Wiens Gastronomie bekommt im Herbst ordentlich Zuwachs – mit neuen Wirtshausküchen, Bars, Cafés, pflanzenbasierten Bistros und Lokalen, in denen Ramen, Sake oder Szechuan-Pancakes auf den Tisch kommen. Die Neueröffnungen und neuen Konzepte verteilen sich über mehrere Bezirke. Manche Adressen setzen auf vertraute Wiener Klassiker, andere auf Teilen, Fermentation oder Produkte aus der Region.

Ein Rundgang durch die neuen Lokale führt vom ehemaligen Hotel mit Fischgrätparkett bis zur Markthalle am Naschmarkt, vom Tagescafé im Luxushotel bis zur Langos-Bar im Prater. Die folgenden Lokale stammen aus den Herbst-Recherchen 2025; einige davon sind heute, am 8. November 2026, längst Teil des Wiener Stadtbilds.

Wirtshaus, Kaffeehaus und Aperitivo

In der Engerthstraße 141 im 2. Bezirk ist mit dem Donauhof eine neue Wirtshausküche eingezogen. Das Gebäude aus dem Jahr 1902 war einst Hotel, Café, Restaurant und Ballsaal, später wurde dort Holz gelagert. Geblieben sind Fischgrätparkett, originale Kugelleuchten, samtgrüne Bänke und hohe Fenster. Auf der Karte stehen österreichische Klassiker mit modernen Variationen: Paradeiskrautfleckerl um 14 Euro, gefüllte Spitzpaprika um 22 Euro und Zwiebelrostbraten um 30 Euro. Mehr unter donauhofwien.at.

Am Petersplatz 7, im Atrium des Luxushotels Rosewood Vienna, verbindet Constanze Tagesbar und Wiener Kaffeehaus-Tradition. Der Überlieferung im Artikel zufolge soll Mozart dort seine spätere Frau Constanze Weber kennengelernt und „Die Entführung aus dem Serail“ komponiert haben. Auch wer nicht im Hotel wohnt, kann hereinschauen – geöffnet ist von 7 bis 18 Uhr. Es gibt Naber-Kaffee, Patisserie, kleine Wiener Klassiker und österreichische Weine. Die Spezialität „Perlen vor die Säue“ kombiniert eine Beinschinkensemmel mit einem Glas Champagner und kostet 35 Euro. Website: rosewoodhotels.com.

Am Margaretenplatz 5 setzt die Bitterbar auf das Gefühl einer französischen, italienischen oder spanischen Nachbarschaftsbar. Im Mittelpunkt steht regionaler Burschik-Wermut – klassisch mit Soda, als Spritz oder mit Tonic um 10 Euro. Dazu kommen Negroni um 11 Euro, bitter-florale alkoholfreie Drinks, Antipasti, Sardinen und römische Pizza. Während der Vienna Design Week vom 25. September bis 3. Oktober ist am Margaretenplatz ein Austern- und Wermut-Pop-up geplant. Adresse und weitere Informationen: bitter.bar.

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Im 1. Bezirk reiht sich ein Konzept an das nächste. In der Wiesingerstraße 6 haben Ivana Markovic und Ismael Faye das frühere Stofflager Xpedit neu belebt. Faye arbeitete zuvor im portugiesischen Joya und im Dogenhof. Aus der offenen Küche kommen Focaccia, fermentierte Speisen, saisonale Pasta und Koteletts – zum Teilen, begleitet von Naturweinen.

Das Café Decentral im Palais Harrach, Freyung 3, ist als Pop-up des Café Central während dessen geplanter Sanierung ab Frühjahr 2026 eröffnet worden. Wiener Kaffeehauskultur trifft dort auf Aperitivo und moderne Bistronomie: Amandine-Mandelcroissant, Chic-Schokotarte, belegte Focaccias und Patisserie des Café Central stehen neben klassischen und aromatisierten Kaffees sowie Spritz-Drinks. Einen Gastgarten gibt es ebenfalls.

Nahe dem Heiligenkreuzerhof, in der Grashofgasse 1, eröffneten Benjamin Buxbaum und Investor Alexander Schutz BOXWOOD – the art of steak. Gegrillt wird am Josper-Grill, serviert werden internationale Steak-Cuts. Das Fleisch reift sichtbar in einem Glasschrank, während die Weinkarte auch seltene Jahrgänge führt.

