Österreich und Argentinien – zwei Länder, die auf den ersten Blick vielleicht nicht viel gemeinsam haben. Doch die Geschichte dieser beiden Nationen ist eng miteinander verwoben, besonders wenn wir an die Fußball-Weltmeisterschaft denken. Am Montag um 19 Uhr MESZ (über Servus TV) treffen die beiden Teams in Dallas aufeinander. Ein spannendes Duell, das Erinnerungen an die historischen Verbindungen zwischen den beiden Ländern weckt.

Die Beziehung zwischen Österreich und Argentinien ist schon lange von Migration und Emigration geprägt. Im Jahr 1872 wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen Argentinien und der Österreichisch-Ungarischen Monarchie offiziell aufgenommen. Doch die ersten Kontakte datieren bereits auf 1864 zurück, als der Erzherzog Maximilian von Habsburg nach Mexiko aufbrach. Seitdem hat sich die Verbindung immer weiter vertieft.

Migration und Flucht

Im späten 19. Jahrhundert wanderten Tausende von Menschen aus Österreich-Ungarn nach Argentinien aus, vor allem in die pulsierende Hauptstadt Buenos Aires. Argentinien war auf der Suche nach Arbeitskräften, um seine Landwirtschaft auszubauen. Auch wenn die Zahl der Auswanderer aus Österreich-Ungarn anfangs geringer war als die aus Italien oder Spanien, so gab es dennoch einen signifikanten Zustrom. Nach dem Ersten Weltkrieg stiegen die Auswanderungszahlen durch Inflation und Arbeitslosigkeit, was viele Österreicher dazu veranlasste, ihr Glück in Argentinien zu suchen. Es ist beeindruckend zu wissen, dass Argentinien 1921 sogar fünf Millionen Pesos an Österreich spendete – heute wären das inflationsbereinigt etwa 25 Millionen Euro! Als Dank wurde die Alleegasse in Wien in Argentinierstraße umbenannt.

Doch die Geschichte wird düsterer in der Zeit zwischen 1938 und 1945, als Argentinien ein wichtiger Zufluchtsort für österreichische Flüchtlinge wurde. Trotz restriktiver Einwanderungsgesetze konnten etwa 2200 Österreicher nach Argentinien fliehen. Marie Langer, eine bedeutende Psychoanalytikerin, war eine der Emigrantinnen, die den Weg dorthin fanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden auch viele prominente Nationalsozialisten, darunter Adolf Eichmann, in Argentinien ein neues Zuhause.

Ein dunkles Kapitel

Die Flucht von NS-Verbrechern nach Argentinien war ein komplexes und oft mysteriöses Thema. Nach dem Ende des „Dritten Reiches“ wurden zahlreiche führende Nationalsozialisten in Nürnberg verurteilt, während viele andere, um der Strafverfolgung zu entgehen, nach Übersee flohen. Argentinien wurde zu einem der begehrtesten Fluchtziele für diese Verbrecher. Prominente Nazis wie Eichmann lebten unter falschen Namen und fanden Unterstützung durch ein Netzwerk, das unter anderem von der katholischen Kirche und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz unterstützt wurde.

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Der argentinische Staatschef Juan Domingo Perón förderte die Einwanderung von Deutschen, um das Land zu modernisieren. Schätzungen zufolge flüchteten zwischen 300 und 800 prominente Nazis nach 1946 nach Argentinien. Präsident Perón gewährte diesen Verbrechern Schutz und erließ sogar 1949 eine Generalamnestie für illegal Eingereiste. Es ist erschreckend zu sehen, wie die Integration dieser Neuankömmlinge durch wirtschaftliche Schwierigkeiten und kulturelle Barrieren erschwert wurde.

Die Aufarbeitung der Vergangenheit

In den letzten Jahren wurde ein neues Licht auf das Kapitel der NS-Flüchtlinge in Argentinien geworfen. Das argentinische Nationalarchiv hat digitale Dokumente veröffentlicht, die Informationen über die Ankunft und Aktivitäten hochrangiger Nazis in Argentinien nach dem Zweiten Weltkrieg enthalten. Diese Dokumente, die ursprünglich 1992 deklassifiziert wurden, sind nun erstmals öffentlich zugänglich. Unter den Namen, die in diesen Akten erscheinen, befinden sich auch diejenigen von Eichmann und Josef Mengele.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hat Zugang zu einer neuen, bislang unveröffentlichten Dokumentensammlung erhalten und untersucht die Rolle von Banken wie der Credit Suisse in der Finanzierung der sogenannten „Rattenlinie“, über die viele Kriegsverbrecher nach Südamerika geflüchtet sind. Es wird spannend sein zu sehen, welche neuen Erkenntnisse aus dieser Untersuchung hervorgehen werden.

Insgesamt zeigt sich, dass die Verbindung zwischen Österreich und Argentinien eine vielschichtige Geschichte hat, die durch Migration, Flucht und auch durch dunkle Kapitel der Vergangenheit geprägt ist. Bei dem kommenden Fußballspiel wird es spannend sein, nicht nur die sportlichen Leistungen zu beobachten, sondern auch die historischen Bande, die uns an diese beiden Nationen erinnern.

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