Steyr 9105 a: 105-PS-Allradtraktor mit vier Zapfwellengeschwindigkeiten
In Steyr steht derzeit ein Steyr 9105 A Profi im Mittelpunkt – ein Allradtraktor mit 40 km/h Höchstgeschwindigkeit, Lastschalt- und Synchrongetriebe sowie Powershuttle-Wendeschaltung. Die Zapfwelle bietet 540, 540E, 1.000 und 1.000E U/min. Für die Arbeit stehen drei doppeltwirkende Steuergeräte bereit, dazu kommen elektronische Hubwerksregelung (EHR) und ein druckloser Rücklauf.
Auch bei der Bedienung ist der Traktor auf den Alltagseinsatz ausgelegt: Heckzapfwelle und Heckhydraulik lassen sich außen bedienen, die Kabine hat einen Luftsitz und ein Radio. Zur Ausstattung zählen außerdem ein Hauer-Frontkraftheber, angegeben mit „4–28 DW“, ein Hauptschalter und eine Stromsteckdose hinten. Der mechanische Oberlenker sitzt am Heck, die Anhängevorrichtung ist für eine Bolzengröße von 38 mm ausgelegt.
Ein Vierzylinder der 9100er-Baureihe
Das Modell wird im Traktorenlexikon als Case-Steyr (CNH) 9105 a aus der 9100er-Baureihe geführt. Gebaut wurde es von 1995 bis 2003 in Blockbauweise. Der 9105 a war der einzige Vierzylinder der zweiten Generation dieser Baureihe mit Sisu-Motor. Von den Vorgängern unterschied er sich äußerlich durch die abgeschrägte Motorhaube.
Unter der Haube arbeitet ein stehender, wassergekühlter Viertakt-Vierzylinder-Reihen-Turbomotor mit Direkteinspritzung, Typ Steyr-VALMET WD 428.80. Aus 4.397 cm³ Hubraum entwickelt er 77,3 kW beziehungsweise 105 PS bei 2.300/min. Bohrung und Hub messen 108 × 120 mm, die Verdichtung beträgt 16,5:1. Das maximale Drehmoment liegt bei 385 Nm bei 1.300/min. Der Drehmomentanstieg wird in den Basisdaten mit 41 Prozent angegeben, detailliert mit 26 Prozent bei 35 Prozent Drehzahlabfall.
Zum Motor gehören ein geregelter Drehzahlbereich von 750–2.550/min und ein Konstantleistungsbereich von 20 Prozent bei 2.100/min. Als Kraftstoff sind Diesel/RME vorgesehen. Der maximale Einspritzdruck beträgt 230 + 20 bar. Turbolader, Bosch-Reiheneinspritzpumpe, Stanadyne-Mehrloch-Einspritzdüsen, trockener Luftfilter mit Zyklon-Vorfilter, fünffach gelagerte Kurbelwelle und Zahnrad-Nockenwellenantrieb gehören ebenfalls zur technischen Beschreibung. Gekühlt wird über ein thermostatgesteuertes Zweikreis-System mit Visco-Lüfter.
Getriebe, Zapfwelle und Arbeitshydraulik
Das STEYR-ZF POWER-4-Lastschaltgetriebe arbeitet im Ölbad. Dazu kommen eine nasse ZF-Lamellenkupplung T-7224 mit sieben Lamellen und 213 mm Durchmesser, ein synchronisiertes Wechselgetriebe mit fünf beziehungsweise sechs Gängen sowie ein synchronisiertes Gruppengetriebe mit Vorwärts- und Rückwärtsgruppe. Vier Lastschaltstufen stehen zur Verfügung: L, M, H und S. Die Richtungswahl erfolgt am Schalthebel, der Richtungswechsel über das Kupplungspedal.
Je nach Ausführung gab es 30, 40 oder 50 km/h. Die hier angebotene Ausführung ist mit 40 km/h angegeben. Sie hat 24 Vorwärts- und 24 Rückwärtsgänge; mit Kriechgängen sind es 40 Vorwärts- und 40 Rückwärtsgänge. Bei der 40-km/h-Version mit 18.4 R 38 AS reichen die Vorwärtsgeschwindigkeiten im ersten bis sechsten Gang über die Stufen L–S von 2,78 bis 39,28 km/h, rückwärts von 2,98 bis 40,15 km/h. In der 30-km/h-Version mit 540/65 R 38 AS liegen die entsprechenden Bereiche bei 2,7–28,3 km/h vorwärts und 2,6–28,9 km/h rückwärts.