In der Krugerstraße 5 hat Joji Hattori, Betreiber des Fine-Dining-Restaurants Shiki, die Shiki Sake Boutique mit angeschlossener Sakethek eröffnet. Ausgewählte Sake-Sorten können verkostet werden, dazu kommen handgefertigte Produkte japanischer Manufakturen, teilweise zum Kauf für zu Hause. Japanische Genusskultur, Design und Handwerk stehen hier dicht beieinander.

Das türkische Restaurant The Kent in der Johannesgasse 2 erweitert sein Konzept erstmals um Fine Dining. Aufgetischt werden moderne orientalische Mezze, hausgemachte Vorspeisen, ofenfrisches Fladenbrot, auf Holzkohle gegrillte Lammkoteletts und zahlreiche vegetarische Gerichte. Die Portionen bleiben groß – ganz im Sinn der bisherigen Kent-Tradition.

Im Bermuda­bräu, Rabensteig 6, haben die Ottakringer Brauerei sowie Gabriele und Robert Huth die Zapfmeisterei Bermuda Bräu entwickelt. Unpasteurisiertes Tankbier fließt aus zwei 500-Liter-Kupfertanks direkt vom Zapfhahn, außerdem gibt es Craft-Biere des BrauWerks und saisonale Spezialitäten. Auf den Tellern landen Wiener Klassiker mit modernen Varianten, etwa Backhendl, Ribs und Schnitzel-Burger. Zum Schluss: Eismarillenknödel.

Nahe der Wiener Staatsoper, in der Operngasse 14, kocht Ibrahim aus Bodrum im Ali Grillhouse türkisch-mediterran. Das Angebot reicht von Grillgerichten bis zu vegetarischen Speisen, ergänzt durch Mezze in 24 Varianten.

Ramen, Pflanzenküche und neue Aromen

In der Kirchengasse 18 im 7. Bezirk bedeutet Susuru – „schlürfen“ – Programm. Das japanische Sharing-Konzept konzentriert sich auf Ramen und verbindet sie mit japanischen Tapas und Sake nach dem Izakaya-Prinzip. Pflanzliche Gerichte werden zum Teilen serviert, empfohlen werden vier bis sechs Speisen für zwei Personen. Tantan Tofu kostet 6 Euro, King Oyster Mushroom Tempura 7 Euro; dazu kommen „Addictive Cabbage“ und Agedashi Tofu. Die Ramen reichen von cremig-würziger Pilzsuppe bis zu klarer Brühe mit Kakiage und Tempura-Crunch. Das „Mystic Crunch Ramen“ kostet 14 Euro. Website: susuru.at.

In der Josefstädter Straße 52 setzt Betreiberin Barbara Aichinger bei Mini Mayr auf Gemüse, Saisonalität und wenige präzise kombinierte Zutaten. Das helle, reduzierte Bistro serviert Suppen, Salate, Hirsegerichte und leichte Lunches. Die Küche ist darmfreundlich und basisch inspiriert, aber kein strenges Ernährungskonzept. Zum Frühstück gibt es etwa Ube-Porridge mit Beeren, dazu Ube-Latte oder Hojicha mit Marille. Im Herbst stehen warme Suppen und Eintöpfe auf der Karte. Instagram: @mini_mayr_.

Ebenfalls in der Josefstadt, in der Florianigasse 36, verbindet SAN asiatische Aromen, japanische Izakaya-Kultur und österreichische Produkte. Die Gerichte sind zum Probieren, Kombinieren und Teilen gedacht: Sashimi, Char Siu, Szechuan-Pancakes um 14,90 Euro und Kushiyaki-Spieße mit Huhn um 8,90 Euro. Betreiber Kevin Chen wuchs im chinesischen Qingtian auf und absolvierte seine gastronomische Ausbildung in der Fine-Dining-Szene von Tirol bis Wien. Website: sanrestaurantwien.at.

