Chrysanthius und Daria: Märtyrerlegende zwischen Löwe, Feuer und Via Salaria
In Wien richtet sich der Blick am heutigen 25. Oktober 2026 auf eine ungewöhnlich große Schar von Heiligen, Märtyrern und Glaubenszeugen. Der Gedenktag bringt Geschichten zusammen, die zwischen Legende, lokaler Verehrung und historischer Überlieferung liegen. Manche davon sind drastisch – Gefängnisse, Feuer, Löwen, Sand und Steine –, andere erzählen von Klostergründungen, Schuhen für Arme oder einem Bischof, der angeblich gleichzeitig an zwei Orten war.
Im Mittelpunkt stehen Chrysanthius und Daria, frühchristliche Märtyrer und Heilige der römisch-katholischen und orthodoxen Kirchen. Ihr Tod wird traditionell auf 283/284 unter den Kaisern Carinus und Numerian datiert; andere Überlieferungen nennen Narbonne um 285 oder Rom um 304. Chrysanthius soll aus Alexandria in Ägypten stammen und als Sohn des Polemius nach Rom gekommen sein. Nach seiner Taufe widersetzte er sich dem Druck seines Vaters und wurde mit fünf Jungfrauen eingesperrt, die ihn verführen sollten. Die Frauen verfielen dem Bericht zufolge in tiefen Schlaf. Schließlich sollte Daria, eine der Göttin Vesta geweihte Jungfrau und Vestalin, den jungen Christen umstimmen.
Chrysanthius und Daria zwischen Legende und Verehrung
Aus dem Streitgespräch wurde eine Bekehrung. Daria nahm den christlichen Glauben an, beide heirateten zum Schein beziehungsweise dem Vater zuliebe und gelobten Keuschheit. Gemeinsam predigten sie und bekehrten Menschen – bis sie mit einem christenverfolgenden Fürsten in Konflikt gerieten. Nach einer anderen Überlieferung ließ der Stadtpräfekt das Paar wegen seines Glaubens festnehmen; sogar der Haftrichter, dessen Familie und weitere Personen sollen sich durch Chrysanthius und Daria bekehrt haben.
Chrysanthius wurde in ein stinkendes Gefängnis geworfen, das sich angeblich mit Wohlgeruch erfüllte, und gefoltert. Daria brachte man in ein Bordell. Dort soll sie ein ausgebrochener Löwe beschützt haben; mehrere Angreifer wurden verschont und bekehrten sich. Der Fürst ließ beide schließlich zusammen mit dem Tier verbrennen. Daria schickte den Löwen fort, das Feuer konnte dem Paar nichts anhaben. Danach wurden Chrysanthius und Daria in eine Grube geworfen und mit Sand und Steinen zugeschüttet – einer römischen Überlieferung zufolge lebendig, an der Via Salaria.
Neuere Forschung hält die Bordell-Episode für unwahrscheinlich, weil die Erniedrigung einer ehemaligen Vestalin einen großen Skandal ausgelöst hätte. Stattdessen wird vermutet, Daria sei zum Tod durch Einmauern verurteilt worden. Ihr gemeinsames Grab soll in der Nekropole des Thrason an der Via Salaria Nuova gelegen haben. Papst Damasus I. ließ es zwischen 366 und 384 mit einer Inschrift versehen; einer anderen Angabe zufolge versah er das Grab mit einer Inschrift. Im 7. Jahrhundert bestand in Rom bereits eine Kirche, die den beiden geweiht war. Die älteste bekannte Darstellung findet sich auf den um 560 entstandenen Mosaiken der Märtyrerprozession in Sant’Apollinare Nuovo in Ravenna.
844 ließ Markward von Prüm, der dritte Abt von Prüm, die Reliquien nach Prüm überführen. Sie waren Papst Sergius II. auf einer Romreise übergeben worden. 848 gelangten sie in das Prümer Tochterkloster im heutigen Bad Münstereifel; dort wurde die Stiftskirche St. Chrysanthus und Daria um 1100 errichtet. Weitere Reliquien werden in Wien, Salzburg, Neapel, Reggio Emilia und Oria verehrt, außerdem in St. Chrysanthus und Daria in Haan sowie eine Chrysanthus-Reliquie in Mönchengladbach.
