Wiener Wohnträume: Ein Modell für sozialen Wohnbau im Herzen Europas
Heute ist der 2.10.2026 und wir werfen einen Blick auf das, was Wien so besonders macht – das Wohnen in der Stadt. Mit über 2 Millionen Einwohnern, von denen rund 60% in geförderten oder kommunalen Wohnungen leben, hat Wien ein Wohnmodell, das in Deutschland und besonders in Berlin als vorbildlich gilt. Die Stadt selbst besitzt etwa 220.000 Wohnungen, während gemeinnützige Bauträger weitere 200.000 geförderte Einheiten in ihren Beständen haben. Kein Wunder, dass jährlich rund 300 Delegationen nach Wien kommen, um das Modell zu studieren.
Der Wiener Wohnungsmarkt ist in drei Bereiche unterteilt: kommunale Gemeindewohnungen, geförderte Wohnungen und private Mietwohnungen. Auch wenn das Wiener Modell, das auf Objektförderung setzt, nicht das Patentrezept für alle ist, zeigt es doch, wie durchdachte Wohnungspolitik Märkte beeinflussen kann. So wurden seit über 100 Jahren Gemeindewohnungen gebaut, mit einem besonderen Fokus auf die Durchmischung in wohlhabenden Bezirken, um soziale Brennpunkte zu vermeiden. Ein neues Vergabesystem, das auch Alleinerziehende und Auszubildende bevorzugt, soll sicherstellen, dass die richtigen Menschen die richtigen Wohnungen bekommen.
Ein Blick auf die Zahlen
Egal ob man sich für eine Einzimmerwohnung oder eine Dreizimmerwohnung interessiert, die Mietpreise sind im Vergleich zu anderen großen Städten recht moderat. Eine Einzimmerwohnung kostet im Schnitt etwa 350 Euro, während man für eine Dreizimmerwohnung mit ungefähr 750 Euro rechnen muss. Nach dem Einzug entfällt zudem ein Einkommenscheck, was die Sache für viele erleichtert. Kautionen? Fehlanzeige! Mietverträge in Wien sind unbefristet und das sorgt für eine gewisse Sicherheit.
Allerdings, und das muss man herausstellen, sorgt die politische Einfrierung der Mieten aufgrund der Energiekrise und Inflation dafür, dass das Modell momentan defizitär wird. Kritiker sind sich einig, dass das System nicht immer sozial treffsicher ist – in mancher Hinsicht ist es sogar vererbbar. Eine Wifo-Studie zeigt, dass ein Anstieg gemeinnütziger Wohnungen private Mieten um 30 bis 40 Cent pro Quadratmeter senken kann. Für Berlin und seine drängenden Wohnungsprobleme könnte das eine interessante Perspektive bieten.
Wohin führt der Weg?
Was die Bauaktivitäten angeht, ist Wien aktuell nicht ganz auf der Höhe. Die Stadt wächst jährlich um rund 30.000 Menschen, hat jedoch die Bautätigkeit zurückgefahren. Im Vergleich dazu plant Berlin für 2024 den Bau von etwa 15.300 Wohnungen – eine beachtliche Zahl. Wien hinkt mit rund 12.500 hinterher. Der Leerstand in Wien liegt bei etwa 3%, was in Zahlen ca. 7.000 Einheiten entspricht. Mietpreise variieren stark von Bezirk zu Bezirk, in der Inneren Stadt zahlt man bis zu 28,48 Euro/m², während man in Ottakring nur 18,84 Euro/m² hinblättern muss.
Die Rahmenbedingungen für den Bau- und Immobilienmarkt haben sich seit 2022 und 2023 verbessert. Hypothekenzinsen sind unter den Höchststand von November 2023 gefallen und die Baupreise steigen langsamer. Das hat auch Auswirkungen auf die Fertigstellungen: 2024 sollen etwa 250.000 Wohnungen fertiggestellt werden. Ein positiver Trend, der Hoffnung gibt, dass die Wohnsituation in Wien und darüber hinaus etwas entspannter wird.
