In Favoriten dreht sich am Donnerstag, 26. November 2026, alles um ein kleines Wegwerfprodukt mit ziemlich großer Wirkung: den Zigarettenstummel. Von 18:00 bis 20:00 Uhr laden die Bezirksvorstehung Favoriten und die „Allianz der Tschickstummel-Fighter Wien“ in den Festsaal der Bezirksvorstehung Favoriten, Keplerplatz 5, 1. Stock, 1100 Wien. Der Eintritt ist frei, alle Wienerinnen und Wiener sind willkommen.

Die Veranstaltung ist Teil der Europäischen Woche der Abfallvermeidung. Im Mittelpunkt stehen weltweit rund 4,5 Millionen Zigarettenstummel, die jedes Jahr achtlos weggeworfen werden. In Wien landen jährlich rund 130 Millionen Stummel in den vorhandenen Aschenrohren – viele weitere bleiben auf Straßen, Plätzen, in Parks und Grünflächen liegen.

Kunst, Diskussion und ein Taschenascher

Zum Auftakt gibt es von 18:00 bis 18:15 Uhr eine Begrüßung und eine Kunstschau mit Werken von R. Heberling, I. Holloway, C. Kantner und A. Schlager. Danach präsentiert Felix Krainer von 18:15 bis 18:25 Uhr „Planet Matters“ und beschäftigt sich mit Zigarettenabfällen in Wien.

Von 18:30 bis 19:15 Uhr spricht Stella Wittmann bei „Circular Wien“ über Aktivitäten sowie die Auswirkungen von Zigarettenabfällen auf Umwelt, Grundwasser und Gesundheit. Wittmann moderiert die gesamte Veranstaltung. Ab 19:20 Uhr folgt bis 20:00 Uhr eine offene Diskussionsrunde mit Politik und Bezirken. Auf den Tisch kommen die Verantwortung der Hersteller, Wiederverwertung und Kreislaufwirtschaft sowie mögliche Zigarettenpfand-Modelle.

Angekündigt sind Marcus Franz, Bezirksvorsteher von Favoriten, Jürgen Czernohorszky, Wiener Klima- und Umweltstadtrat, Norbert Totschnig, Bundesminister, und Patrick Lobis von der Vertretung der EU-Kommission. Auch kostenlose Taschenaschenbecher werden vor Ort ausgegeben. Informationen zum Pfandmodell gibt es unter www.zigarettenpfand.eu; für die Veranstaltung ist eine Anmeldung unter stellawittmann1968@gmail.com möglich.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Ab 20:00 Uhr wird beim Get-together mit Live-Musik von Premysl Janyr weitergeredet – vermutlich mit weniger Podium und mehr Stehtisch.

47.000 Stummel bei zwei Clean-ups

Wie groß das Problem ist, zeigten zwei Clean-up-Aktionen rund um den World Cleanup Day 2026. In Wien wurden dabei insgesamt rund 47.000 Zigarettenstummel gesammelt: etwa 5.000 am Wielandplatz in Favoriten und mehr als 42.000 entlang der Neuen Donau.

An der Neuen Donau waren 112 Freiwillige zwei Stunden lang im Einsatz. Neben den über 42.000 Stummeln kamen insgesamt 291 Kilogramm Müll zusammen. Green Heroes Austria koordiniert den World Cleanup Day seit 2018 in Österreich und fordert zusätzliche Aschenrohre bei Sitzbänken entlang der Donau. Als weitere mögliche Maßnahme werden rauchfreie Bereiche genannt; in Frankreich gibt es etwa ausgewiesene rauchfreie Strände.

Eine auffällige Zahl am Rand: Entlang der Neuen Donau wurden nur 62 Aluminium-Getränkedosen gefunden. Bei einer vergleichbaren Aktion im Jahr 2022 waren es noch 948 Dosen – ein Rückgang um rund 93,5 Prozent. Seit Jänner 2025 gilt in Österreich das Einwegpfand auf PET-Flaschen und Metalldosen. Dosen haben damit einen finanziellen Rückgabewert, für Zigarettenstummel gibt es keinen vergleichbaren Anreiz.

Plastikfasern, Mikroplastik und Schadstoffe

Zigarettenfilter bestehen aus Kunststoff beziehungsweise Kunststofffasern. Laut Stadt Wien können sie bis zu 15 Jahre zum Abbau benötigen; im Artikel zur Veranstaltung ist davon die Rede, dass der Kunststoff über Jahrzehnte in kleine Kunststoffteilchen zerfällt. Beim Zerfall können Mikroplastik und Schadstoffe wie Arsen, Blei und Cadmium in Böden und Gewässer gelangen.

Auch Nikotin und Schwermetalle bleiben in den Filtern gebunden. Sie können Böden und Gewässer belasten, Kleinstlebewesen schädigen und Tiere gefährden, die Stummel mit Nahrung verwechseln. Eine weiterführende ORF-Quelle zu gefährlichem Abfall, Zigarettenstummeln und ihren Auswirkungen auf Gewässersysteme liegt in den gelieferten Unterlagen allerdings nur als komprimierte PDF-Binärdatei ohne lesbaren Nachrichtenartikel vor.

Im öffentlichen Raum gibt es etwa 21.800 Papierkörbe mit integrierten Aschenrohren sowie mehr als 1.200 freistehende Aschenrohre. Das klingt nach viel – trotzdem reicht es offensichtlich nicht überall hin, wo geraucht wird.

Favoriten zählt nach

Am Wielandplatz sammelten 15 Freiwillige von Circular Wien, Sauberes Favoriten und der Wiener Naturwacht rund 5.000 Stummel. Die Filter wurden gezählt und in 20 Behältern mit jeweils etwa 250 Stück gesammelt. Dazu kamen fünf Säcke Verpackungsmüll.

In mehreren Sprachen informierten die Helferinnen und Helfer über Abfallvermeidung und Recycling. Als praktische Lösung wurde ein Taschenascher vorgestellt, in dem die Stummel bis zur späteren ordnungsgemäßen Entsorgung bleiben können. Kein großes Ding, eigentlich – aber eines, das man einstecken kann, bevor der nächste Tschickstummel im Rinnsal landet.

Die Initiative Zigarettenpfand fordert, Hersteller stärker an den Entsorgungskosten zu beteiligen und einen finanziellen Anreiz für die Rückgabe beziehungsweise korrekte Entsorgung von Zigarettenfiltern zu schaffen. Zusätzliche Aschenrohre, rauchfreie Bereiche, Bewusstseinsbildung und mehr Herstellerverantwortung werden als mögliche Bausteine gegen Zigarettenmüll genannt.

Auch die Stadt Wien setzt auf Bewusstseinsbildung. Im Artikel wird eine Kampagne gegen weggeworfene Zigarettenstummel erwähnt, als Werbegesicht tritt der frühere österreichische Fußball-Teamchef Herbert Prohaska auf.