In Wien und im restlichen Österreich wird das Heizen wieder teurer. Der europäische Gaspreis erreichte Ende Oktober 100 Euro pro Megawattstunde – so viel wie seit 2022 nicht mehr. Als Auslöser für den jüngsten Anstieg gilt der anhaltende Iran-Konflikt. 2022 waren dagegen der russische Angriff auf die Ukraine und dessen politische Folgen ausschlaggebend.

Für Haushalte ohne Fixpreisvertrag kann das laut E-Control-Ökonom Johannes Mayer mit 300 bis 500 Euro Mehrkosten zu Buche schlagen. Wer einen Vertrag mit fixem Tarif hat, ist von der aktuellen Preissteigerung zunächst nicht betroffen. Eine Entspannung der Gaspreisentwicklung sei derzeit allerdings nicht absehbar, so die E-Control.

Viele Wohnungen hängen an der Gastherme

Gas gehört in Österreich neben Öl zu den teuersten Heizformen. Trotzdem war Gas 2024 noch die Primärenergie in jedem fünften Ein- bis Zweifamilienhaus und in jedem dritten Mehrfamilienhaus. Laut Energieministerium nutzen derzeit rund 840.000 österreichische Haushalte Gas. In Wien gab es 2024 noch 538.039 Gaszählpunkte.

Vor allem in städtischen Mehrparteienhäusern stehen Gasthermen. Der Umstieg ist dort kein simples „Therme raus, neues Gerät rein“: Etagenheizungen, hohe Investitionen und die notwendige Zustimmung vieler Eigentümer:innen machen die Sache zäh. Häufig geht es um vermietete Altbauwohnungen, in denen Mieter:innen nur begrenzten Handlungsspielraum haben. Österreichweit ist die Zahl der mit Gas beheizten Haushalte dennoch um 10,7 Prozent gesunken.

Im ersten Halbjahr 2026 wurden 15.614 Gasthermen verkauft – etwa gleich viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Verkauf alternativer Heizsysteme ging im selben Zeitraum laut einem Bericht des „Standard“ zweistellig zurück. Ein Grund für die weiterhin hohe Nachfrage nach Gasthermen ist unter anderem das Auslaufen der Förderung „Aktion Kesseltausch“.

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Förderung kommt zurück, Zweifel bleiben

Die Förderung kann vom 2. November bis zum Jahresende erneut beantragt werden. Sie gilt für Ein- bis Zweifamilienhäuser sowie Reihenhäuser. Wer auf Fernwärme umsteigt, kann bis zu 4.000 Euro erhalten, für eine Holzheizung gibt es bis zu 6.000 Euro. Die Stadt Wien übernimmt außerdem bis zu 35 Prozent der Kosten für neue Heizungen in Wohnungen und Häusern.

Ob das reicht, bezweifeln Expert:innen zunehmend – vor allem mit Blick auf das Ziel der Klimaneutralität bis 2040. Global 2000 kritisiert, dass ein Konzept für einen koordinierten Ausstieg aus fossilen Energieträgern fehlt. Bei gleichbleibendem Tempo würde der Austausch aller Gasheizungen bis 2065 dauern. Das ist deutlich später als 2040, und die Rechnung liegt offen auf dem Tisch.

Bestehende Gasthermen müssen nicht zwingend ersetzt werden. Sie könnten künftig auch mit sogenanntem grünem Gas betrieben werden. Der Haken: Grünes Gas machte 2025 laut der Servicestelle Erneuerbare Gase nur 0,17 Prozent des gesamten Gasverbrauchs aus.

Europas Energiemarkt bleibt empfindlich

Ein Bericht der EU-Energieagentur ACER analysiert die Entwicklungen auf den europäischen Energiemärkten bis Ende 2025. Jüngere geopolitische Auswirkungen sind darin nicht berücksichtigt. Untersucht werden Großhandels- und Endkundenmärkte ebenso wie das Zusammenspiel von Gas und Strom. Die Empfehlungen zielen auf eine stärkere Marktintegration – für Dekarbonisierung, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.

Die Großhandelspreise für Gas und Strom sanken weiter, nachdem sie bereits 2024 zurückgegangen waren. Für Haushalte sind Gas und Strom trotzdem weiterhin teuer. Strukturell liegen die Energiepreise in Europa über dem Niveau der USA, was die globale Wettbewerbsfähigkeit belastet.