Der zweite Standort von Il Rione steht am Vorgartenmarkt, Marktstand 20, im 2. Bezirk. Locanda Il Rione bringt Küche aus Kampanien nach Leopoldstadt, diesmal mit Schwerpunkt auf hausgemachter Pasta statt Pizza. Verwendet werden frische Zutaten aus Italien; Aperitivo, Spritz und Dolci wie Tiramisu begleiten das Angebot.

Am Passauer Platz 2 hat das Jola-Betreiberduo Larissa Andres und Jonathan Wittenbrink mit Lara sein zweites Lokal eröffnet. Mo bis Sa gibt es vegane Bistro-Küche auf hohem Niveau – kein Fine Dining, sondern Gerichte zum Teilen und Probieren: Agnolotti mit Eierschwammerln und Salbei, gegrillter Salat mit Erdnusscrunch, Focaccia mit Artischockencreme und Yuzukosho-Räucherkroketten. Zum Dessert kommt Spaghettieis mit Karamell-Popcorn. Frühstück, Brunch, Lunch und Dinner stehen auf dem Programm, dazu ein charmantes Team.

In der Ausstellungsstraße 53 ist merk&würdig das zweite Gastronomieprojekt von Stuwer-Chef Roland Soyka. Die Karte ist für gemeinsames Essen oder einzelne Teller gedacht und gliedert sich in Gedeck, Snacks & Bites sowie größere Dishes. Ein Chef’s-Choice-Menü führt durch die Karte; genannt werden Paprikahuhn-Kroketten, Eismeersaibling und Garnelen auf japanischem Milchbrot. Dazu kommen Dinner, eine umfangreiche Weinauswahl und gestaltetes Interieur.

In der Florianigasse 45 hat Blue Lime Projects nach mehreren Pop-ups mit Das Drittl sein erstes fixes Projekt eröffnet. Das Abendrestaurant serviert kleine und größere Gerichte zum Teilen: Schweinehirn-Kroketten, Schwarzwurzel mit Stinkekäse-Espuma, Sarma-Krautstrudel mit Shiitake, Holzkohle-Paprikahendl, Germknödel und Apfelstrudel. Auf der Getränkeseite stehen Aperitifs und eine große Auswahl an Naturweinen.

Pizza, Tofu und Lokale mit eigenem Rhythmus

Die Familie Figlmüller hat in der Rotenturmstraße 11 mit Figoletta ein auf Pizza ausgerichtetes Lokal eröffnet. Das Konzept verbindet römische Leichtigkeit mit neapolitanischer Knusprigkeit. Der Teig reift mindestens 48 Stunden und wurde gemeinsam mit Pizzameistern entwickelt. Außerdem gibt es Figolinos, eine Pizza Fritta mit Schnitzelpanier, Cotoletta alla Milanese, italienische Antipasti, frische Pasta und Desserts.

Am Karmelitermarkt 63/65 produziert Wiener Tofu – Wiens erste Tofu-Manufaktur – täglich aus österreichischen Bio-Sojabohnen und Wiener Wasser. Elisabeth Hakel und Liwei Sun entwickelten das Projekt über zwei Jahre und verbinden traditionelle chinesische Herstellung mit österreichischen Bio-Zutaten, ohne industrielle Prozesse. Durch eine Glaswand lässt sich in die offene Produktion schauen. Angeboten werden Seidentofu, Tofublöcke, hausgemachte Saucen, vegane Snacks und fertige Gerichte. In der integrierten Küche gibt es acht Sitzplätze, Take-away ist ebenfalls möglich.

Am Gumpendorfer Straße 22, in den früheren Räumen des Nayeb, ist Bistro Fantasy eingezogen. Verantwortlich ist Javier Mancilla, der auch das Café Florida betreibt; die Betreiber rund um Javier und Xaver sind zudem durch Döner Brutal und Burger Brutal bekannt. Das Bistro arbeitet mit reduzierter Einrichtung, Kerzenschein und Musik vom Plattenspieler. Frühstück gibt es bis in den Nachmittag, abends Cocktails. Genannt werden gegrillte Sandwiches, Sauerteigbrote und Bagels, später Cajun-Lachsforelle und gratinierte Rigatoni. Dienstag bis Sonntag stehen Frühstück und Mittagessen auf dem Programm, Freitag und Samstag zusätzlich Dinner und Cocktails.

