Am Rotundenplatz, mitten im Prater, gibt es ein faszinierendes Stück Geschichte, das viel zu oft übersehen wird. Die Rotunde selbst, ein stolzes Bauwerk, wurde 1873 zur Weltausstellung errichtet und war damals der größte Kuppelbau der Welt mit einem beeindruckenden Durchmesser von rund 108 Metern. Carl Freiherr von Hasenauer war der talentierte Architekt hinter diesem Meisterwerk. Doch heute, wo sich Besucher am Platz versammeln, gibt es nichts – wirklich nichts – das auf die beeindruckende Rotunde hinweist. Keine Hinweis- oder Informationstafel, die Passanten auf das historische Bauwerk aufmerksam macht. Ein Umstand, den Bezirksvorsteher Alexander Nikolai (SPÖ) offenbar nicht als Priorität sieht, denn eine Zusatztafel sei bislang nicht geplant oder beantragt worden.

Die neue Rotunde, das Projekt „Panorama Vienna“, soll noch in diesem Jahr seine Pforten öffnen – ganz im Sinne der ursprünglichen Planung. Allerdings gibt es da ein kleines Problem: Der Baustart für die Solarfassade steht noch aus, was zu Verzögerungen führt und damit auch die Eröffnung in Frage stellt. Diese Solarfassade, die mit rund 600.000 Euro vom Klima- und Energiefonds gefördert wird, wird eine Leistung von etwa 700 kWp haben und Strom an umliegende Unternehmen abgeben. Im Inneren der Rotunde laufen die Arbeiten hingegen schon auf Hochtouren, auch wenn der 15-Meter hohe Treppenturm und einige Malerarbeiten noch ausstehen. Der Ticketverkauf für Events soll beginnen, sobald die Arbeiten an der Solarfassade starten.

Ein Stück Wiener Geschichte

Die Rotunde war bis zu ihrem Brand im Jahr 1937 ein Vorzeigeprojekt Wiens. Über die Jahre diente sie verschiedenen Zwecken: von einem zentralen Treffpunkt während der Weltausstellung, wo 7,2 Millionen Besucher strömten, bis hin zu einer Lagerstätte und später zu einem Messezentrum. Der Brand am 17. September 1937, der um 12:36 Uhr gemeldet wurde, breitete sich rasch aus und führte zu schweren wirtschaftlichen Schäden sowie zum Verlust einer bedeutenden Kulturstätte. Die Feuerwehr musste ab 13:30 Uhr wegen Einsturzgefahr das Gebäude verlassen. Tragisch, dass ein solches Symbol der Wiener Kultur in Flammen aufging.

Selbst heute, viele Jahre nach dem Brand, bleibt die Erinnerung an die prächtige Rotunde lebendig. Artefakte aus dieser Zeit, wie der Franz-Joseph-Brunnen, können im Pratermuseum bewundert werden. Auch die Umgebung hat sich verändert: An der Stelle der Rotunde wurde das Hauptgebäude der Messe Wien errichtet, das 2001 abgerissen wurde. Heute finden sich dort ein Parkhaus und die Gebäude des 2013 neu errichteten Campus der Wirtschaftsuniversität Wien.

Ein Blick zurück auf die Weltausstellung

Die Weltausstellung 1873 war mehr als nur eine Ausstellung von Kunst und Technik – sie war ein Schaufenster für internationalen Austausch und Fortschritt. Kongresstourismus spielte eine bedeutende Rolle, unter anderem fanden medizinische und kunstwissenschaftliche Kongresse statt. Länder wie Japan traten mit einem beeindruckenden Aufgebot auf, um ihre Öffnung für den internationalen Handel zu zeigen. Man kann sich das Spektakel nur vorstellen: 80 Japaner begleiteten 6000 Objekte, die die Besucher in Staunen versetzten. Und trotzdem, trotz all der glanzvollen Präsentationen, verzeichnete die Ausstellung nur 7,2 Millionen Besucher statt der erwarteten 20 Millionen. Ein gewaltiges Defizit von etwa 15 Millionen Gulden war die Folge.

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So bleibt die Rotunde, auch wenn sie physisch nicht mehr existiert, ein bleibendes Symbol für eine Zeit, in der Wien der Nabel der Welt war. Die Erinnerungen an diese große Ära sind heute wichtiger denn je. Schließlich, ohne die Erinnerungen an unsere Geschichte, könnte die Rotunde – und was sie repräsentiert – in Vergessenheit geraten. Ein Gedanke, der nicht nur Anrainer beschäftigt, sondern uns alle betreffen sollte.