Wien hat einen jungen Handchirurgen auf eine ungewöhnliche Lernreise geschickt: Clemens Gstöttner von der Universitätsklinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie der MedUni Wien wurde für das International Traveling Fellowship Program (ITFP) der American Society for Surgery of the Hand (ASSH) ausgewählt. Das Programm wird jährlich an eine kleine Zahl junger Handchirurg:innen aus aller Welt vergeben.

Gstöttner arbeitet in der Forschungsgruppe von Oskar Aszmann an der Schnittstelle von rekonstruktiver Mikrochirurgie, peripherer Nervenchirurgie und Neuroprothetik. Nominiert wurde er von der Österreichischen Gesellschaft für Handchirurgie. Gemeinsam mit einem Kollegen aus Mexiko absolvierte er das Fellowship.

Vier Zentren in den USA

Im September und Oktober führte die Reise an vier US-amerikanische Zentren. Stationen waren das Hand and Upper Extremity Center of San Antonio bei David Green, die University of Pennsylvania bei Scott Levin, Shriners Children’s Philadelphia bei Dan Zlotolow und die Duke University bei Warren Hammert.

Höhepunkt war die Teilnahme am 81. Jahreskongress der ASSH in Boston. Auf dem Programm standen innovative Operationstechniken zur Behandlung angeborener Handfehlbildungen, neue Verfahren der Nervenrekonstruktion und die Chirurgie der spastischen Hand. Gstöttner erhielt außerdem Einblicke in unterschiedliche Versorgungsmodelle für periphere Nervenverletzungen und komplexe Rekonstruktionen der oberen Extremität.

Was er dabei gesehen und gelernt hat, soll in seine weitere klinische und wissenschaftliche Arbeit an der MedUni Wien einfließen. Gerade bei Nervenverletzungen und komplizierten Rekonstruktionen zählt oft jedes Detail – und manchmal auch der Blick darauf, wie ein anderes Zentrum dieselbe schwierige Frage angeht.

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Rekonstruktion und Erhalt von Extremitäten

Wie breit das Feld der rekonstruktiven Mikrochirurgie ist, zeigt etwa das Zentrum für Rekonstruktive Mikrochirurgie und Periphere Nervenchirurgie (ZEMPEN). Es wurde innerhalb der Klinik für Plastische und Ästhetische, Wiederherstellungs- und Handchirurgie gegründet und erweitert beziehungsweise vertieft das operative Spektrum am AGAPLESION MARKUS KRANKENHAUS.

Das Zentrum behandelt Patientinnen und Patienten aus der Region ebenso wie überregional. Im Mittelpunkt stehen die Wiederherstellung von Form und Funktion der Körperoberfläche sowie der Erhalt von Extremitäten. Notwendig werden solche Eingriffe unter anderem nach Tumoroperationen – etwa bei Brust-, Haut-, Gehirn- und Nerventumoren –, nach Unfalloperationen und anderen operativen Eingriffen sowie bei angeborenen Fehlbildungen.

Der demografische Wandel verschiebt dabei die Anforderungen: Der Anteil älterer Patientinnen und Patienten steigt. Deshalb liegt ein Schwerpunkt auf dem Extremitätenerhalt, insbesondere bei älteren Menschen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht den fachübergreifenden Austausch; Kooperationen mit regionalen und überregionalen Partnern sollen kurze Wege und medizinische Kompetenz sichern.

Auch Zweitmeinungsbefunde bietet das Zentrum an. Der Service steht innerhalb von 72 Stunden zur Verfügung – für ambulant oder stationär tätige Ärztinnen und Ärzte, für Patientinnen und Patienten sowie für Angehörige.