In Wien-Wieden gibt es ein ehrwürdiges Stück Geschichte, das gerade wieder in den Fokus rückt. Das unterirdische Jugendstil-Theater, das 1911 unter einem Wohnblock fertiggestellt wurde, wird zurzeit umgebaut. Die Baupolizei war vor Ort und hat neue Informationen zur Nutzung des Areals für etwa 600 Besucher bekannt gegeben. Unbemerkt von vielen steht dieses Theater, das auch als Kino, Außenstelle der Stadthalle, Bordell, Möbellager und sogar Sportstätte diente, seit 30 Jahren leer. Dabei hat es eine wechselvolle Geschichte hinter sich, die für sich genommen schon eine eigene Geschichte wert wäre. Der Saal selbst ist denkmalgeschützt, und die Unterschutzstellung umfasst den Saal sowie die Erschließung von Straße, Parterre und Untergeschoss seit 2012.

Die ZKS RABELLI GmbH, die das ehemalige Kino 2025 von der BUWOG erwarb, verfolgt mit dem Areal den offiziellen Zweck der Immobilienentwicklung und Veranstaltungsorganisation im Bereich Kunst und Kultur. Hinter der GmbH steht Mohammed Reza Akhavan Aghdam, ein Multimillionär mit iranischen Wurzeln. Auch wenn die Bauarbeiten voranschreiten, wurden bisher keine Pläne für den Umbau des Theaters eingereicht. Lediglich eine Bauanzeige für Änderungen im Empfangsbereich und Nebenräumen wurde 2025 eingereicht. Diese Änderungen betreffen ausschließlich das Erdgeschoss – Kassenbereiche, Garderoben, Sauna sowie das Versetzen von Zwischenwänden und das Abbrechen einer Zwischendecke. Der denkmalgeschützte Saal im Kellergeschoss bleibt unverändert, was viele Liebhaber des Theaters sicherlich erfreuen wird.

Bauarbeiten und Denkmalschutz

Die Bauinspektion hat die Baustelle bereits kontrolliert und festgestellt, dass die Bauarbeiten der eingereichten Bauanzeige entsprechen. Interessanterweise wurde eine weitere Bauanzeige für den Tausch der Fenster Anfang Mai eingereicht. Diese sollen analog zur ursprünglichen Fassade von 1911 ausgeführt werden, in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt. Das bringt uns zu einem wichtigen Punkt: Die aktuellen Arbeiten am Mittersteig 15, wo sich der Ferdinandsaal befindet, betreffen nur die „erlaubten“ Bereiche, die keiner speziellen Genehmigung bedürfen. Seit etwa 20 Jahren steht der Saal leer und hat eine lange Geschichte als Theater, Kino und Lagerhalle, möglicherweise auch als Bordell. Die ZKS RABELLI GmbH, die die Räumlichkeiten vor zwei Jahren gekauft hat, hat sich jedoch noch nicht offiziell zu den Plänen geäußert.

Das Bundesdenkmalamt hat auch informiert, dass keine Genehmigung für die denkmalgeschützten Bereiche eingereicht wurde. In diesem Zusammenhang ist es spannend zu erwähnen, dass die erste allgemeine Denkmalschutzbehörde in Österreich bereits 1850 gegründet wurde. Damals war die Bezeichnung noch etwas länger – K.k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale. Heute hat sich das Bundesdenkmalamt zur Aufgabe gemacht, die Baudenkmalpflege in Österreich zu gewährleisten und dabei auch weniger spektakuläre architektonische Zeugen der Sozial- oder Technikgeschichte zu berücksichtigen.

Die Entwicklungen rund um das Theater und den Ferdinandsaal sind nicht nur für die Nachbarschaft von Bedeutung, sondern werfen auch Fragen auf, wie mit historischen Gebäuden in einer sich schnell verändernden Stadt umgegangen wird. Ob die Gerüchte über eine mögliche Umwandlung in eine Galerie Realität werden, bleibt abzuwarten. Bislang wird der Ferdinandsaal jedoch als „Caféhauslokal“ und „Gasthauslokal“ geführt, was ihn in seiner ursprünglichen Widmung belässt. In einer Stadt wie Wien, die so reich an Geschichte ist, bleibt es spannend, wie altehrwürdige Orte immer wieder neu interpretiert werden können. Die Zeit wird zeigen, was aus diesem besonderen Ort wird.

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