Villach bleibt beim Radfahren vorne: Zum vierten Mal in Folge hat die Stadt die Städtewertung der Initiative „Kärnten radelt“ gewonnen – erneut mit deutlichem Abstand zu den anderen teilnehmenden Gemeinden. In der vergangenen Saison kamen Villacher Radfahrerinnen und Radfahrer auf insgesamt 371.335 Kilometer. Das ist eine Strecke, bei der selbst eingefleischte Autofahrer kurz schlucken dürften.

Bürgermeister Günther Albel führt den Erfolg vor allem auf die Beteiligung der Villacher:innen zurück. Mitgemacht haben aber nicht nur Einzelpersonen. Auch Vereine und Unternehmen steuerten kräftig zum Ergebnis bei. Der RSV ARBÖ ASKÖ Villach wurde als erfolgreichster Verein Kärntens ausgezeichnet. Bei den Großbetrieben mit mehr als 250 Beschäftigten holte die Winterthur Technology Austria GmbH aus Magdalen den ersten Platz.

Neuer Radweg an der Vassacher Straße

Während die Kilometer gesammelt wurden, ging auch der Ausbau der Infrastruktur weiter. Entlang der Vassacher Straße wird derzeit ein neuer Radweg gebaut. Das Projekt steht laut Stadt kurz vor der Fertigstellung.

Baureferent Harald Sobe erwartet sich dadurch mehr Sicherheit und Komfort für Radfahrende. Gleichzeitig soll der Weg das Villacher Radwegenetz erweitern. Gerade dort, wo Autos und Fahrräder bisher recht eng miteinander auskommen mussten, kann ein eigener Streifen einen merkbaren Unterschied machen.

„Kärnten radelt“ ist eine vom Land Kärnten organisierte Initiative. Sie soll mehr Menschen zum Umstieg auf das Fahrrad bewegen. Teilnehmen können Einzelpersonen, Schulen und andere Bildungseinrichtungen, Vereine, Gemeinden, Betriebe und Großbetriebe.

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Radverkehr wächst in ganz Österreich

Dass Villach mit seiner Radbegeisterung nicht allein dasteht, zeigt ein Artikel des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) vom 3. Juni 2026. Der Radverkehr nimmt in Österreich seit Jahren zu. Als Gründe werden der Wunsch nach klimafreundlicher Mobilität sowie ein stärkeres Gesundheits- und Umweltbewusstsein genannt. Das BMIMI unterstützt diese Entwicklung mit Initiativen, Förderprogrammen und strategischen Maßnahmen.

Das sichere Radverkehrsnetz ist in den vergangenen Jahren um rund 1.700 Kilometer gewachsen und umfasst mittlerweile mehr als 20.000 Kilometer. Dazu zählen baulich getrennte Radwege, gemischte Geh- und Radwege, Fahrradstraßen, Radfahr- und Mehrzweckstreifen sowie Radüberfahrten. Auch Schul-, Begegnungs- und Spielstraßen, Straßen mit höchstens 30 km/h, das Radfahren in Fußgängerzonen und Straßen mit „Fahrverbot ausgenommen Rad“ bis 50 km/h gelten als sichere Infrastruktur.

Einen großen Teil des Netzes bilden gemischte Geh- und Radwege sowie verkehrsberuhigte Straßen mit Tempo 30. Außerhalb von Ortsgebieten sind gemeinsame Geh- und Radwege besonders üblich, weil dort meist wenige Fußgänger unterwegs sind. Innerhalb von Siedlungen kann es hingegen zu Nutzungskonflikten kommen. Die Planung setzt dort zunehmend auf Tempo-30-Zonen und Radfahren auf der Fahrbahn.

Tempo 30 und die letzte Meile

Tempo 30 wird als wirksame und kostengünstige Maßnahme für mehr Verkehrssicherheit beschrieben. Auf Nebenstraßen in Ortsgebieten verbessert die niedrigere Geschwindigkeit die Bedingungen für Radfahrende und erhöht zugleich die Sicherheit zu Fuß Gehender. Nach dem Prinzip „Mischen statt Trennen“ können sich die Verkehrsteilnehmer Straßen bei niedrigen Kfz-Geschwindigkeiten gemeinsam sicher teilen.

Auf stark befahrenen oder schnelleren Straßen braucht es dagegen getrennte Radverkehrsanlagen. Laut Erhebungen der Radlobby verfügen bereits mehr als 300 Orte in Österreich über großflächige Tempo-30-Regelungen im Ortsgebiet. Damit die Regelung tatsächlich wirkt, sind Kontrollen und die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen notwendig. Ein Datenhinweis im BMIMI-Artikel nennt außerdem: 39 Prozent der Radfahrenden sind auch bei niedrigen Temperaturen unterwegs. Regen und Schneefall halten viele vom Radfahren ab – offenbar weniger in Salzburg und Vorarlberg.

Eine wichtige Rolle spielt die Verbindung mit Bus und Bahn. E-Bikes vergrößern den Aktionsradius und erleichtern längere Wege zu Haltestellen. Rund 8,1 Millionen Menschen in Österreich können innerhalb von zehn Minuten mit dem E-Bike eine Haltestelle mit guter Bedienqualität erreichen. Der kombinierte Einzugsbereich von Fahrrad und öffentlichem Verkehr deckt damit laut Artikel praktisch das gesamte Bundesgebiet ab.

