Wien startet Winterpaket mit 1.000 zusätzlichen Plätzen für obdachlose Menschen
In Wien wird das Angebot für obdachlose Menschen rechtzeitig zum Start der kalten Jahreszeit ausgebaut. Das Winterpaket 2026/27 des Fonds Soziales Wien (FSW) ist am 28. Oktober gestartet und läuft bis 28. April 2027. Rund 1.000 zusätzliche Plätze für Einzelpersonen und Paare, Unterkünfte für 38 Familien und durchgehend geöffnete Notquartiere sollen in den kommenden Monaten helfen, wenn die Nächte wieder richtig kalt werden.
Koordiniert wird das Paket vom FSW, umgesetzt gemeinsam mit dem Arbeiter-Samariterbund Wien, der Caritas der Erzdiözese Wien, FSW Obdach, den Johannitern Österreich, der Volkshilfe Wien und dem Wiener Roten Kreuz. Zehn Notquartiere sind rund um die Uhr geöffnet. Dazu kommen drei Wärmestuben mit insgesamt 255 Plätzen für Tagesaufenthalte und Mittagessen.
180 Plätze in der Siemensstraße
Erstmals ist das Notquartier Obdach Siemensstraße in Floridsdorf Teil des Winterpakets. Zum Start stehen dort 180 Plätze für obdachlose Einzelpersonen und Paare bereit. Bei längeren Kälteperioden oder hoher Auslastung kann die Kapazität kurzfristig erweitert werden. Die Einrichtung wird von der FSW-Tochter FSW Obdach betrieben.
Im vergangenen Winter nutzten rund 2.900 Menschen das saisonale Angebot. Die anhaltenden Kälteperioden seien eine besondere Herausforderung gewesen, sagte FSW-Geschäftsführerin Susanne Winkler. Die Kapazitäten seien bei Bedarf rasch erweitert worden. Auch heuer bleibt die Lage beweglich – ein Quartier, das heute reicht, kann bei einer Kältewelle morgen schon zu klein sein.
Rund 160 Plätze sind für obdachlose Frauen vorgesehen. Der Anteil weiblicher Nutzerinnen am Winterpaket ist innerhalb von fünf Jahren auf rund ein Sechstel gestiegen. Deshalb gibt es wieder ein Notquartier ausschließlich für Frauen; das Notquartier Obdach Gänsbachergasse ist Frauen vorbehalten. In weiteren Einrichtungen stehen räumlich getrennte Frauenbereiche zur Verfügung.
Hilfe, wenn jemand auf der Straße bleibt
Über die kostenlos verfügbare KälteApp können Straßen-Sozialarbeiterinnen verständigt werden, wenn obdachlose Menschen Unterstützung benötigen. Alternativ ist das Kältetelefon der Caritas unter 01 480 45 53 erreichbar. Sozialarbeiterinnen informieren Betroffene über passende Angebote, vermitteln sie in Einrichtungen der Wiener Wohnungslosenhilfe oder verteilen Schlafsäcke.
Das ist nicht immer eine einfache Tür, durch die man geht. Akut obdachlose Menschen empfinden häufig Scham und nehmen Unterstützung deshalb nur schwer an. Das Team „Obdach unterwegs“ sucht Menschen ohne Obdach in ganz Wien auf. Die Straßensozialarbeiter:innen bauen langfristig Beziehungen auf und können Betroffene dadurch Schritt für Schritt an weitere Hilfsangebote vermitteln.
Tageszentren bieten tagsüber einen sicheren Raum und Beratung. Menschen ohne Zuhause erhalten dort Erst- und Notversorgung sowie Unterstützung bei der Suche nach einer geeigneten Bleibe. In der kalten Jahreszeit werden die Kapazitäten erweitert und zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen.
Ganzjähriges Netz mit 4.630 Plätzen
Auch abseits des Winterpakets finanziert der FSW in Wien ganzjährig rund 4.630 Plätze und 2.440 Betreuungseinheiten in der Obdach- und Wohnungslosenhilfe. Das Regelangebot wird gemeinsam mit mehr als 30 Partnerorganisationen getragen. Im Jahr 2025 nutzten 13.260 Personen diese Angebote. Die Stadt Wien gab dafür im Vorjahr rund 166 Millionen Euro aus.
Knapp 700 Plätze befinden sich in Chancenhäusern. Sie bieten ganzjährig niederschwellige Unterbringung, Beratung und Perspektivenabklärung ab dem ersten Nutzungstag. Obdach- oder wohnungslose Einzelpersonen, Paare und Familien können dort auch ohne vorherigen Förderantrag direkt von der Straße aus einen zeitlich begrenzten Wohnplatz bekommen. Dazu kommt professionelle Beratung, um längerfristige Perspektiven zu klären.
Beim Medientermin in Floridsdorf waren unter anderem Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ), NEOS-Sozialsprecherin Arabel Bernecker-Thiel und FSW-Geschäftsführerin Susanne Winkler dabei. Draußen wird es inzwischen früh dunkel, drinnen stehen Betten, warme Räume und Ansprechpersonen bereit – in der Siemensstraße zunächst für 180 Menschen.