In den orthodoxen Kirchen fällt der Gedenktag auf den 19. März, traditionell wird das Paar aber auch am 25. Oktober gefeiert. Chrysanthus erscheint meist als junger Märtyrer oder Ritter. Beide werden mit den Attributen ihres Martyriums dargestellt: Palmzweig, Löwe, Fackeln und Axt. Im ländlichen Raum wird Chrysanthus besonders zum Schutz vor Viehkrankheiten angerufen, Chrysanthus und Daria gelten zudem als Schutzpatrone der Richter. Pedro Calderón de la Barca verfasste im frühen 17. Jahrhundert das geistliche Theaterstück „Los dos amantes del cielo“ („Die zwei Liebenden des Himmels“) über das Märtyrerpaar. Zur Überlieferung und Forschung werden unter anderem Werke von Bruno W. Häuptli, Johann Peter Kirsch und Michael Lapidge genannt.
Schuhmacher, Bischöfe und ein Löwe von Florenz
Auch Crispinus und Crispinianus werden heute genannt. Die Brüder stammten laut Legende aus einer vornehmen römischen Familie und kamen mit dem Sohn eines Senators als Glaubensboten nach Soissons. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie als Schuhmacher. Armen fertigten sie kostenlos Schuhe und gewannen dadurch viele Menschen für den christlichen Glauben – ein Handwerk, das hier nicht nur nach Leder und Leim roch, sondern offenbar auch nach Mission.
Während der Verfolgungen unter Kaiser Maximian nahm sie der Präfekt Rictiovarus fest und ließ sie foltern. Die Überlieferung berichtet von Pfriemen unter den Fingernägeln, flüssigem Blei sowie Würfen ins Feuer und in eiskaltes Wasser. Danach wurden beide enthauptet; andere Quellen erzählen, ihnen sei bei lebendigem Leib die Haut abgezogen worden. Am Ort ihres Martyriums stand bereits im 6. Jahrhundert eine Basilika, heute die Basilika SS. Giovanni e Paolo.
König Sigibert I. brachte 570 Reliquien von Soissons in sein Jagdgebiet beim heutigen Lisdorf bei Saarlouis. Bischof Petrus von Metz ließ sie am 25. Oktober 570 bei der Weihe einer Kirche in deren Altar einmauern. Weitere Reliquien kamen im 9. Jahrhundert nach Osnabrück. Und sogar Richard Wagners Meistersinger von Nürnberg erinnern an Crispin: Im dritten Aufzug wird er im Lied der Schusterzunft erwähnt.
Gaudentius war auf dem Weg ins Heilige Land, als Bischof Pilastrius von Brescia starb. Das Volk wählte ihn zum Nachfolger. Erst auf Bitten seines Freundes Ambrosius nahm er die Wahl an. Im Jahr 404 setzte er sich in Konstantinopel beim Kaiser erfolglos für Johannes Chrysostomus ein. Gaudentius starb im 5. Jahrhundert.
Ludwig III. von Arnstein wurde 1109 in Arnstein an der Lahn geboren. Sein Stammschloss Arnstein wandelte er in ein Prämonstratenserkloster um und trat 1139 als Laienbruder in den Orden ein. Seine Frau Guda wurde Reklusin des Klosters. Ludwig gründete außerdem Prämonstratenserklöster für Frauen in Marienthal bei Rockenhausen, Gommersheim, Enkenbach und Beselich bei Hadamar. Er starb am 25. Oktober 1185 in Gommersheim; mit seinem Tod erlosch die Linie der Grafen von Arnstein.
Fronto lebte zu unbekannter Zeit und gilt als erster Bischof von Périgueux. Eine Legende erzählt, er habe die Statue des römischen Gottes Mars zerstört, als die Senatoren der Stadt diese anbeten wollten. Die älteste Lebensbeschreibung aus dem 8. Jahrhundert stellt ihn als Schüler des Petrus dar und überträgt weitgehend die Legende des Fronto von Nitria. Im 11. Jahrhundert kamen Elemente aus den Legenden des Martialis von Limoges und der heiligen Martha hinzu.
