Wohnen als Teil des neuen Recruiting-Erfolgs
Heute ist der 3.10.2026 und in Wien-Neubau tut sich was Spannendes. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass die Frage nach einer Wohnung für ihre neuen Mitarbeiter längst Teil des Recruitingprozesses geworden ist. Ein junger Techniker aus Deutschland, der für einen Industriebetrieb in Westösterreich angeworben wurde, ist da kein Einzelfall. Die Zeiten, in denen sich Arbeitgeber ausschließlich um die fachlichen Qualifikationen ihrer Mitarbeiter kümmerten, sind vorbei. Jetzt geht’s auch um die Wohnsituation!
Steigende Mieten und ein angespannten Wohnungsmarkt sind die treibenden Kräfte hinter dieser Entwicklung. Um Fachkräfte zu gewinnen, übernehmen Unternehmen zunehmend Verantwortung für die Unterbringung ihrer Mitarbeiter. Wer heutzutage eine neue Stelle antritt, sieht sich oft gleich mit der Frage konfrontiert: Wo werde ich wohnen? Firmen wie die Plansee Holding AG in Tirol haben das bereits seit 75 Jahren im Blick und bieten Mitarbeiterwohnungen an, die auf verschiedenste Lebenssituationen zugeschnitten sind. Die Qualität dieser Wohnungen hat sich ebenfalls verbessert. Flexible Grundrisse, möblierte Einheiten und zusätzliche Services sind mittlerweile Standard.
Wohnen als Teil des Arbeitens
Ein spannendes Projekt kommt von den ÖBB, die bis 2028 in Wien 121 neue Mitarbeiterwohnungen bauen möchten. Das ist der erste Neubau dieser Art seit fast 50 Jahren! Ein Teil der Wohnungen ist gezielt für Schichtarbeiter konzipiert – hier wird auf erhöhten Schallschutz und spezielle Lichtkonzeptionen geachtet. Das zeigt, wie sehr Unternehmen die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter berücksichtigen.
Doch nicht nur große Firmen in Österreich sind aktiv. Auch in Deutschland sieht es ähnlich aus. In Ballungsgebieten wie München oder Berlin ist bezahlbarer Wohnraum rar. Die Mietpreise erreichen dort schnell astronomische Höhen – in München bis zu 24 Euro pro Quadratmeter. Viele Fachkräfte können sich einen berufsbedingten Umzug schlichtweg nicht leisten. Eine aktuelle Studie belegt, dass 9% der Unternehmen in Deutschland Wohnraum bereitstellen und 21% Unterstützung bei der Wohnungssuche anbieten. Das gibt’s auch hierzulande immer häufiger, und es macht einen echten Unterschied.
Neue Wohnprojekte in Planung
Ein Beispiel aus der Praxis ist das Bauvorhaben im Landeskrankenhaus Feldkirch, wo bis Ende 2026 insgesamt 70 neue Dienstwohnungen für Mitarbeitende entstehen. Dieses Projekt wird verschiedene Wohnungstypen, Dienstleistungsflächen und eine Tiefgarage umfassen. Es ist klar: Die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern und neue Fachkräfte zu gewinnen, steht hier im Vordergrund. Die neuen Wohnungen sollen nicht nur ein Dach über dem Kopf bieten, sondern auch den Alltag der Mitarbeiter erleichtern.
Die Volkswagen Immobilien in Wolfsburg realisieren eines der größten privaten Neubauprojekte Norddeutschlands mit 1.800 neuen Wohneinheiten, die vor allem der eigenen Belegschaft zugutekommen. Historisch gesehen haben Unternehmen wie VW, Siemens oder BASF sogar schon im 19. und 20. Jahrhundert Werkswohnungen für ihre Beschäftigten errichtet. Es ist also eine alte Tradition, die jetzt ein Revival erlebt – und das nicht ohne Grund.
Herausforderungen und Perspektiven
Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Zwei Drittel der Unternehmen sehen ungünstige Rahmenbedingungen als das größte Hindernis für die Anmietung von Wohnraum. Auch rechtliche Unsicherheiten und hoher administrativer Aufwand stehen dem Ganzen im Weg. Doch die positive Entwicklung ist nicht zu leugnen: Mehr als 50% der Unternehmen berichten von Vorteilen bei der Rekrutierung und der langfristigen Bindung von Fachkräften durch Wohnraummaßnahmen. Und das ist mal eine Ansage!
Die DIHK plant sogar eine Broschüre, die Unternehmen Informationen zum Thema Beschäftigtenwohnen an die Hand geben soll. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich dieser Trend in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird. Eines ist sicher: Wohnen wird für die Arbeitgeber immer mehr zur strategischen Herausforderung – und das wirkt sich direkt auf die Lebensqualität der Mitarbeiter aus.
