Am 11. Mai 2026, dem „Tag der Pflege“, hat die Gewerkschaft ÖGB in Bregenz eine bedeutende Aktion gestartet. Der Fokus? Die Politik auf die enorme Bedeutung der Pflege aufmerksam zu machen. In einem interaktiven Parcours wurden verschiedene Pflegeaufgaben vorgestellt, die den Besucher:innen verdeutlichen sollen, wie herausfordernd und wichtig diese Arbeit ist. Reinhard Stemmer, der ÖGB- und vida-Landesvorsitzende, äußerte sich kritisch zur aktuellen Situation. „Das System funktioniert nur, weil die Beschäftigten sich selbst ausbeuten“, erklärte er. Er warnte eindringlich vor einem drohenden Versorgungskollaps, sollten keine nachhaltigen Lösungen gefunden werden.

Die Mängel sind offensichtlich: Es fehlt an Personal, an guten Arbeitsbedingungen und an einer durchdachten Gesamtstrategie in der Pflege. Besonders die Nachsorge ist ein großes Manko, wie Thomas Steurer, Vorsitzender des Zentralbetriebsrates der Landeskrankenhäuser, betont. Patienten müssen oft länger im Krankenhaus bleiben, weil es nicht genügend Nachsorgeplätze gibt. Das führt nicht nur zu einer Belastung der Einrichtungen, sondern auch zu einer Überlastung des Personals.

Der demografische Druck

Die Situation in der Pflege wird durch den demografischen Wandel zusätzlich verschärft. Laut aktuellen Prognosen wird die Zahl der über 80-Jährigen bis Ende 2024 auf knapp 6 Millionen ansteigen. Damit einhergehend gibt es eine steigende Anzahl an Pflegebedürftigen: 5,6 Millionen Menschen sind bereits auf Unterstützung angewiesen. Das sind 432.000 neue Leistungsempfänger im Vergleich zum Vorjahr – ein Anstieg von 7,8 %. Und die Tendenz ist steigend. Wenn man sich die Statistiken anschaut, stellt man fest, dass über 75 % der Menschen über 90 Jahre pflegebedürftig sind. Der Druck auf das System wächst also.

Die Gewerkschaften fordern einen raschen Ausbau der Pflege- und Sozialinfrastruktur. Mehr Pflegeheimplätze und mobile Pflegedienste sind dringend notwendig. Um die Jobs attraktiver zu gestalten, braucht es faire Arbeitszeiten, verlässliche Dienstpläne und einen bedarfsgerechten Personalschlüssel. Die Finanzierung der Pflege muss langfristig öffentlich gesichert werden; der Pflegebereich sollte nicht dem Markt überlassen werden. Diese Forderungen stehen im Kontext einer stark wachsenden Zahl an Pflegebedürftigen, die in den nächsten Jahren noch zunehmen wird.

Herausforderungen der häuslichen Pflege

Ein weiterer Aspekt, der nicht außer Acht gelassen werden darf, ist die häusliche Pflege. Diese macht heute 80 % der Versorgung aus, oft ohne professionelle Unterstützung. Doch die Bereitschaft der Familien, diese Pflege kostenlos zu leisten, sinkt. Immer mehr Frauen sind erwerbstätig, die Familien werden kleiner und die geografische Distanz zwischen den Angehörigen nimmt zu. Die durchschnittliche Pflegedauer steigt, und viele Angehörige schaffen es nicht, über fünf Jahre hinweg für ihre Liebsten zu sorgen. Wenn die häusliche Pflege wegfällt, führt das unweigerlich zu einem höheren Bedarf an ambulanten Pflegediensten und Heimen, die bereits jetzt unter Personalmangel leiden.

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Ein Umdenken ist dringend notwendig. Vier zentrale Hebel müssen in der Reformdebatte angepackt werden: Die Personalgewinnung durch Ausbildung, Wiedereinstieg und Migration, die Stärkung der häuslichen Pflege durch neue Modelle, die Förderung von quartiersbezogener Pflege und nicht zuletzt die Vorsorge und Prävention für ein gesundes Altern. Der demografische Wandel ist eine treibende Kraft hinter der Pflegekrise – und es gilt, die richtigen Antworten zu finden. Die Diskussion über die Wirksamkeit von Beitragsanpassungen und punktuellen Reformen im Rahmen des „Zukunftspakt Pflege“ ist dabei unerlässlich.

Die Herausforderungen sind groß, und die Zeit drängt. Wenn nicht bald gehandelt wird, könnte das System an seine Grenzen stoßen. Die Forderungen nach einem klaren Plan zur Verbesserung der Pflegebedingungen sind lauter denn je und müssen auch von den Entscheidungsträger:innen gehört werden.