Wer in Wien mit offenen Augen unterwegs ist, entdeckt manchmal mehr als nur Straßenbahnen und Baustellen. Im Schlosspark Schönbrunn streifen Füchse durch das Grün, in Penzing sind Marder unterwegs, und in Hietzing wurden Dachse beobachtet. Einer von ihnen versteckte sich sogar einmal in einer Postfiliale, nachdem er vor der Polizei davongelaufen war. Die Beamten wollten verhindern, dass das Tier auf einer stark befahrenen Straße in einen Wildunfall gerät.

Ob heute insgesamt mehr Wildtiere in Wien leben als früher, lässt sich mangels Daten nicht feststellen. Dass bestimmte Arten zunehmend in die Stadt kommen, beobachtet die Wildtierökologin Fabienne Selinger dennoch. Sie arbeitet für das Projekt „Stadtwildtiere“, das städtische Lebensräume erfasst und erforscht. Das Projekt StadtWildTiere Wien besteht seit 2015; Bürger:innen können dort eigene Wildtierbeobachtungen melden.

Warum Ringeltauben, Füchse und andere Arten die Stadt mögen

Ringeltauben haben sich in den vergangenen Jahren stärker an das Stadtleben angepasst. Attraktivere Brutplätze und ein ganzjähriges Nahrungsangebot machen Wien für sie interessant. Auch andere Tiere ziehen in urbane Gebiete, wenn die Bedingungen dort günstiger sind als auf dem Land: Pestizide und Monokulturen setzen Wildtieren in der Landwirtschaft zu, während die Stadt ein Mosaik aus Gärten, Wäldern, Wasserstellen und Verstecken bietet. In manchen Gärten wird biologischer gewirtschaftet als in landwirtschaftlichen Betrieben.

Dazu kommt: Nahrung liegt oft erstaunlich leicht zugänglich herum. Menschliche Abfälle werden zur Futterquelle, und Füchse, die sich nahe an Menschen herantrauen, bekommen dadurch einen deutlichen Vorteil. Ein solches Verhalten kann sich innerhalb einer Tierpopulation festigen. Regelmäßig gibt es etwa Meldungen über Füchse, die sich bei McDonald’s ernähren. Fast Food bleibt für Tiere trotzdem ungesund – auch wenn es offenbar mitunter direkt vor der Schnauze liegt.

Die Stadt ist für Wildtiere also kein rundum sicherer Rückzugsort. Bei hoher Tierdichte können sich Krankheiten leichter verbreiten. Falsche Fütterung an Vogelhäuschen kann diesen Effekt begünstigen. Auch Gift ist gefährlich, weil es nicht nur jene Tiere trifft, für die es gedacht war: Vergiftete oder geschwächte Ratten werden leichte Beute für Füchse und Falken, die sich dadurch ebenfalls vergiften können.

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Katzen, Kröten und ein Blick auf die aktuellen Meldungen

Hauskatzen gefährden viele Wildtiere. Das Projekt „Stadtwildtiere“ hat deshalb die Aktion „Katzen und ihre WildenNachbarn“ gestartet. Katzen sind als Haustiere eng mit Menschen verbunden, können draußen aber heimische Arten gefährden. Gemeinsam mit Katzenhalter:innen wird untersucht, wie sich Haustierhaltung und Naturschutz besser vereinbaren lassen. Nutzer:innen können melden, welche Tiere ihre Katzen nach Hause bringen.

Am heutigen 3.11.2026 führt die Plattform als jüngste Beobachtung einen Fuchs vom 02.11.2026. Davor wurden ein Taubenschwänzchen am 01.11.2026, ein Waldkauz am 31.10.2026, ein weiterer Fuchs am 28.10.2026 und eine Wechselkröte am 25.10.2026 eingetragen. Weitere Beobachtungen sind in einer Galerie verfügbar.

Wer genauer hinhört, kann Wildtiere auch akustisch erforschen. Der Blogbeitrag „Bioakustik: Die Wissenschaft des Zuhörens“ beschreibt, wie die Stimmen von Tieren wie der Waldschnepfe nicht bloß der Wahrnehmung dienen, sondern wissenschaftlich ausgewertet werden. Der Ornithologe Benjamin Schmid erklärt darin, wie Bioakustik zur Erforschung von Wildtieren und ihrer Lebensräume eingesetzt wird.

Zwischen Gehsteigkante und Wilhelminenberg

Menschen verhalten sich Wildtieren gegenüber laut Selinger häufig unberechenbar: Die einen wollen sie streicheln, die anderen vertreiben sie. Dabei sind Städte von Menschen geplante Lebensräume und für Tiere voller Hindernisse. Bei einer Untersuchung aus Sicht eines Igels wurden unter anderem hohe Gehsteigkanten, breite Straßen und Stiegen als Barrieren festgestellt. Aus Sicht der Wildtierforschung wären mehr Grünflächen und weniger Autos wichtige Ziele. Selinger sagt: Eine für Menschen lebenswerte Stadt ist auch eine lebenswerte Stadt für Tiere.

Wie viele Beobachtungen dabei zusammenkommen können, zeigen die Citizen Scientists Bardstale und Christine3. Das Projekt sammelt seit mehr als sieben Jahren gemeinsam mit Beobachter:innen Wildtiersichtungen im österreichischen Siedlungsraum. Peter, der sich „Bardstale“ nennt, und Christine, bekannt als „Christine3“, sind seit etwa neun Monaten beteiligt und haben gemeinsam bereits mehr als 5.000 Beobachtungsmeldungen eingetragen. Bei einem Treffen am Wilhelminenberg berichteten sie, wie sie diese Menge schaffen und wo sie bevorzugt Wildtiere beobachten.

Für Interessierte gibt es außerdem einen Vortrag zu „Katzen und ihre WildenNachbarn“ am 20.11.2026 um 19:00 Uhr; er dauert etwa eine Stunde. Am 28.11.2026 folgt ein Gewölle-Workshop. Und wenn im Frühjahr die Temperaturen steigen, beginnen viele Vögel, Nester zu bauen und ihre Reviere zu verteidigen. Die bevorstehende Brutsaison ist für viele Vogelarten eine besonders sensible Zeit. Ein weiterer Blogbeitrag erklärt, wie Menschen Vögel dann unterstützen können, ohne ihnen zu schaden.

Der als zusätzliche Quelle angegebene Text aus dem PDF „TE_2026_1_Moesch.pdf“ enthält nur komprimierte PDF-Rohdaten und keinen lesbaren Nachrichtenartikel. Für Wien bleiben damit vor allem die beobachtbaren Geschichten: ein Dachs in der Postfiliale, ein Fuchs beim Schnellimbiss, eine Kröte am Stadtrand – und irgendwo dazwischen der nächste Igel, der vor einer hohen Gehsteigkante steht.