Fronto soll gemeinsam mit Georg von Petrus nach Gallien gesandt und zum Bischof von Périgueux geweiht worden sein. Auf dem Weg nach Frankreich starb Georg. Fronto kehrte nach Rom zurück, Petrus gab ihm einen Stab, und mit diesem erweckte Fronto Georg wieder zum Leben. Gemeinsam bekehrten sie anschließend die Bürger von Périgueux.
Eine weitere Erzählung führt Fronto im Schlaf nach Tarascon: Christus soll ihn dorthin gebracht haben, damit er für die verstorbene Martha das Totenamt halte und sie ins Grab lege. Ring und Handschuhe, die Fronto am Grab zurückgelassen hatte, sollten danach seine gleichzeitige Anwesenheit in Tarascon und Périgueux bezeugen. Bruchstücke seines Grabes sind im Périgord-Museum in Périgueux ausgestellt. Das Grab soll ein pyramidenförmiges Dach und zahlreiche antike Figuren besessen haben.
Eine erste Erwähnung seiner Verehrung steht in der zeitgenössischen Vita des Gaugerich von Cambrai. Reliquien wurden 1261 und 1463 beglaubigt, 1575 jedoch von Protestanten größtenteils zerstört.
Minias gilt der Überlieferung nach als verarmter Prinz, Soldat und Christ. Während der Christenverfolgungen unter Kaiser Decius wurde er um 250 in Florenz gefoltert und enthauptet. Danach, so erzählt es die Legende, nahm er seinen Kopf und schwamm mit ihm durch den Arno ans gegenüberliegende Ufer. Im 4. Jahrhundert entstand dort eine Kapelle, aus der die heutige Basilika San Miniato hervorging. Reliquien werden auch in Metz verehrt.
Die 40 Märtyrer von England
Am 25. Oktober wird außerdem der 40 katholischen Märtyrer Englands gedacht. Jeder von ihnen besitzt zusätzlich einen eigenen Gedenktag. Sie widersetzten sich dem Suprematsakt Heinrichs VIII., mit dem dieser sich zum Oberhaupt der anglikanischen Kirche erklärte. Wegen ihres katholischen Glaubens wurden sie gefoltert, erhängt, gevierteilt oder verbrannt.
- Alban Bartholomäus Roe, Benediktiner und Priester, † 1642 in Tyburn.
- Alexander Bryant, Priester, † 1851 in Tyburn.
- Ambrosius Barlow, Benediktiner und Priester, † 1641 in Lancaster.
- Anne Higham.
- Line Augustinus Webster, Kartäuser und Priester, † 1535 in Tyburn.
- Cuthbert Mayne, Priester, † 1577 in Launceston.
- David Lewis, Jesuit und Priester, † 1679 in Usk.
- Edmund Arrowsmith, Jesuit, † 1628 in Lancaster.
- Edmund Campion, Jesuit und Priester, † 1581 in Tyburn.
- Edmund Jennings, Priester, † 1591 in Tyburn.
- Eustachius White, Priester, † 1591 in Tyburn.
- Henry Morse, Jesuit und Priester, † 1645 in Tyburn.
- Henry Walpole, Jesuit, † 1595 in York.
- John Almond, Priester, † 1612 in Tyburn.
- John Boste, Priester, † 1594 bei Durham.
- John Houghton, Kartäuser und Priester, † 1535 in Tyburn.
- John Jones, Novize, † 1598 in Southwark.
- John Kemble, Priester, † 1679 in Hereford.
- John Lloyd, Priester, † 1679 in Cardiff.
- John Paine, Priester, † 1582 in Chelmsford.
- John Plessington, Priester, † 1679 bei Chester.
- John Rigby, Familienverwalter, † 1601 in Southwark.
- John Roberts, Benediktiner und Priester, † 1610 in Tyburn.
- John Southworth, Priester, † 1654 in Tyburn.
- John Stone, Augustiner, † etwa 1539 in Canterbury.
- John Wall, Franziskaner und Priester, † 1679 in Worcester.
- Luke Kirby, Priester, † 1582 in Tyburn.
- Margaret Clitherow, Mutter und Lehrerin, † 1586 in York.
- Margaret Ward, die einem Priester zur Flucht aus dem Gefängnis verhalf, † 1588 in Tyburn.
- Nicholas Owen, Jesuiten-Laienbruder, † 1606 im Tower of London.
- Philip Evans, Jesuit und Priester, † 1679 in Cardiff.