Die unabhängig arbeitende Motorzapfwelle wird elektrohydraulisch betätigt und besitzt eine Überlastfunktion. Der Wechselstummel misst 1⅜ Zoll und ist mit sechs Keilen oder 21-teilig erhältlich. Bei 540 U/min beträgt die Übersetzung 4,089:1; 540 U/min werden bei 2.208 Motorumdrehungen erreicht, bei Nenndrehzahl sind es 562 U/min. Die 540E-Stufe hat eine Übersetzung von 2,977:1, erreicht 540 U/min bei 1.608 Motorumdrehungen und 772 U/min bei Nenndrehzahl.
Für 1.000 U/min gilt eine Übersetzung von 2,197:1; die Drehzahl liegt bei 2.196 Motorumdrehungen, die übertragbare Leistung bei rund 65,6–65,9 kW. Die 1.000E-Stufe übersetzt mit 1,6:1, erreicht 1.000 U/min bei 1.600 Motorumdrehungen und 1.437 U/min bei Nenndrehzahl. Eine unter Last schaltbare Frontzapfwelle mit 1.190 U/min bei Nenndrehzahl war optional.
Die Hydraulik fördert maximal 80 l/min bei 150 bar. Genannt werden eine elektronisch-digitale Unterlenkerregelung EHR-D, eine Dreipunktaufhängung der Kategorie II/III mit „Simplematic“ und optional Walterscheid-Schnellkuppler. Zwei einfachwirkende Hubzylinder mit 100 mm Durchmesser und 222 mm Hub bewegen das Hubwerk. Die maximale durchgehende Hubkraft beträgt 7.100 kg, der Hubweg 720 mm. Zweistufige Zugkraftsteuerung, Schwimm- und Lageregelung, Senkdrossel sowie aktive Schwingungstilgung gehören ebenfalls dazu.
Serienmäßig war ein einfachwirkendes Steuergerät vorgesehen, optional waren bis zu sechs einfach- oder doppeltwirkende Zusatzsteuergeräte möglich. Der optionale Steyr-Frontkraftheber gehört der Kategorie II an und bietet an den Koppelpunkten eine maximale Hubkraft von 3.000 kp.
Maße, Achsen und Bremsen
Der 9105 a ist 4.530 mm lang, 2.450 mm breit und 2.850 mm hoch über der Kabine. Der Radstand beträgt 2.526 mm, die Bodenfreiheit 450 mm. Ohne Lenkbremse wird ein Wenderadius von 6.450 mm angegeben. Beim Eigengewicht stehen 5.015 kg, beim Betriebsgewicht 4.940 kg in den technischen Daten; das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 8.500 kg. Die Achslasten betragen vorne 1.910 kg und hinten 3.030 kg.
Vorne lässt sich die Spurweite zwischen 1.830 und 2.090 mm einstellen, hinten zwischen 1.500 und 2.000 mm. Die CARRARO-Lenktriebachse 20.25 verfügt über eine Lamellen-Differentialsperre. Hinten arbeitet eine Achse vom Typ 125 mit Kegelradgetriebe, Ritzel und Planeten-Endantrieben; die Differentialsperre ist elektrohydraulisch und besitzt Lamellen. Ab 1997 war die Steyr-Hydronic-E-Vorderachsfederung optional erhältlich.
Gebremst wird mit einer nassen SIRMAC- oder KNOTT-Lamellenbremse, die per Pedal betätigt wird. Die Einzelradbremse wirkt auf die Differentialseitenwellen, beim Bremsen schaltet sich der Allrad automatisch zu. Eine mechanische, unabhängige Scheiben-Feststellbremse sitzt an den Hinterrädern. Optional gab es eine nasse CARRARO-Scheibenbremse an der Vorderachse sowie eine Ein- oder Zweikreis-Druckluftbremse für Anhänger. Der Druckluftkessel fasst 20 l; der Betriebsdruck beträgt 5,6 bar im Einkreis- und 7,4 bar im Zweikreissystem.
