Zehn helfende Hände aus Wels-Land: Ehrenamtliche für ihren Einsatz ausgezeichnet
In Neukirchen sind zehn engagierte Menschen aus sieben Gemeinden mit der „Ehrenamtshand für Wels-Land“ ausgezeichnet worden. Landesrat Markus Achleitner und Nationalratsabgeordneter sowie Bürgermeister Klaus Lindinger überreichten die Ehrungen auf Vorschlag der örtlichen OÖVP-Gruppen. Verliehen wurde der Preis von der Oberösterreichischen Volkspartei Wels-Land.
Die Trophäe mit dem Symbol zweier sich berührender Hände wurde in der Diakoniewerkstätte Bad Wimsbach-Neydharting gefertigt. Geehrt wurden Menschen, die sich in Gemeinden, Kultur, Vereinen, Pfarren, Körperschaften und Gemeinschaften einbringen. Eine finanzielle Belohnung ist mit der Auszeichnung nicht verbunden.
Zehn Geschichten, zehn Arten von Einsatz
Gerhard Schmitzberger aus Bachmanning ist Mesner und seit 1977 aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Die ÖVP schlug ihn als „gute Seele vom Ort“ vor.
In Gunskirchen wurden gleich zwei Engagierte ausgezeichnet: Hermann Hochreiter ist seit 26 Jahren eine treibende Kraft der Rumänienhilfe. Er organisierte mehr als 500 Aktionen und brachte knapp 3.000 Tonnen Hilfsgüter auf den Weg. Auch nach dem Hochwasser 2002 half er den Betroffenen. Daneben arbeitet er im Pfarrkirchenrat, im Roten Kreuz, bei der Union und im Seniorenbund mit.
Maria Sturmair bereitet Mehlspeisen für zahlreiche Vereine zu, ist Pfarrgemeinderätin und leitet den Chor Martinsklänge. Im Seniorenbund setzt sie sich außerdem für das Miteinander ein – vermutlich nicht selten zwischen Kuchenblech, Chornoten und den ganz normalen Terminen eines vollen Ehrenamtskalenders.
Erwin Huber aus Lambach hält als Chronist und Fotograf Veranstaltungen und Ereignisse in der Gemeinde fest. Sandra Himmelbauer und Christine Kettlgruber aus Neukirchen bei Lambach bauten eine Topothek auf. Dort wurden inzwischen mehr als 10.000 Dokumente, historische Unterlagen und Fotos gesammelt, recherchiert und digitalisiert.
Erwin Murauer aus Pennewang gilt als technisches Universalgenie und unterstützt zahlreiche Veranstaltungen und Vereine. Anna Niederhuber aus Schleißheim ist Mesnerin, war früher Schulköchin, arbeitet als Leseoma und Lesecoach und organisiert zusätzlich Seniorentreffen.
Das Team der Kinderkirche aus Steinerkirchen erhielt die Ehrung für seinen Einsatz, Kinder für die Werte des Glaubens und das Pfarrleben zu begeistern. Hermine Ziegelböck, ebenfalls aus Steinerkirchen, war Landesbäuerin und Landtagsabgeordnete. Heute engagiert sie sich als Stimme für Frauen am Land, als Waldpädagogin und als Seniorenbundobfrau.
Ein Preis für viele helfende Hände
Der Bezirk Wels-Land hatte die „Ehrenamtshand“ als neuen, überparteilichen Preis ins Leben gerufen. Vorschläge konnten Ortsparteien ab 5. Dezember, dem Internationalen Tag der freiwilligen Helfer, einreichen. Vergeben werden die Auszeichnungen in Gold, Silber und Bronze. Die erste Preisverleihung war für eine feierliche Veranstaltung im Jänner geplant.
Rund 60 Prozent der Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher engagieren sich ehrenamtlich. Im Bezirk Wels-Land gibt es 720 registrierte Vereine – dazu kommen zahlreiche freiwillig aktive Einzelpersonen. Thalheims Bürgermeister Andreas Stockinger betonte, dass die Jugendarbeit in den Gemeinden fast ausschließlich von Vereinen getragen werde.