Bei der Stromerzeugung kamen 50 Prozent aus erneuerbaren Energien. Vor allem Solarstrom trieb die Energiewende voran; die Investitionen in Solarstrom stiegen gegenüber 2024 um 41 TWh. Gleichzeitig war die tägliche Volatilität der Großhandelsstrompreise etwa fünfmal höher als 2020. Viel Sonne drückt die Preise tagsüber, verschärft aber die Unterschiede zwischen Spitzen- und Nebenzeiten. Wenn die Solarerzeugung am Abend zurückgeht, springen zunehmend Gaskraftwerke ein – und die Großhandelspreise steigen.

Stromsysteme mit einem höheren Anteil fossiler Energien wiesen sowohl höhere durchschnittliche Day-ahead-Preise als auch eine höhere CO₂-Intensität auf. Wie heikel das werden kann, zeigte eine Hitzewelle am 1. Juli 2025: Die Kühlleistung von Wärme- und Kernkraftwerken sank, während die Nachfrage stieg. In Polen kletterten die Strompreise dadurch auf etwa 470 Euro pro Megawattstunde.

Gas kommt jetzt aus anderen Richtungen

Unterschiede beim Erzeugungsmix und bei der Flexibilität zwischen den Ländern zeigen laut ACER den Nutzen grenzüberschreitender Stromverbindungen. Gut ausgebaute Leitungen können nationale Stromsysteme ausgleichen. Auf den Gasmärkten blieb die Lage stabil, die Spreads zwischen den Handelsplätzen lagen meist unter 2 Euro pro Megawattstunde.

Die EU verringerte ihre Abhängigkeit von russischem Gas. Russische Pipelineimporte sanken gegenüber 2024 um rund 162 TWh. Rekordhohe LNG-Lieferungen, besonders im zweiten Halbjahr, glichen den Rückgang vollständig aus und trugen zur Preisstabilisierung bei. Gleichzeitig verlagerte sich die Abhängigkeit: LNG ersetzte zwar russisches Pipelinegas, erhöhte aber jene von US-LNG.

Zum Ende des Winters 2025 waren die Gasspeicherstände niedrig. Hohe Winterentnahmen wurden nur teilweise durch zusätzliche Einspeicherungen im Sommer ausgeglichen; die Speicherstände lagen 10 Prozent unter dem Niveau von 2024. Für einen Markt, der auf Nachrichten und politische Spannungen ohnehin nervös reagiert, ist das keine ganz bequeme Ausgangslage.

ACER empfiehlt deshalb, alle Preisbestandteile – Energieversorgung, Netzentgelte und Steuern – effizienter und transparenter zu gestalten. Nachfrageflexibilität, Elektrofahrzeuge und Batteriespeicher sollen ausgebaut werden, damit Angebot und Nachfrage besser zusammenpassen, Preisschwankungen abnehmen und die Netze stabiler bleiben.

Auch die Stromverbindungen zwischen den Ländern sollen wachsen. So könnte erneuerbarer Strom grenzüberschreitend genutzt, der Einsatz fossiler Energien verringert und die Versorgungssicherheit verbessert werden. Bei Gas rät ACER zu einer stärkeren Diversifizierung: Neben weiteren LNG-Quellen sollen heimische dekarbonisierte Gase stärker einbezogen werden. Der Verbrauch konventionellen Gases müsse weiter sinken, weil er noch deutlich über den Zielen für 2030 liege; zugleich solle der Ausbau erneuerbarer Gase schneller vorankommen.

Infrastruktur- und Tarifplanung sollen steigende Netzkosten begrenzen, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Das ACER-Dashboard liefert dazu Daten über erneuerbare Stromerzeugung, Day-ahead-Preise, negative und niedrige Preisstunden, Strommix, Temperatur, Windgeschwindigkeit, Nachfrage und Kapazitätsfaktoren erneuerbarer Anlagen. Zu den Berichtsdaten stehen auch die zugrunde liegenden Datensätze zur Verfügung.

Für die Gastherme im Wiener Altbau bedeutet das vorerst: Sie bleibt oft hängen – an der Wand, am Mietvertrag und an den Kosten. Und wenn draußen der Wind pfeift, zählt für viele Haushalte zunächst nicht die große europäische Energiekarte, sondern die nächste Rechnung.