Kabine, Reifen und Betrieb
Die schall-, vibrations- und staubisolierte Steyr-Kabine Typ 130.02 hält den Geräuschpegel laut Datenblatt bei 72 dB. Ein Grammer-Komfortsitz DS 85 H 1/90, getönte Verglasung sowie ausstellbare Front-, Seiten- und Heckscheiben gehören zur Ausstattung. Traktormeter, analoge und digitale Anzeigen, hängende Pedale, ein höhen- und neigungsverstellbares Lenkrad, Seitenschaltung und ein linker Beifahrersitz machen den Arbeitsplatz komplett.
Dachluke, Sonnenblende, zweistufige Heizung mit Entfrosterdüsen, Innenbeleuchtung, je vier Arbeitsscheinwerfer vorne und hinten, zwei Außenspiegel sowie Scheibenwischer mit Scheibenwaschanlage sind ebenfalls genannt. Optional waren ein Grammer-Sitz MSG 95 G/20, Radio-CD und Klimaanlage erhältlich. Beim angebotenen Traktor werden Luftsitz und Radio ausdrücklich angeführt.
Die Bereifung des konkreten Fahrzeugs: vorne 420/70-24 mit etwa 60 Prozent Profil, hinten 460/85-38 mit etwa 30 Prozent Profil. Als Standardbereifung nennt die Typenbeschreibung vorne 16.9 R 24 AS und hinten 18.4 R 38 AS. Optional waren 480/65 R 24 AS vorne und 540/65 R 38 AS hinten möglich.
Die elektrische Anlage arbeitet mit 12 Volt nach StVZO. Der Magneti-Marelli-Anlasser M-127 leistet 2,8 kW, die Bosch-Lichtmaschine 14 V und 95 A beziehungsweise 1.330 W; optional waren 14 V, 120 A beziehungsweise 1.688 W möglich. In den Tank passen 220 l, das Motorölvolumen beträgt 8,5 l, das Kühlsystem fasst 12 l. Getriebe, Hydraulik, Lenkung und Hinterachse benötigen zusammen 70 l. Als Kraftstoffverbrauch werden 21,5 l/h beziehungsweise 268 g/kWh bei 65,6 kW und 2.197/min angegeben.
Als weitere Optionen nennt die Beschreibung Zusatzgewichte, Anhänger-Druckluft- oder Hydraulikbremse, Frontzapfwelle, Frontlader, Fronthubwerk, Zusatzsteuergeräte, Schnellkuppler, Klimaanlage und Radio-CD. Die technischen Angaben stützen sich auf „Steyr – Das Typenbuch“, ART-Testberichte, „Österreichische Traktoren 1976 bis 2000“ und „profi-top-agrar Schleppermarkt von 1988–2012“.
Steyr und der Standort Österreich
Steyr hat heute als Marke von CNH Industrial seinen Hauptsitz in St. Valentin, Österreich. Die Wurzeln des Unternehmens liegen allerdings in der Produktion von Gewehren und Waffen. 1947 wurden in den Werken zwischen Steyr und Linz erstmals Traktoren gefertigt. Von 1988 bis 1992 exportierte Steyr einige Traktoren unter Lizenz an Marshall Sons & Co. nach Großbritannien.
1996 übernahm Case IH die Traktorenproduktion der Steyr-Daimler-Puch AG. Drei Jahre später, 1999, verschmolzen Case IH und Steyr gemeinsam mit New Holland durch Fiat zu CNH Global. Seitdem werden die drei Traktormarken auf einer gemeinsamen Basis vermarktet. 2007 änderte sich das Steyr-Logo: Das an die frühere Waffenproduktion erinnernde Fadenkreuz wurde entfernt.
Steyr-Traktoren werden ausschließlich in Österreich produziert. Der 9105 a verbindet damit die 9100er-Zeit der späten 1990er-Jahre mit einer Ausstattung, die vom schweren Allraddienst bis zur fein abgestuften Zapfwellenarbeit reicht – und der Dieselgeruch bleibt beim Blick unter die abgeschrägte Haube ohnehin nicht lange Theorie.
