In den letzten Wochen haben sich viele Leserinnen und Leser über die zu kleinen Essensportionen in Wiener Pflegeheimen und Spitälern beschwert. Ein leidenschaftliches Thema, das nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Angehörigen bewegt. Besonders die Klinik Landstraße und der Wiener Gesundheitsverbund haben sich nun zu Wort gemeldet und verteidigen ihren Speiseplan. Die tägliche Zubereitung von rund 2200 Portionen für Patienten, Mitarbeiter und den Betriebskindergarten ist eine logistische Herausforderung, die nicht zu unterschätzen ist. Dabei wird ein bemerkenswerter jährlicher Verbrauch von 51 Tonnen Gemüse (21 Tonnen davon allein Kartoffeln!) und 38 Tonnen Obst verzeichnet.

Die Diätologin Eva Russold erläutert, dass die Speisepläne speziell auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt werden. Nach Operationen oder bei Krankheiten wie Schlaganfall oder Krebs ist eine angepasste Ernährung unerlässlich. Das klingt doch alles nach einem durchdachten Konzept, oder? Dennoch bleibt der Eindruck vieler, dass die Portionen nicht ausreichen. Der Bio-Anteil der Speisen beträgt immerhin 46 Prozent, und es werden zunehmend pflanzenbasierte Gerichte angeboten. Ein Schritt in die richtige Richtung, aber sind das genug? Das ist die große Frage, die im Raum steht.

Qualitätsstandards in der Klinikverpflegung

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kliniken, der 2023 veröffentlicht wurde. Die Broschüre dient als Hilfestellung für Verantwortliche in Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken, um ein gesundheitsförderndes und nachhaltigeres Verpflegungskonzept zu etablieren. Die Anforderungen an eine ausgewogene Lebensmittelauswahl und die Speiseplanung sind hier klar definiert. Auch rechtliche Bestimmungen zu Hygiene und Kennzeichnung dürfen nicht vergessen werden.

Ein gezielter Fokus liegt auf der ovo-lacto-vegetarischen Menülinie und den damit verbundenen Kriterien. All das wird unterstützt durch das Projekt „Station Ernährung“, das Kliniken bei der Umsetzung dieser Standards hilft. Träger ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V., und das Ganze ist Teil des Nationalen Aktionsplans „IN FORM“. Das klingt alles sehr vielversprechend, aber wie sieht die Umsetzung in der Praxis aus? Ein Best-Practice-Beispiel aus dem Münsterland zeigt sowohl Herausforderungen als auch Lösungen auf.

Gesundheitsfördernde Ernährung als Priorität

Medizinerinnen fordern die Umsetzung des DGE-Qualitätsstandards in der Klinikverpflegung. Das Ziel? Eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Ernährung für Patientinnen und das Klinikteam. Dr. Eva-Maria Maintz von der Universitätsklinik Freiburg und Dr. Peter von Philipsborn von der Ludwig-Maximilians-Universität München haben in einem Beitrag im Deutschen Ärzteblatt betont, dass Kliniken eine Vorreiterrolle in der gesunden Verpflegung übernehmen sollten. Dabei geht es nicht nur um das Wohlbefinden der Patienten; auch die Motivation des Teams spielt eine entscheidende Rolle.

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Die Verpflegung kann dabei zur Krankheitsprävention beitragen. Ein gesunder Ernährungsstil ist schließlich nicht nur bei Patienten von Bedeutung, sondern auch für die Angestellten. Kliniken könnten sich also für eine Ernährungswende stark machen. Die DGE-Qualitätsstandards legen zudem verstärkt Wert auf Nachhaltigkeit. Immer mehr Menschen achten auf ihre Ernährung und treffen bewusste Entscheidungen – auch bei der Klinikwahl. Für viele ist eine ausgewogene Verpflegung inzwischen ein entscheidendes Kriterium.

Wer mehr über die DGE-Standards und deren Umsetzung erfahren möchte, findet weitere Informationen unter www.station-ernaehrung.de.