Achleitner erklärte, der Preis solle Ehrenamtliche wertschätzen und weitere Menschen zum Engagement motivieren. Das Land Oberösterreich plante dafür eine Ehrenamtsstrategie, um Aktivitäten besser abzustimmen und neue Förderstrukturen sowie Maßnahmen zu entwickeln. Ab Jänner 2024 wurde die Spendenabsetzbarkeit auf den gesamten gemeinnützigen Bereich ausgeweitet. Zusätzlich wurde eine Freiwilligenpauschale eingeführt: Gemeinnützige Vereine können Mitgliedern für Aufwände wie Kilometergeld bis zu 80 Euro monatlich steuer- und sozialversicherungsfrei auszahlen, mildtätige Organisationen bis zu 250 Euro monatlich.
Was das Land Vereinen inzwischen anbietet
Die Ehrenamtsstrategie liegt mittlerweile als „Oberösterreich Plan für das Ehrenamt“ vor. Sie beruht auf einem Beschluss der Landesregierung, bündelt bestehende Aktivitäten und künftige Maßnahmen und wurde wissenschaftlich begleitet sowie unter Einbindung ehrenamtlich Engagierter erarbeitet. Die Broschüre kann online heruntergeladen oder kostenlos per E-Mail an ehrenamt@ooe.gv.at angefordert werden.
In Oberösterreich werden laut Land wöchentlich rund 2,8 Millionen Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet. Einer Umfrage zufolge interessieren sich 270.000 Personen für eine freiwillige Tätigkeit. Zentrale Anlaufstelle ist die Servicestelle Ehrenamt – vor allem für Vereine ohne Dachorganisation und für Bürgerinnen und Bürger, die ein passendes Betätigungsfeld suchen. Auch die Bürgerservicestellen der Bezirkshauptmannschaften informieren über Möglichkeiten.
Über die Plattform www.treffpunkt-ehrenamt.at bündelt das Land seine Angebote. Die Seite soll gemeinnützige Organisationen und interessierte Bürgerinnen und Bürger leichter zusammenbringen. Die „Börse Ehrenamt“ ermöglicht Suche, Austausch und Vermittlung zwischen Vereinen, Mitgliedern und Freiwilligen; Organisationen lassen sich nach Themenbereichen und Bezirken finden. Vertreten sind unter anderem Sport, Kultur, Bildung, Soziales, Umwelt, Rettungswesen sowie Jugend- und Familienarbeit. Vereine können sich registrieren, wenn sie ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen.
Für neue Vorhaben gibt es außerdem den „Ehrenamtsfonds“. Die Landesregierung beschloss ihn am 2. September 2024 einstimmig, das Fördervolumen beträgt 100.000 Euro. Förderanträge können seit 1. Jänner 2025 gestellt werden. Förderberechtigt sind Vereine und gemeinnützige GmbHs, die dem Gemeinwohl dienen. Unterstützt werden innovative Maßnahmen, besondere Aktivitäten, Initiativen zur Nachwuchsgewinnung sowie deren Entwicklung oder Durchführung; pro Verein oder gemeinnütziger GmbH sind jährlich maximal 3.000 Euro möglich.
Auch künstliche Intelligenz kommt ins Vereinsheim
Auf Einladung von Landeshauptmann Thomas Stelzer veranstaltet das Land Oberösterreich eine landesweite KI-Tour für Vereine. Der Titel der Vortragsreihe: „KI im Ehrenamt: Ihr praktisches Werkzeug für den Vereinsalltag“. Impulsvorträge an mehreren Standorten werden durch vertiefende Schulungsvideos ergänzt. Gezeigt werden einfache, unmittelbar anwendbare Werkzeuge für Organisation, Kommunikation und Verwaltung – ohne dass man vorher Informatik studiert haben muss.
Referent ist Patrick Urmann, MBA. Er erklärt die Grundlagen der künstlichen Intelligenz und den Einstieg ohne Vorwissen, zeigt die Erstellung von Bildern, Videos und Präsentationen für Vereine und widmet sich der Frage, wie passende Befehle formuliert werden, damit am Ende auch brauchbare Ergebnisse herauskommen. Die Impulsvorträge und der Zugang zu den Schulungsvideos sind kostenlos.
Die Servicestelle Ehrenamt ist unter 0732/7720-11140 und unter ehrenamt@ooe.gv.at erreichbar. Auf der Plattform finden sich außerdem Veranstaltungshinweise, aktuelle Nachrichten und Informationen zum Versicherungsschutz für Ehrenamtliche. Und irgendwo zwischen Topothek, Kinderkirche, Seniorentreffen und Vereinsverwaltung bleibt dann hoffentlich noch Zeit für einen Kaffee.
