Andreas Vitásek zum 70er: Der ORF feiert 45 Jahre Kabarettgeschichte mit einem TV-Schwerpunkt
In Wien-Favoriten, wo seine Geschichte beginnt, feiert Andreas Vitásek am 1. Mai 2026 seinen 70. Geburtstag. Gleichzeitig blickt der österreichische Kabarettist und Schauspieler auf 45 Jahre Bühnenjubiläum zurück. Der ORF nimmt das zum Anlass für einen TV-Schwerpunkt, der ab Donnerstag, 30. April, in ORF 1, ORF 2, ORF III und auf ORF ON läuft.
Vitásek gilt als einer der prägenden Großmeister des österreichischen Kabaretts. Seine Bühnenkunst ist körperbetont, erzählt gern mit Gesten, Pausen und schrägen Bewegungen – geprägt wurde sie auch durch seine Ausbildung an der Theaterschule von Jacques Lecoq in Paris von 1978 bis 1980. Aus der Pantomime entwickelte er ein erzählerisches Gesamtkunstwerk, in dem Poesie und Humor nebeneinander Platz haben.
Ein Schwerpunkt quer durch vier ORF-Kanäle
Den Auftakt macht am Donnerstag, 30. April, ORF 1: Um 20.15 Uhr steht das Kabarettprogramm „Spätlese“ auf dem Programm. Vitásek nimmt darin unter anderem Klimaschutz, politische Korrektheit, Werbung, künstliche Intelligenz und die „natürliche Blödheit“ aufs Korn. Um 21.35 Uhr folgt die Neuproduktion „Andreas Vitásek – Ich bereue nichts“.
Für dieses Porträt besucht Vitásek wichtige Stationen seines Lebens: Wien-Favoriten, Paris, den filmischen Durchbruch mit „Müllers Büro“, seine Kabarettkarriere und seine Tätigkeit als Intendant in Güssing. Zu Wort kommen Viktor Gernot, Erwin Steinhauer, Andra Händler beziehungsweise Andrea Händler, Eva Maria Marold und Georg Hoanzl. Außerdem sind Markus Kupferblum und Fritz Aumayr dabei.
Gezeigt werden Ausschnitte aus Vitáseks Schaffen, bekannte Pointen ebenso wie bislang unbekannte Beiträge aus dem ORF-Archiv. Um 22.45 Uhr folgt „Austrophobia“, worin er Eigenheiten seiner Landsleute mit Alltagserlebnissen sowie politischen und weltanschaulichen Pointen verbindet. Danach stehen um 0.05 Uhr „Pension Schöller“ und um 0.30 Uhr die Serie „VITASEK?“ auf dem ORF-1-Plan.
Am Freitag, 1. Mai, geht es in ORF 2 bereits um 9.05 Uhr mit der Wiederholung des „dokFilm“-Bezirksporträts „Mein Favoriten“ aus dem Jahr 2010 weiter. Neben Vitásek sprechen Willi und Lukas Resetarits, Roland Düringer, Werner Sobotka und Harald Sicheritz über den Wiener Bezirk und ihre Kindheit dort. Um 10.05 Uhr folgt Xaver Schwarzenbergers Komödie „Und ewig schweigen die Männer“: Vitásek spielt einen Finanzberater in einer Midlife-Crisis, unter der seine Familie leidet.
ORF III setzt am Abend um 20.15 Uhr mit „70 Jahre Andreas Vitásek – Ich bereue nichts“ nach. Um 21.50 Uhr folgt „Andreas Vitásek – Best Of Tafelrunde“, um 22.40 Uhr eine neue Ausgabe der „Tafelrunde“ mit Gerald Fleischhacker, Berni Wagner, Lydia Prenner-Kasper und Maria Muhar. „Andreas Vitásek – My Generation“ ist um 23.45 Uhr zu sehen. Das Programm entstand zum 25-jährigen Bühnenjubiläum, handelt von Vitáseks Generation, den 1968er-Jahren, Weggefährten und früheren Schauplätzen und wird nach einem Online-Publikumsvoting ausgestrahlt.
Um 0.55 Uhr kommt eine Ausgabe des musikalischen Late-Night-Formats „DENK mit KULTUR“ aus dem Jahr 2017. Gemeinsam mit Ingrid Thurnher und Moderatorin Birgit Denk singt Vitásek „Melancholie im September“ von Mandy & die Bambis.
Am Samstag, 2. Mai, zeigt ORF III ab 14.20 Uhr drei Folgen der österreichischen Kultserie „Mozart und Meisel“. Am Sonntag, 3. Mai, stehen um 17.00 Uhr „Brüder II“ und um 18.35 Uhr „Brüder III – Auf dem Jakobsweg“ auf dem Programm. In beiden Filmen spielen Andreas Vitásek, Erwin Steinhauer und Wolfgang Böck die Hauptrollen. Ab 0.20 Uhr folgen Wiederholungen von „70 Jahre Andreas Vitásek – Ich bereue nichts“, „Andreas Vitásek – Best Of Tafelrunde“ und „Mozart und Meisel“.
Ab Montag, 4. Mai, zeigt ORF III nachmittags, jeweils gegen 17.40 und 18.30 Uhr, Doppelfolgen der österreichischen Komödienserie „Dolce Vita & Co“. Am Donnerstag, 7. Mai, ist Vitásek gemeinsam mit Viktor Gernot bei Barbara Stöckl im ORF-Nighttalk „Stöckl“ zu Gast – um 23.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON. Dort gibt es außerdem eine Videokollektion mit den Sendungen des gesamten Schwerpunkts.
