In Schwaming wird es wieder laut, rußig und vorweihnachtlich: Die Freiwillige Feuerwehr Schwaming lädt am Samstag, 28. November 2026, zum 16. Mal zu „Nikolaus und seine Krampusse“ ein. Los geht es um 18:00 Uhr beim Feuerwehrhaus Schwaming in der Tinstinger Straße 52, 4523 Garsten.

Auf dem Programm stehen der Besuch des Nikolaus, ein Perchtenlauf und danach eine Krampusparty. Der Nikolaus bringt für Kinder kleine Überraschungen mit – solange der Vorrat reicht. Für Wärme von innen sorgen Glühwein, Glühmost und winterliche Speisen, während draußen vermutlich bald Glocken, Ketten und kräftige Trommelschläge den Ton angeben.

Die „Kraberger Teufel“ kommen

Der Höhepunkt des Abends ist der Auftritt der „Kraberger Teufel“. Mit aufwendig gestalteten Masken, Kostümen und ihrer Perchtendarbietung sorgen sie beim Feuerwehrhaus für die typische Mischung aus Staunen und Gänsehaut. Nach dem Perchtenlauf geht es bei der Krampusparty weiter – sie soll bis in die Morgenstunden dauern.

Der Veranstalter, die Freiwillige Feuerwehr Schwaming, verbindet das Brauchtumsfest mit einem praktischen Zweck: Der gesamte Reinerlös wird für die Anschaffung neuer Feuerwehrgeräte verwendet. Gefeiert wird bei jeder Witterung.

Zwischen Krampus und Percht

Krampus- und Perchtenläufe gehören im Winter vor allem in Österreich zum Veranstaltungskalender. Trommeln, Glocken, Ketten, Masken, Feuer und verkleidete Gestalten greifen dabei ineinander. Ganz dasselbe sind Krampus und Percht allerdings nicht.

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Der Krampus begleitet den Bischof Nikolaus am 5. Dezember. Nikolaus bringt braven Kindern Geschenke, der Krampus soll unartige Kinder bestrafen. Der Name „Krampus“ wird auf das mittelhochdeutsche „Krampen“ – also „Kralle“ – oder auf das bairische „Krampn“ für etwas Lebloses, Vertrocknetes oder Verdorrtes zurückgeführt. In manchen Regionen heißt die Figur auch Knecht Ruprecht.

Perchten gelten hingegen als Gestalten aus vorchristlicher Zeit. In ihnen verbinden sich heidnische Naturreligionen und Jahreszeitenriten mit christlichen Traditionen. Lärmende Maskenumzüge sind bereits für römisch-germanische Feste um etwa 500 n. Chr. belegt. Besonders tief verwurzelt ist das Brauchtum im österreichischen Ostalpenraum; seit der Jahrtausendwende hat es sich auch in weitere Regionen ausgebreitet.

Traditionell ziehen Perchten während der zwölf Raunächte los, die mit der Wintersonnenwende beginnen und am Dreikönigstag enden. Sie sollen den Winter und böse Geister vertreiben und zugleich Frühling und Licht ankündigen. „Raunächte“ kommt laut dem Österreich Institut übrigens nicht vom rauen Wetter, sondern von „Rauch“: Häuser und Höfe wurden in dieser Zeit traditionell mit Weihrauch gesegnet.

Schwere Masken, alte Figuren

Krampus und Perchten tragen häufig Schafs- oder Ziegenfelle, Glocken oder Schellen und Ruten. Krampusmasken sind meist kleiner, wiegen etwa 2 bis 4 Kilogramm und zeigen typischerweise eine lange rote Zunge sowie ein Hörnerpaar. Perchtenmasken bringen es dagegen auf etwa 15 bis 20 Kilogramm. Ihre Gesichter sind oft grob oder tierähnlich gestaltet; je nach Region tragen sie ein Horn, mehrere Hörner oder gar keine.

Bei modernen Läufen ziehen organisierte Gruppen, sogenannte „Passen“, durch die Straßen. Üblich sind Trommeln, Glocken, Kettenrasseln, Musik, Tanz und das spielerische Erschrecken des Publikums. Kreistänze, Rutenschwingen und symbolische Gesten sollen Altes vertreiben und Neues begrüßen.

Zur Gesellschaft können Frau Percht oder regionale „Mütter“-Varianten, Glöckler als Lichtgestalten, Schönperchten als Glücksbringer, Schiachperchten zum Vertreiben des Bösen sowie Wald- und Erdgeister gehören. Hexen führen den Umzug an, kehren symbolisch den Schnee weg und schaffen Platz für den Frühling. Die Habergeiß gilt als Fruchtbarkeitssymbol und soll Kindern die Angst nehmen. Das Moosmandl – auch Waldmandl oder Wurzelsepp genannt – ist ein Waldfruchtbarkeitsgeist, der Licht in den Wald bringt und Schädlinge fernhalten soll. Die Figur des Todes erinnert an Vergänglichkeit und den Lauf des Lebens; weitere Gestalten beziehen sich auf regionale Sagen und Legenden.

Vom verbotenen Brauch zum Publikumsmagneten

Im 15. Jahrhundert wurden viele heidnische Bräuche zunehmend kritisch bewertet. Mit der Ausbreitung des Christentums galten Perchtenläufe und „dämonische“ Figuren als vorchristliche Relikte. Kirchliche Autoritäten verboten solche Bräuche in vielen Alpenregionen teilweise vollständig oder erlaubten sie nur unter strengen Auflagen. Ganz verdrängen ließ sich die Tradition nicht.

Im 19. Jahrhundert lebte sie durch die Trennung von Kirche und Staat und das wachsende Interesse an Volkskultur wieder auf. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts begannen immer mehr Gemeinden, ihre regionalen Bräuche erneut zu pflegen und zu feiern. Heute sind Krampus- und Perchtenläufe beliebte Winterveranstaltungen. Hotels, Gastronomie und regionale Handwerksbetriebe profitieren vom Besuch zahlreicher Zuschauer.

Der Ablauf variiert dabei je nach Gegend. Veranstaltungen beginnen meist zwischen 17 und 20 Uhr. In Städten gibt es oft größere, abgegrenzte Umzüge mit gesperrten Strecken, Bühnenauftritten und festem Zeitplan. In Dörfern ziehen Passen teilweise in kleinen Gruppen von Haus zu Haus, wünschen Ordnung, Frieden, Glück und Gesundheit und werden dafür mit Essen und Getränken bewirtet.

Wer in Schwaming zuschaut, sollte trotzdem nicht zu knapp an die Laufstrecke herangehen. Masken und Kostüme sind oft handgefertigt und empfindlich; Hörner und Fell gehören nicht angegriffen oder gezogen. Kinder sollten wegen Glocken, Feuer und der erschreckenden Gestalten eng begleitet werden. Für kleinere Kinder eignen sich abgesperrte oder erhöhte Zuschauerbereiche. Die schweren Masken schränken das Sichtfeld der Läufer stark ein, Abstand ist daher keine schlechte Idee.

Rutenhiebe gehören vor allem im Westen Österreichs zur Tradition, während sie im Osten oft nur angedeutet werden. Ein leichter Rutenschlag kann trotzdem absichtlich oder versehentlich passieren, weil die maskierten Figuren Zuschauer möglicherweise nicht sehen. Beim Feuerwehrhaus Schwaming heißt es am 28. November 2026 also: warm anziehen, Augen offen halten – und vielleicht ein wenig Platz lassen.