- Philip Howard, Graf von Arundel und Surrey, † 1595 im Tower of London.
- Polydor Plasden, Priester, † 1591 in Tyburn.
- Ralph Sherwin, Priester, † 1581 in Tyburn.
- Richard Gwyn, Dichter und Lehrer sowie erster Märtyrer von Wales, † 1584 in Wrexham.
- Richard Reynolds, Brigittenmönch und Priester, † 1535 in Tyburn.
- Robert Lawrence, Kartäuser und Priester, † 1535 in Tyburn.
- Robert Southwell, Jesuit und Priester, † 1595 in Tyburn.
- Swithun Wells, Lehrer, † 1591 in London; seine zum Tod verurteilte Frau wurde begnadigt und starb 1600 im Gefängnis.
- Thomas Garnet, Jesuit und Priester, † 1608 in Tyburn.
Der lange Schatten der Christenverfolgungen
Viele dieser Überlieferungen stehen im Schatten der römischen Christenverfolgungen. Während der Pax Romana – von Augustus’ Regierungsbeginn 27 v. Chr. bis zur Reichskrise ab 235 – wuchs die Bevölkerung des Imperiums wegen stabilen Wohlstands auf schätzungsweise 70 Millionen. Danach wurde das Reich von Bürgerkriegen, Kaisern und Gegenkaisern erschüttert. Zwischen 260 und Diokletians Usurpation 284 gab es 24 Gegenkaiser; nach Gallienus’ Tod 268 folgten neun weitere Kaiser bis Diokletian.
Unter Decius wurden reichsweite Loyalitätsopfer für die römischen Götter und den Kaiser verlangt. Wer als Christ das Opfer verweigerte, galt als schuldig des Religionsfrevels und des Majestätsverbrechens. Die decische Verfolgung war die erste systematisch im gesamten Reich durchgeführte Christenverfolgung. Manche opferten nur zum Schein, besorgten sich Opferbescheinigungen oder flohen in benachbarte Gebiete. Decius und sein Sohn Herennius fielen 251 in der Schlacht von Abrittus gegen die Goten unter König Kniva. Nach Decius’ Tod endeten die Verfolgungen zunächst, und die christlichen Gemeinden erhielten großen Zulauf.
Valerian nahm die Verfolgung ab 257 wieder auf. Er verbot christliche Versammlungen, ließ 258 Bischöfe verhaften und ohne Prozess hinrichten und machte Christen für die Störung des Friedens mit den römischen Göttern verantwortlich. Viele gaben ihren Glauben auf oder flohen in das Sassanidenreich, nach Armenien, Iberien, in das Bosporanische Reich sowie zu Alemannen und Goten. 260 geriet Valerian in persische Gefangenschaft; sein Sohn Gallienus hob die Verfolgungsdekrete auf.
In dieser Herrschaftskrise verlor Rom Gebiete an die Perser und an das Sonderreich von Palmyra. Im Westen entstand das Gallische Sonderreich, das anfangs auch Britannien und Spanien umfasste. Östlich des Rheins wurde das Gebiet dauerhaft geräumt, der Obergermanisch-Raetische Limes aufgegeben. Mission und die Hoffnung auf Erlösung und ewiges Leben fanden in dieser Krisenzeit Resonanz, die christlichen Gemeinden wuchsen erneut.
Diokletian wurde am 20. November 284 zum Kaiser ausgerufen. Im November war Numerian, der Herrscher der östlichen Reichshälfte, erkrankt; sein Berater und Schwiegervater Aper ermordete ihn. Die Armee rief Diokletian in Nikomedia zum Kaiser aus, anschließend erschlug Diokletian Aper eigenhändig. Im Juli 285 kämpfte er bei der Schlacht am Margus gegen Carinus, den legitimen Kaiser des Westens. Carinus wurde danach von eigenen Soldaten ermordet.
285 ernannte Diokletian Maximian zum Caesar, am 1. März 286 zum Augustus und Mitkaiser des Westens. 293 setzte er zwei Caesares ein: Constantius Chlorus für den Westen und Galerius für den Osten. Constantius war seit 289 mit einer Tochter Maximians verheiratet, Galerius heiratete 293 Diokletians Tochter Valeria. Die Tetrarchie bestand damit aus zwei Augusti und zwei Caesares. Jeder Herrscher regierte einen eigenen Reichsteil, um militärisch schneller reagieren und Usurpationen erschweren zu können. Diokletian nahm zur sakralen Legitimation den Beinamen „Iovius“ an, Maximian „Herculius“. Die Provinzen teilte Diokletian in kleinere Verwaltungseinheiten, die Diözesen, auf.