Vom Favoritner Buben nach Paris
Andreas Vitásek wurde am 1. Mai 1956 in Wien-Favoriten geboren. Sein Vater war ein aus Prostějov emigrierter tschechischer Schneider, seine deutlich jüngere Mutter stammte aus dem Mostviertel. Nach der Scheidung der Eltern lebte Vitásek bei seinem Vater. Von 1966 bis 1974 besuchte er das BRG4 Waltergasse im 4. Wiener Gemeindebezirk, anschließend studierte er in Wien Theaterwissenschaften und Germanistik.
Seit 1981 arbeitet er als Kabarettist und Schauspieler, seit 1991 auch als Regisseur. Die Liste seiner Programme liest sich wie ein Stück österreichische Kabarettgeschichte: „Spastic Slapstik“ (1981), „Die sieben Leben des Max Kurz“ (1983), „Fahrt ins Blaue“ (1984), „Andere Umstände“ (1986), „Was bisher geschah“ (1987), „Wieder allein“ (1991), „Unterwegs“ (1993), „Bilanz“ (1994), „Kurzzugende“ (1997), „Seine schönsten Erfolge, Teil zwei“ (1998), „Pscht!“ (1999), „Doppelgänger“ (2002), „Eine Nacht im Ronacher“ (2004), „Taxi, Tod & Teufel“ (2005), „My Generation“ (2006), „39,2° – Ein Fiebermonolog“ (2010), „War da was?“ (2012), „Sekundenschlaf“ (2013), „Grünmandl“ (2016), „Austrophobia“ (2018), „Der Herr Karl“ (2020), „Spätlese“ (2023) und „Wie es mir gefällt“ (2026).
Im Oktober 2020 hatte sein Einpersonenstück „Der Herr Karl“ im Wiener Rabenhof Theater Premiere. Ein Live-Mitschnitt der Aufführung vom 3. November 2021 erschien in der Edition Ö1. Im Februar 2022 veröffentlichte Vitásek im Brandstätter Verlag seine Autobiografie „Ich bin der Andere: Ein Selbstporträt“. 2023 übernahm er als Nachfolger von Frank Hoffmann die Intendanz des Kultursommers Güssing. 2014 erhielt er den österreichischen Kabarettpreis, 2026 verlieh ihm Bundespräsident Alexander Van der Bellen den Berufstitel Professor.
Privat ist Vitásek seit 9. September 2009 in zweiter Ehe mit der Theaterwissenschaftlerin Daria Biezunski-Vitásek verheiratet. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter. Eine weitere Tochter, geboren 1998, stammt aus seiner ersten Ehe, ein Sohn, geboren 1984, aus einer früheren Beziehung. Vitásek lebt in Wien und im südlichen Burgenland.
Film, Serie und Stimme
Seinen filmischen Durchbruch verband die ORF-Sendung mit „Müllers Büro“, dem 1986 erschienenen Film von Niki List. Davor war Vitásek unter anderem in „Café Malaria“ (1982) und „Unser Mann in Bangkok“ (1984, Regie: Andreas Gruber) zu sehen. Es folgten „Die Dreckschleuder“ (1986, Regie: Niki List), „Mozart und Meisel“ (1987), „Sternberg – Shooting Star“ (1988, Regie: Niki List), „Bodo – Eine ganz normale Familie“ (1989), „Wenn das die Nachbarn wüßten“ (1990), „Tage der Rosen“ (1992) und „Der exekutierte Mensch“ (1994).
Auch in „Ein fast perfekter Seitensprung“ (1996, Regie: Reinhard Schwabenitzky), „Eine fast perfekte Scheidung“ (1997, Regie: Reinhard Schwabenitzky), „Helden in Tirol“ (1998, Regie: Niki List), „Fink fährt ab“ (1999, Regie: Harald Sicheritz) und „Eine fast perfekte Hochzeit“ (1999, Regie: Reinhard Schwabenitzky) spielte er mit. Dazu kamen zehn Folgen von „Kaisermühlen-Blues“ (1999), „Dolce Vita & Co“ (2001), „Brüder“ (2002), „Brüder II“ (2003), „Kommissar Rex – Fluch der Mumie“ (2003), „MA 2412 – Die Staatsdiener“ (2003), „Brüder III – Auf dem Jakobsweg“ (2005), „Novotny & Maroudi“ (2005), „Jenseits“ (2006, Regie: Stefan Müller) und „Crazy Race 3 – Sie knacken jedes Schloss“ (2006).
Weitere Stationen waren „Und ewig schweigen die Männer“ (2008, Regie: Xaver Schwarzenberger), „Tatort – Glaube, Liebe, Tod“ (2010), „Vitasek?“ mit acht Episoden (2010), „Kebab mit Alles“ (2011, Regie: Wolfgang Murnberger), „SOKO Donau – Der zweite Mann“ (2012), „Tatort – Zwischen den Fronten“ (2013), „Kebab extra scharf!“ (2017, Regie: Wolfgang Murnberger), „Familiensache“ (2021, TV-Serie, Regie: Esther Rauch), „Griechenland“ (2023) und „Operation White Christmas“ (2023).
Auch als Sprecher und Hörspielmacher ist Vitásek präsent: 2010 erzählte er „Der Streik der Diebe“ von Jura Soyfer, Regie führte Götz Fritsch. 2017 folgte „Grünmandl oder das Verschwinden des Komikers“ nach Texten von Otto Grünmandl, bearbeitet und gesprochen gemeinsam mit Florian Grünmandl, unter der Regie von Martin Sailer. Der Live-Mitschnitt von „Der Herr Karl“ aus dem Rabenhof Theater Wien vom 3. November 2021 erschien ebenfalls als Audioarbeit in der Edition Ö1.