Für die „erste Meile“ zur Haltestelle und die „letzte Meile“ zurück braucht es sichere Bike-&-Ride-Anlagen. Fahrradabstellanlagen ermöglichen es, das Rad sicher abzustellen und anschließend mit Bus oder Bahn weiterzufahren. Die Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln bleibt für einzelne Wege sinnvoll, stößt aber besonders im Berufsverkehr an Kapazitätsgrenzen. Der Ausbau von Bike-&-Ride-Angeboten wird deshalb als wichtiges Instrument für kombinierte Mobilität bezeichnet.

Viele Räder, viel Luft nach oben

In österreichischen Haushalten gibt es laut „Report Aktive Mobilität 2025“ rund 7,9 Millionen verkehrstüchtige Fahrräder. Rund die Hälfte davon sind klassische Alltagsräder, 29 Prozent E-Bikes. Mountainbikes stellen rund ein Drittel des Bestands dar. Gravelbikes wurden erstmals erhoben und sind bereits in vier Prozent der Haushalte vorhanden. Auch Falträder sind in den vergangenen Jahren deutlich häufiger geworden.

Mehr als die Hälfte der Haushalte mit Kindern unter sechs Jahren verfügt über Möglichkeiten zum Fahrrad-Kindertransport – etwa Kindersitze, Anhänger oder Lastenräder. Rund 2,3 Millionen Menschen in Österreich fahren täglich oder mehrmals pro Woche Fahrrad, weitere 3,1 Millionen zumindest gelegentlich. Besonders hoch ist die regelmäßige Nutzung in Vorarlberg. In allen Bundesländern gibt es laut BMIMI noch Potenzial, vor allem beim Alltagsradverkehr.

E-Bikes führen bei vielen Nutzerinnen und Nutzern zu längeren Fahrstrecken und häufigerer Nutzung. Für Menschen über 60 erweitern sie den Radius für Alltagswege. Für rund 2,6 Millionen Berufstätige und Auszubildende liegt der Arbeits- oder Ausbildungsort weniger als zehn Kilometer vom Wohnort entfernt. Diese Strecke gilt besonders mit dem E-Bike als gut bewältigbar, oft sogar in weniger als 30 Minuten – eine Alternative zum Auto, wenn Wetter und Weg mitspielen.

Die Initiative „Österreich radelt“ soll dazu motivieren, das Fahrrad gerade für solche Alltagswege zu verwenden. 2025 wurden 101 Kilometer neue Radinfrastruktur genehmigt, 825 neue Radabstellplätze errichtet und der Ankauf von 3.638 Fahrrädern finanziell unterstützt. Außerdem wurden 50 neue klimaaktiv-mobil-Radfahrlehrkräfte zertifiziert und 2.310 Radfahrkurse finanziert, an denen 41.200 Kinder teilnahmen.

Von Radkursen bis zur nächsten Ausbaustufe

Zu den Maßnahmen von BMIMI und klimaaktiv mobil zählen Investitionen in sichere Radinfrastruktur, die Förderung von Bike-&-Ride-Anlagen und die Unterstützung von Gemeinden bei Verkehrsberuhigungsmaßnahmen. Dazu kommen Bewusstseinsbildung – unter anderem durch „Österreich radelt“ –, die Förderung von Projekten von Gemeinden, Städten, Unternehmen und Organisationen sowie Planungsgrundlagen, Beratung, Praxisbeispiele und Informationsmaterialien.

Die klimaaktiv-mobil-Radfahrkurse richten sich an Schülerinnen und Schüler der ersten bis achten Schulstufe. Zertifizierte Radfahrlehrkräfte vermitteln altersgerechte Fahrtechnik, Verkehrsverständnis und sicheres Verhalten im Straßenverkehr. Für Volksschulkinder dienen die Kurse auch als Vorbereitung auf die freiwillige Radfahrprüfung. Seit 2024 können Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I teilnehmen.

Das BMIMI finanziert die Kurse, Schulen können sie kostenlos buchen. Jede Schulklasse der ersten bis achten Schulstufe kann abhängig von den verfügbaren Kontingenten einmal pro Schuljahr teilnehmen. Im ersten Halbjahr 2025 waren mehr als 41.000 Kinder dabei.

Gemeinden erhalten fachliche Grundlagen und Best-Practice-Beispiele für verkehrsberuhigte Straßennetze. Eine Informationsoffensive befasst sich mit Tempo 30 im Ortsgebiet; Tempo 30 auf Nebenstraßen gilt dabei als vergleichsweise einfach umsetzbar und kosteneffizient.

Das sichere Radverkehrsnetz wächst, die Verbindung mit dem öffentlichen Verkehr wird enger und die Alltagsnutzung nimmt zu. Als nächste Schwerpunkte nennt das BMIMI mehr Tempo-30-Regelungen auf Nebenstraßen, hochwertige Bike-&-Ride-Angebote und eine konsequente Förderung des Alltagsradverkehrs. In Villach ist an der Vassacher Straße schon bald zu sehen, wie so ein Baustein konkret aussieht.