Steyr – die Agravis Technik-Gruppe baut ihre Stellung im Landtechnikhandel aus. Ab 1. Oktober 2026 vertreibt die zur Gruppe gehörende Newtec-Gruppe an allen 28 Standorten neben New Holland auch Case IH und Steyr. Damit wird Newtec vom langjährigen New-Holland-Händler zum Multibrand-Partner für das komplette CNH-Programm.

Mehr als 500 Mitarbeiter arbeiten bei dem Unternehmen, das zu den größten CNH-Händlern Europas zählt. Die Standorte liegen in Nord- und Ostdeutschland – von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen bis Thüringen. Dazu gehören unter anderem Bismark, Calbe, Grimma, Lichtenau, Manschnow, Naumburg, Peine, Treuenbrietzen, Uelzen und Schönberg in Holstein.

Das komplette Programm an 28 Standorten

Für Landwirte, Lohnunternehmen, Kommunen und weitere Kundengruppen gibt es dort künftig das vollständige CNH-Produktprogramm: das komplette Traktorenangebot sowie Neu- und Gebrauchtmaschinen, Ersatzteile, Service, Wartung, digitale Lösungen und Finanzierungen. Die flächendeckende Verkaufsorganisation soll kürzere Wege und schnellere Reaktionszeiten ermöglichen.

Die seit mehr als 20 Jahren bestehende Partnerschaft zwischen Newtec und New Holland bildet die Basis für die Betreuung zusätzlicher Case-IH- und Steyr-Kunden. Newtec-Geschäftsführer Christoph Serini verbindet mit der Portfolioerweiterung eine gezieltere Berücksichtigung unterschiedlicher Betriebsstrukturen, Anforderungen und Investitionsentscheidungen. Agravis verweist außerdem auf die Gebrauchtmaschinen-Kompetenz von Newtec und der gesamten Technik-Gruppe – davon sollen Kunden im In- und Ausland profitieren.

Landtechnik gilt bei Agravis als strategisches Wachstumsfeld. Die Gruppe stellt dabei ihre regionale Präsenz, technische Expertise und langfristige Kundenorientierung heraus. CNH-Deutschland-Geschäftsführer Stefan Sprock erwartet eine bessere Vertriebs- und Serviceabdeckung. Sie soll zur Wachstumsstrategie beitragen und die Marktanteile von Case IH, New Holland und Steyr steigern.

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Eine Lücke im früheren Titan-Gebiet

Der Schritt fällt in eine größere Neuordnung des CNH-Händlernetzes. Titan Machinery zog sich 2026 aus Deutschland zurück; das Unternehmen hatte seit 2018 mehrere Case-IH-Standorte in Ostdeutschland betrieben. Teile dieser Gebiete gingen bereits an andere Händler: Die Agrartechnik Vertrieb Sachsen übernahm unter anderem Geschäfte im südlichen Bereich, die Wüstenberg-Gruppe erweiterte ihr Geschäft in Mecklenburg-Vorpommern um Case IH und Steyr.

Newtec soll mit 28 Standorten weitere Lücken schließen und die Versorgung von Nord- bis Ostdeutschland abdecken. CNH verfolgt nach eigenen Angaben eine dichtere und einheitlichere Vertriebs- und Serviceabdeckung für alle drei Marken. Im Frühjahr 2026 übernahm der Konzern selbst den Standort Langenstein des insolventen Landmaschinenhändlers ABC Bruns. Dort vertreibt die neu gegründete CNH Agrartechnik Langenstein GmbH Case IH, New Holland und Steyr; rund 14 Mitarbeiter wurden übernommen. CNH begründete diesen Eigenhandel mit einer strukturellen Lücke und fehlenden geeigneten Vertriebspartnern. Ein Einzelfall soll es bleiben.

Angekündigt hatte CNH-CEO Gerrit Marx die Multibrand-Strategie am Rande der Agritechnica 2025. Für bisherige Händler in den betroffenen Regionen wird der Wettbewerb dadurch härter, wenn große Gruppen mehrere Marken anbieten. Mager & Wedemeyer aus Oyten, ein langjähriger Case-IH-Händler, teilte im September 2026 mit, den Landmaschinenhandel zum 31. Januar 2027 einzustellen. Insolvenz oder finanzielle Schwierigkeiten seien nicht der Grund, erklärte das Unternehmen. Als Hintergrund nannte es die veränderte CNH-Händlerstruktur in Norddeutschland, besonders den Markenwechsel von Lankhorst zu CNH.

Welche Folgen die Erweiterung für bisherige Case-IH- und Steyr-Händler hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Denkbar ist eine Zusammenarbeit mit Newtec als Partner- beziehungsweise B-Händler, über die sie weiterhin Zugriff auf das gesamte CNH-Produktportfolio hätten. Die konkrete Ausgestaltung soll von der jeweiligen Region, den beteiligten Unternehmen und den Plänen der CNH-Geschäftsführung abhängen. Eine einheitliche Lösung für alle Händler ist nicht vorgesehen. Je nach Gebiet sollen spezialisierte Händler einzelner Marken möglich bleiben, während große Gruppen mehrere CNH-Marken bündeln.

Lankhorst wechselt von Deutz-Fahr zu CNH

In Norddeutschland hat CNH die Lankhorst-Gruppe als Vertriebspartner für Case IH, New Holland und Steyr gewonnen. Die Gruppe gehört über die Bernard Krone Holding SE & Co. KG zur Krone-Gruppe. An rund 15 Lankhorst-Standorten sollen künftig keine Traktoren und Landmaschinen von Deutz-Fahr mehr verkauft werden. Lankhorst tritt dort inzwischen als großer CNH-A-Händler für alle drei Marken auf.

Geplant sind Multibrand-Standorte für den Verkauf von Neumaschinen, Ersatzteilservice, Wartung und Reparatur sowie die Connected Services von CNH. Gleichzeitig hebt CNH die Exklusivität der Händler Agrartechnik Altenberge, Bruns, Engebers Söhne, Kotte und Reise ganz oder teilweise auf. Diese Unternehmen sollen nach Möglichkeit weiterhin in die CNH-Struktur integriert werden. Ziel ist ein dichtes Händlernetz in Nordwestdeutschland.

An den Lankhorst-Standorten werden künftig erstmals seit längerer Zeit sowohl CNH-Produkte als auch Krone-Erntetechnik angeboten. Nach dem Wechsel von Deutz-Fahr zu CNH können Kunden wieder aus einem umfangreichen Mähdrescherprogramm wählen. Das bisherige Lankhorst-Portfolio mit Horsch, Giant, AVR, Maschio und Kaweco bleibt bestehen. Bei einer Hausmesse in Emsbüren am 7. und 8. März 2026 sollten Case IH, New Holland und Steyr erstmals vorgestellt werden.

Für die SDF-Gruppe bedeutet der Wechsel den Verlust eines ihrer größten Deutz-Fahr-Vertriebspartner in Europa. Zu einer neuen Vertriebsstrategie hat sich SDF bislang nicht geäußert. CNH wiederum will Konflikte bei der Neuordnung frühzeitig auffangen und möglichst alle Partner im Händlernetz halten. Wie das in jeder einzelnen Region aussieht, dürfte sich erst zeigen – für Newtec beginnt mit dem 1. Oktober jedenfalls ein ziemlich großer nächster Schritt.