10.000 Bäume für Wiens Grüngürtel: Familien pflanzen neuen Wald in der Donaustadt
Heute, am 7. November 2026, wird es in der Donaustadt grün: Beim Telephonweg 25 pflanzen Familien rund 10.000 heimische Bäume und Sträucher. Eichen, Linden und Ahorn kommen in den Boden – in einem Gebiet, das bisher eher waldarm war. Von 10 bis 15 Uhr wird gearbeitet, gegraben und vermutlich auch ordentlich in der Erde gewühlt.
Die jährliche Aktion „Wald der jungen Wienerinnen und Wiener“ richtet sich an Familien, Kinder und alle anderen Interessierten. Wiener Stadtförsterinnen und Stadtförster helfen beim Pflanzen und erzählen, was im Lebensraum Wald kreucht und fleucht. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Pflanzen, forschen, Gummistiefel werfen
Langweilig wird es zwischendurch kaum: Zum Begleitprogramm gehören Gummistiefel-Werfen, Naturwerkstätten, Spurenlesen und das Mikroskopieren von Kleinstlebewesen. Auch Kasperlinchen von der Puppenbühne Träumeland schaut vorbei. Zwischen Setzlingen und Schaufeln dürfte also einiges los sein.
Organisiert wird die Pflanzaktion vom Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien (MA 49) gemeinsam mit wienXtra sowie dem Fachbereich Jugend und Pädagogik der MA 13. Die Aufforstungsinitiative gibt es seit 1985. Gepflanzt wird vor allem im Süden und Nordosten Wiens – also dort, wo der Wald bislang Lücken hat.
Jedes Jahr kommen dadurch etwa 50.000 bis 100.000 Quadratmeter neue Waldfläche hinzu. Die jungen Wälder verbessern das Stadtklima, schaffen Erholungsräume und bieten Rehen, Hasen, Fasanen, Amphibien und Insekten Lebensraum.
Vom Telephonweg bis zum Mühlgrund
Der aktuelle Pflanzort liegt am Telephonweg zwischen Simonsgasse und Rosenbergstraße im 22. Bezirk. Auch in den Jahren davor wanderte die Aktion durch Wien: 2025 wurde an der Josef-Flandorfer-Straße 90–96 / Orasteig im 21. Bezirk gepflanzt, 2024 im Park der Artenvielfalt in Stadlbreiten gegenüber Nr. 3 und 2023 an der Johann-Kutschera-Gasse/Ecke Anna-Müller-Straße.
Die Liste reicht weiter zurück: 2022 ging es an die Klederingerstraße/Ecke Liesingbrücke, 2021 an die Klederingerstraße, 2019 zwischen Gernotgasse und Niklas-Eslarn-Straße, 2018 an die Pichelmayergasse/Ecke Holeyplatz und 2017 an die Katharina-Scheiter-Gasse/Lavantgasse. 2016 lag der Pflanzort an der Lobaugasse/Heustadelgasse, 2015 am Orasteig/Ecke Josef-Flandorfer-Straße, 2014 am Telephonweg/Speierlinggasse und 2013 an der Seefeldergasse.
Auch die früheren Stationen zeigen, wie stark der Schwerpunkt im Wiener Nordosten und Süden liegt: 2012 war die Vorarlberger Allee im 23. Bezirk an der Reihe, 2011 die Thayagasse/Petritschgasse, 2010 die Johann-Weber-Straße/Luckenschwemmgasse, 2009 die Jochen-Rindt-Straße und 2008 Eßling.
2007 wurde in Stammersdorf an der Stammersdorfer Straße/Marchfeldkanal gepflanzt, 2006 am Mühlweg/Ziegelofenweg, 2005 in Eßling/Himmelteich, 2004 am Drygalskiweg/Fiebrichgasse, 2003 erneut in Eßling/Himmelteich, 2002 am Kellerberg, 2001 in Aspern/Altes Flugfeld und 2000 an der Mühlgrundgasse.
Ein Gürtel mit langer Geschichte
Der Wiener Grüngürtel steht seit 1905 als „Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel“ unter Schutz. Die Stadt arbeitet daran, ihn zu schließen und zu vergrößern. Heute umschließt er das gesamte Wiener Stadtgebiet und umfasst rund 21.500 Hektar. Etwa 12.000 Hektar davon sind als „Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel“ gewidmet – die strengste rechtliche Schutzkategorie für Grünflächen in der Wiener Flächenwidmung. Landwirtschaftliche Flächen und Parkanlagen in anderen Widmungskategorien ergänzen diese Kernbereiche.
Zu den großen Landschaftsräumen zählen unter anderem die Lobau und die Donauinsel. Westlich schließt der Biosphärenpark Wienerwald an, den die UNESCO 2005 anerkannte. Gesichert werden soll der Grüngürtel auch künftig durch Widmungen, den Ankauf von Grundstücken und weitere Maßnahmen.
Die Idee ist älter als der offizielle Beschluss: Bereits 1898 wurde vorgeschlagen, am Stadtrand eine 600 Meter breite, von Bebauung freigehaltene und begrünte Zone zu schaffen. Am 24. Mai 1905 beschloss der Gemeinderat unter Bürgermeister Karl Lueger schließlich, fast 6.000 Hektar – vor allem im Wienerwald und im Süden Wiens – unter Schutz zu stellen.
Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie in der Zwischenkriegszeit geriet die Grünraumpolitik wegen Krieg und wirtschaftlicher Not ins Hintertreffen. Erst 1953 begann mit Aufforstungen am Laaer Berg der erste große Schritt zur Schließung des Wiener Wald- und Wiesengürtels. In den 1990er Jahren entwickelte die Wiener Stadtplanung die „Leitlinien für die Stadtentwicklung Wiens“. Ergänzend legte das „Grün- und Freiflächenkonzept für den Nordosten Wiens“ im Rahmen des „1000-Hektar-Programms“ übergeordnete Grünräume fest.
Im November 1994 wurden der Stadtentwicklungsplan STEP94 und das 1000-Hektar-Programm beschlossen. Damit wurde der Grüngürtel rund um Wien durch Gemeinderatsbeschluss gesichert und es wurden „Tabuzonen“ für bauliche Entwicklung festgelegt. Am Telephonweg kommen nun wieder viele kleine Bäume dazu – mit Gummistiefeln, Schaufeln und hoffentlich nicht zu viel Matsch im Ärmel.