Im Prater, am Gabor-Steiner-Weg 2, betreiben Walter Piller und Laura Scheybal die täglich geöffnete Langos Bar. Das Langos wird doppelt frittiert und dadurch besonders knusprig, angeboten in Varianten von Salz-Knoblauch und Sauerrahm-Bergkäse bis zu Käsekrainer oder Debreziner im Langos-Mantel. Saisonale Specials wechseln. Der vegane Teig wird täglich frisch zubereitet und in Rapsöl frittiert – der Duft zieht vermutlich schneller durch den Prater als so mancher Spaziergang.

Die Furore in der Neustiftgasse 33 liegt irgendwo zwischen Kaffeehaus und Bar. Dienstag bis Samstag gibt es tagsüber unter anderem Oliven und Kaffeehausangebot, abends Aperitivo, Signature-Cocktails und Naturweine. Premium-Spirituosen, hausgemachte Infusionen und unterschiedliche Aromen prägen die Getränkekarte.

In der Skodagasse 28 haben Florian Schuch und Kuba Jarosiewicz mit der Bar Stœrt ein „Cocktailbeisl“ zwischen High-Class-Bar und Gürtelkneipe geschaffen. Das Interieur ist bunt und farbenorientiert, auf der Karte stehen Signature-Drinks wie Espresso Banini und „Liebe Digga, Liebe“, daneben Klassiker, Bier und Schnaps. Bis zur Sperrstunde gibt es Comfort Food, vor allem verschiedene Mac-&-Cheese-Gerichte – etwa mit Peanut Butter Chicken oder Pulled Pork.

Markthalle, Sichuan und die neuen großen Adressen

Nach der Eröffnung des neugestalteten Naschparks im September 2025 folgte am 21. November die Naschmarkt Markthalle. Auf rund 800 Quadratmetern versammeln sich 13 Betriebe und regionale Lebensmittel, in der Mitte steht eine lange Tafel. Die Marktbar serviert Kaffee, Drinks und kleine Speisen.

Das Angebot ist breit: Sorger bringt Brot und Gebäck, Brutal am Markt ist das einzige Lokal mit Küche und serviert eine kreative Karte ohne Döner – betrieben vom Team hinter Florida und Bistro Fantasy. Blün bietet Wels aus eigener Aquaponik-Zucht im 22. Bezirk, Mosers Wildfang Fische aus dem Millstätter See. Bei Fratelli Valentino kommen Mozzarella und Ricotta aus eigener Produktion in Laab im Walde, die Käsehütte Maria Taferl liefert Berg- und Ziegenkäse. Waldgut steht für Bio-Rind, Lamm, Ziege und Geflügel, Bioschanze und Hut & Stiel für Gemüse, Raritäten aus dem Donaufeld und Austernpilze. Dazu kommen handgemachte Schokolade von 28Lots, Kaffee vom Röstraum, Blumen von Dolls Blumen, Käse, Wein und Eingemachtes bei Brotzeit sowie Marmeladen, Sirupe, Essig und Schnaps aus krummem Obst und Gemüse von Unverschwendet.

Am Naschmarkt, Rechte Wienzeile 25–27, würzt Sichuan Ravioli die neue Runde mit Sichuanpfeffer und teils deutlicher Schärfe. Das Lokal aus der Chili-&-Pfeffer-Familie serviert handgezogene, handgemachte Nudeln, darunter Dan-Dan-, Chongqing- und Süßkartoffelvarianten. Dragon Wontons, Imperial Ravioli mit Garnele und Kaviar, Schmorgerichte, Reisbowls, Klebreisbällchen und Reiskuchen stehen ebenfalls auf der Karte. Der zugrunde liegende Artikel wurde am 19. Dezember 2025 aktualisiert.

So unterschiedlich die neuen Räume, Teller und Gläser auch sind: Wien bekommt gleichzeitig wieder mehr Orte fürs lange Sitzen, fürs schnelle Probieren und fürs Teilen in der Mitte des Tisches. Zwischen Kupfertanks, Glaswänden, offenen Küchen und alten Kugelleuchten ist dabei erstaunlich viel Platz für Pasta, Tofu, Langos, Sake und ein ordentliches Achterl.