Wien-Alsergrund, 27. Oktober 2026. Nach einem langen Arbeitstag war das Fahrrad weg. Einfach verschwunden. Aus Resignation und weil die Hoffnung auf eine Rückgabe ohnehin gering schien, erstattete der Autor damals keine Anzeige. Bis zu einer möglichen Rückkehr musste er zu Fuß zum Bahnhof gehen.

Damit wurde der Diebstahl weder offiziell erfasst noch in der Kriminalstatistik berücksichtigt. Genau hier liegt der Haken bei sinkenden Zahlen: Wenn Betroffene Vorfälle nicht melden, können die Statistiken die tatsächliche Situation nur unvollständig wiedergeben. Eine Anzeige bringt das Fahrrad nicht automatisch zurück, dokumentiert den Diebstahl aber. Heute würde der Autor sein Fahrrad auch bei geringer Aussicht auf ein Wiedersehen anzeigen.

Weniger Anzeigen, aber viele offene Fragen

2025 wurden in Österreich 16.932 Fahrraddiebstähle angezeigt – 13 Prozent weniger als 2024, als 19.455 Fälle registriert wurden. Damit war 2025 das zweitniedrigste Jahr seit 2000. Nur 2022 lag mit 16.824 Fällen noch darunter. Laut einer VCÖ-Auswertung der Kriminalstatistik des Innenministeriums wurden 1.570 Fälle aufgeklärt, die Aufklärungsquote lag bei 9,3 Prozent.

Rund zwei Drittel der Diebstähle ereigneten sich laut VCÖ in den Landeshauptstädten. Nach absoluten Zahlen führte Wien mit 5.913 Fällen, das waren 1.096 weniger als 2024. Rückgänge gab es besonders im Burgenland mit minus 29,3 Prozent, in Kärnten mit minus 27,3 Prozent, in Niederösterreich mit minus 23,6 Prozent und in Oberösterreich mit minus 22,2 Prozent. In der Steiermark wurden dagegen 6,3 Prozent mehr, in Salzburg 4,0 Prozent mehr Diebstähle registriert als im Jahr davor.

Bundesland Fälle 2025
Wien 5.913
Steiermark 2.113
Niederösterreich 2.043
Oberösterreich 1.900
Salzburg 1.598
Tirol 1.311
Vorarlberg 1.004
Kärnten 758
Burgenland 292

Pro 10.000 Einwohner lag Salzburg mit 66 Diebstählen vor Innsbruck mit 55, Graz mit 49, Klagenfurt mit 45, Linz mit 44 und Wien mit 29. Unter den sechs größten Landeshauptstädten hatte Wien damit die niedrigste Rate. Auch in Deutschland, Schweden, Dänemark und Großbritannien gingen die angezeigten Fahrraddiebstähle 2025 zurück. Zwei weitere Kennzahlen sollen für Fahrradbesitzer wichtiger sein als die Gesamtsumme.

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Wien: Leopoldstadt vorne, Hietzing hinten

Von den 5.913 in Wien angezeigten Diebstählen wurden 325 aufgeklärt. Das entspricht einer Aufklärungsquote von 5,5 Prozent. Nach absoluten Fällen lag die Leopoldstadt mit 707 vorn, Hietzing mit 74 hinten. Bei der Berechnung pro 10.000 Einwohner führte die Innere Stadt mit 115 Fällen. Die Bezirke 1 bis 9 belegten bei dieser Betrachtung die ersten neun Plätze.

Ganz so einfach lässt sich daraus aber kein persönliches Risiko ablesen. In innerstädtischen Bezirken arbeiten, kaufen ein und besuchen viele Menschen, die dort nicht wohnen. Die Pro-Kopf-Werte sind deshalb nur eingeschränkt interpretierbar. Außerdem ergeben die veröffentlichten Bezirkszahlen zusammen 5.914 Fälle – also einen Fall mehr als die Wiener Gesamtzahl von 5.913.

Fahrräder waren 2025 laut BMI der am häufigsten gestohlene Gegenstand bei Kellereinbrüchen. Die Zahl dieser Einbrüche stieg von 9.406 im Jahr 2024 auf 10.139 im Jahr 2025, ein Plus von 7,8 Prozent. Der Keller ist also kein sicherer Ort, nur weil die Tür hinter einem zufällt.

Rahmen anschließen, Daten sichern

Wer sein Fahrrad abstellt, sollte den Rahmen und nicht bloß das Vorderrad anschließen – und zwar an einem fest verankerten Gegenstand. Bügel- oder Panzerkabelschlösser gelten als geeigneter; einfache Kabelschlösser sind leichter zu überwinden. Abnehmbares Zubehör wie Licht und Sattel nimmt man besser mit. Alternativ können Schnellspanner durch Sicherheitsschrauben ersetzt werden.

Auch im Keller gehört das Fahrrad an einen festen Gegenstand. Wer regelmäßig an Bahnhöfen parkt, kann eine abschließbare Radbox nutzen. Für E-Bikes empfiehlt sich ein versteckter GPS-Tracker; den Standort sollte man im Fall des Falles der Polizei übermitteln.

Nach dem Kauf lohnt sich ein Fahrradpass mit Hersteller, Modell, Rahmennummer und besonderen Merkmalen. Fotos vom Fahrrad gehören ebenfalls dazu. Bei wertvollen Rädern kann eine Diebstahlversicherung sinnvoll sein – prüfen muss man das freilich selbst, bevor das Rad schon weg ist.

Wenn das Rad tatsächlich weg ist

Dann heißt es: Anzeige bei der Polizei erstatten, die Versicherung informieren, die Umgebung und das Fundamt prüfen. Auch Kleinanzeigen sollte man beobachten, weil gestohlene Fahrräder dort kurz nach dem Diebstahl auftauchen können.

Beim Gebrauchtkauf ist Misstrauen kein schlechter Begleiter. Käufer sollten die Rahmennummer und den Kaufbeleg verlangen, die Nummer am Fahrrad mit den Unterlagen vergleichen und bei Preisen deutlich unter dem Marktwert vorsichtig sein. Fragen nach Herkunft und Geschichte des Fahrrads gehören dazu. Verdächtige Angebote sollten als möglicherweise gestohlen gemeldet werden.

Der Weg zum Bahnhof zu Fuß war für den Autor jedenfalls lang genug. Eine Anzeige hätte das Fahrrad nicht zurückgebracht. Aber der Diebstahl wäre sichtbar gewesen – in der Statistik, in den Unterlagen und vielleicht irgendwann bei einer Spur, die sonst gar nicht existiert.

Quelle 1: MeinBezirk.at
Quelle 2: Pedalia
Quelle 3: Bike-Registry