Steyr Motors empfiehlt 39-Euro-Übernahmeangebot von Red Cat Holdings
In Steyr rückt eine Übernahme von Steyr Motors durch den US-Konzern Red Cat Holdings näher. Vorstand und Aufsichtsrat der Steyr Motors AG empfehlen den Aktionären, das Angebot anzunehmen. Red Cat bietet 39 Euro je Aktie.
Nach Angaben der Unternehmensgremien liegt der Preis damit rund 28,9 Prozent über dem Xetra-Schlusskurs vom 16. Oktober 2026. Auch die B&C Holding Österreich GmbH unterstützt den Deal: Sie hat zugesagt, ihre 780.000 Steyr-Motors-Aktien zu verkaufen. Das entspricht knapp 15 Prozent des Grundkapitals. CEO Julian Cassutti will seine eigenen Aktien ebenfalls andienen.
Garantien für Standort und Beschäftigte
Grundlage der Vereinbarung ist ein Business Combination Agreement (BCA), das Steyr Motors am 21. Oktober 2026 mit der SMOT Acquisition GmbH und deren Muttergesellschaft Red Cat Holdings geschlossen hat. Es regelt die Grundlagen und den Ablauf des am 19. Oktober 2026 angekündigten freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots. Der Angebotspreis bleibt bei 39,00 Euro je Steyr-Aktie.
Für den Standort gibt es klare Zusagen. Österreich bleibt Sitz und Hauptverwaltung, Steyr bleibt Produktions-, Forschungs- und Entwicklungsstandort. Der Standort Steyr darf außerdem drei Jahre ab der Abwicklung des Angebots nicht verlegt werden – das gilt für den Unternehmenssitz, die Fertigung sowie Forschung und Entwicklung.
Red Cat darf zwei Jahre lang keine betriebsbedingten Kündigungen von Arbeitern veranlassen oder darauf hinwirken. Bestehende Arbeitnehmerrechte, Betriebsvereinbarungen und Kollektivverträge beziehungsweise Kollektivvertragsregelungen bleiben unverändert bestehen. Red Cat beabsichtigt, Steyr als Entwicklungs- und Produktionszentrum weiterzuentwickeln.
Auch personell soll es zunächst ruhig bleiben: Der Vorstand bleibt in seiner aktuellen Besetzung, die Bieterin plant keine Änderungen. Im Aufsichtsrat wird eine beteiligungsadäquate Vertretung angestrebt, seine Größe soll unverändert bleiben.
Motoren treffen autonome Systeme
„Red Cat soll die Identität und das Team von Steyr Motors bewahren und in das weitere Wachstum investieren“, sagt CEO Julian Cassutti. Die geplante Kombination soll Steyr Motors’ Motoren- und Antriebstechnologie mit Red Cats Kompetenzen bei autonomen Luft-, Land- und Seesystemen sowie dessen Kundenzugang verbinden.
Zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten sieht das Unternehmen vor allem bei unbemannten Wasserfahrzeugen, sogenannten USV. Steyr Motors mit Sitz in Steyr entwickelt und produziert spezielle Hochleistungsmotoren mit hoher Leistungsdichte und langer Lebensdauer. Zum Einsatz kommen sie vor allem in Defense-Spezialfahrzeugen, militärischen und zivilen Booten sowie als Hilfsaggregate für Kampfpanzer und Lokomotiven.
Das BCA lässt grundsätzlich auch ein Delisting, einen Squeeze-out oder eine Integration zu. Die Standort- und Personalzusagen sowie die Pflichten der Organe bleiben davon unberührt.
Annahmefrist läuft bis Dezember
Das freiwillige Barangebot soll vor dem 15. November 2026 veröffentlicht werden. Als Ende der Annahmefrist wird der 18. Dezember 2026 angestrebt; nach der Empfehlung von Vorstand und Aufsichtsrat endet sie am 18. Dezember 2026 um 17 Uhr.
Für den Vollzug sind unter anderem Genehmigungen für ausländische Direktinvestitionen in Österreich, Australien, Italien und dem Vereinigten Königreich erforderlich. Diese müssen bis zum 30. Juni 2027 vorliegen. Außerdem braucht es eine Mindestannahmequote von 50 Prozent plus einer Steyr-Aktie – eigene Aktien werden dabei nicht berücksichtigt.
Bis dahin bleibt in Steyr also einiges offen. Fix ist derzeit der Preis, fix sind die Zusagen für Standort und Beschäftigte, und fix ist auch die Unterstützung der B&C Holding für das Angebot. Der nächste markante Termin steht bereits im Kalender: der 18. Dezember 2026, 17 Uhr.