Nach der tetrarchischen Staatsauffassung waren Staat und Religion untrennbar. 296 erließ Diokletian ein strenges Edikt gegen die Manichäer; die manichäische Religion wurde im Römischen Reich nahezu vernichtet. Gegen die Christen gab es zunächst keine vergleichbaren Maßnahmen. Als aktive Christinnen werden Diokletians Frau Alexandra, seine Tochter Galeria Valeria und Helena, die Frau des Constantius Chlorus, genannt.
Galerius drängte schließlich auf eine umfassende Christenverfolgung. Ziel war die Stärkung der römischen Staatsreligion und die Ausschaltung jener, die das Tempelopfer verweigerten. Am 23. Februar 303 verabschiedeten die vier Kaiser in Nikomedia ein reichsweites Edikt gegen die Christen. Sie verloren ihre Bürgerrechte; Gemeindevorsteher, Bischöfe und Presbyter sollten inhaftiert, zum Glaubenswiderruf verhört und gefoltert werden. Wer das Kaiseropfer weiterhin verweigerte, sollte hingerichtet werden. Kirchen sollten zerstört und heilige Bücher verbrannt werden.
Diese Maßnahmen wurden als „Diokletianische Christenverfolgungen“ im engeren Sinne bekannt. Eine vollständige Vernichtung des Christentums gelang nicht. Diokletian und Maximian dankten nach 20-jähriger Herrschaft am 1. Mai 305 gemeinsam ab, die folgenden Tetrarchen setzten die Verfolgungen fort. Sie dauerten bis zur Mailänder Vereinbarung von 313 an und betrafen besonders den Osten des Reiches.
Die koptische Kirche verstand sich danach als „Kirche der Märtyrer“ und führte die Diokletianische Zeitrechnung ein: Anno Diocletianii (AD) beziehungsweise Anno Martyrum (A.M.), die „Ära der Märtyrer“. Im 5. Jahrhundert wurde ihr Beginn auf das Jahr 284, den Regierungsantritt Diokletians, festgelegt. Als letztes Opfer und „Siegel der Märtyrer“ gilt der alexandrinische Patriarch Petros I., der im November 311 starb. Aus diesem koptischen Selbstverständnis entwickelte sich 451 die Trennung von der Orthodoxie auf dem Konzil von Chalkedon.
In den Listen der mit dieser Zeit verbundenen Märtyrer erscheinen unter anderem Aaron von Caerleon, Alban von England und Julius von Caerleon, Acacius von Byzanz und die ihm zugeschriebenen „Zehntausend Märtyrer“, Afra von Augsburg, Agape, Chione und Irene von Aquileia, Anthimos von Nikomedia und zahlreiche Gefährten, Anastasia, Barbara, Katharina von Alexandria und Marina/Margareta von Antiochia, Chrysanthus und Daria, Cosmas und Damian, Cyriacus von Rom, Demetrios, Georg, Sebastian, Vitus und Vinzenz, Januarius von Benevent und seine sieben Gefährten, Mauritius und die Thebäische Legion, Quirinus von Siscia, Regula, Felix und Victor von Solothurn, Theodotus, Thekusa und deren Gefährtinnen sowie Ursus von Solothurn und Viktor von Xanten.
Mehrere Überlieferungen verbinden Märtyrer mit der Thebäischen Legion, darunter Mauritius, Candidus, Exuperius, Innocentius, Victor, Ursus und Viktor von Xanten. Bei verschiedenen Heiligen werden Verhaftung, Folter, Enthauptung, Verbrennung, Ertränkung oder die Hinrichtung durch wilde Tiere erzählt. Für zahlreiche Personen nennen die Traditionen eigene Gedenktage sowie Orte ihres Martyriums oder ihrer Bestattung. Und bei manchen – auch bei Chrysanthius und Daria – liegen Lebensdaten und Zuordnungen ausdrücklich in unterschiedlichen oder legendären Fassungen vor.
