

Auch die technische Hürde ist nicht automatisch dauerhaft. 2025 schätzte der Sicherheitsforscher Tavis Ormandy die Kosten zum Umgehen von Anubis als vernachlässigbar ein – selbst für den Fall, dass mehrere Millionen Websites die Software einsetzen würden. Er zeigte, dass native Programme die Proof-of-Work-Aufgaben schneller und effizienter lösen können als der JavaScript-Code, den normale Besucher auf ihren Geräten ausführen müssen.

Im Juli 2025 wies LWN darauf hin, dass Anubis seinen Vorsprung gegenüber Scraping-Tools möglicherweise nicht dauerhaft behalten werde. Im August 2025 berichtete Codeberg, dass zahlreiche KI-Scraper gelernt hätten, die Aufgaben zu lösen. Gleichzeitig bezeichnete Codeberg Anubis als über viele Monate zuverlässige und praktikable Anti-Bot-Lösung. Einige Betreiber denken deshalb über zusätzliche oder andere Maßnahmen nach, etwa sogenannte Tarpits: kostengünstig erzeugte unsinnige Texte auf Basis von Markov-Ketten oder schädliche Daten wie Zip-Bomben.

Das Maskottchen schaut mit

Wer die Prüfung abwartet, bekommt nicht bloß einen nüchternen Ladebalken zu sehen. Der Ladebildschirm zeigt Anubis als animeartige Figur mit Schakalkopf, Kapuzenpullover, Rock und Lupe. Das Motiv wurde von der europäischen Künstlerin CELPHASE in Auftrag gegeben. Zuvor diente ein KI-generiertes Platzhalterbild.

Das Maskottchen sehen alle Nutzer; in der Softwarekonfiguration lässt es sich nicht ändern. Auf formelleren Websites kann die Gestaltung deshalb unpassend wirken und Menschen überraschen oder verwirren. Eine Änderung des Brandings ist als Unternehmensfunktion vorgesehen. Iaso bittet Betreiber allerdings, die Darstellung nicht selbst zu verändern, sofern sie das Projekt nicht finanziell unterstützt haben.

Die Duke University setzte Anubis für ihre digitalen Archive ein. Wegen des Maskottchens war man dort zunächst zurückhaltend, vereinbarte schließlich aber eine Nutzung mit eigener Gestaltung. Iaso selbst lehnt es ab, die Software für Kryptowährungs-Mining zu verwenden, obwohl sich Proof of Work technisch dafür einsetzen ließe.