Im Schloss Allentsteig ging es am 4. November 2026 um eine Frage, die im Alltag gern verdrängt wird: Was passiert, wenn plötzlich der Strom ausfällt und wichtige Infrastruktur nicht mehr funktioniert? Beim achten Sicherheitsforum präsentierte Bezirkshauptmann Markus Peham den Stand der Krisenvorsorge im Bezirk Zwettl.

Die Antwort fällt für alle Gemeinden gleich aus: Sie haben Sonderkatastrophenschutzpläne für Strom- und Infrastrukturausfälle erstellt. Nach Angaben der Verantwortlichen ist Zwettl damit der erste Bezirk Österreichs, in dem sämtliche Gemeinden über einen eigenen Blackout-Plan verfügen. Peham und Oberst Konstantin Oberleitner dankten den Beteiligten für die Arbeit an den Unterlagen.

Wer im Ernstfall was tut

Koordiniert wurde das Projekt von der Bezirkshauptmannschaft Zwettl unter der Leitung von Markus Peham. Gemeinden, Behörden, Einsatzorganisationen und Betreiber kritischer Infrastruktur waren an der Planung beteiligt. Dazu zählen auch Kliniken sowie Pflege- und Betreuungszentren. Die Pläne halten unter anderem fest, wer Verantwortung trägt, welche Abläufe gelten und welche Maßnahmen im Ernstfall notwendig sind.

Als Grundlage diente ein Leitfaden des Landes Niederösterreich und des Niederösterreichischen Zivilschutzverbands. Einen wichtigen Vorbereitungsschritt bildete die Katastrophenschutzübung „TEMPESTAS“ im Mai 2024. Dabei sammelten die Verantwortlichen praktische Erkenntnisse zu einem umfassenden Strom- und Infrastrukturausfall; diese Erfahrungen flossen in die fertigen Pläne ein.

Wie wichtig gemeinsames Training sein kann, zeigte sich laut Bezirksfeuerwehrkommandant Ewald Edelmaier bereits beim Hochwasser 2024. Behörden und Einsatzkräfte kannten ihre Zuständigkeiten und Abläufe, konnten dadurch schneller und effizienter reagieren. Bürgermeister Franz Mold verwies außerdem auf frühere Ereignisse mit längeren Stromausfällen: das Hochwasser 2002 und 2024 sowie Raureif im Jahr 2014.

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Waldbrandkarten für die Einsatzkräfte

Am Sicherheitsforum nahmen Vertreter des Bundesheeres, der Polizei, der Feuerwehren, der Rettungsdienste, der Gesundheitseinrichtungen und des Niederösterreichischen Zivilschutzverbands teil. Neben der Blackout-Vorsorge ging es um aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Bevölkerungsschutz.

Gerald Dirnberger stellte den neuen Waldfachplan und spezielle Einsatzkarten zur Waldbrandbekämpfung vor. Die Unterlagen sollen den Einsatzorganisationen helfen, sich im Gelände zu orientieren, Gefahrenbereiche einzuschätzen und Löschmaßnahmen zu koordinieren. Für 2028 wurde außerdem eine größere gemeinsame Katastrophenschutzübung angekündigt.

Landeshauptmann-Stellvertreter Stephan Pernkopf bezeichnete die fertigen Pläne als wichtigen Schritt für Bevölkerungsschutz und Krisenvorsorge. Die Verantwortlichen stellten das Projekt zudem als Beispiel für bezirksübergreifende Katastrophenschutzplanung dar.

Was Gemeinden praktisch vorbereiten müssen

Kommunale Vorsorge soll Menschen und Tiere schützen und verhindern, dass wirtschaftliche Existenzen verloren gehen – etwa in landwirtschaftlichen Betrieben. Bürgermeister und Gemeindevertretungen sollten deshalb prüfen, wo konkrete Risiken liegen und welche Vorsorge- oder Improvisationsmaßnahmen nötig sind.

Bei der Trinkwasserversorgung geht es etwa um Hebeanlagen, Druckverstärker, UV-Aufbereitung und Notbrunnen. Auch die Abwasserentsorgung muss bei einem Stromausfall funktionieren können, beispielsweise mit Hebeanlagen und alternativen Pumpwerken.

Zur Eigenvorsorge gehört, die Bevölkerung über die Bedeutung persönlicher Vorkehrungen zu informieren. Entsprechende Informationen bietet der Zivilschutzverband unter www.zivilschutzverband.at. Auf Gemeindeebene kann außerdem eine Selbsthilfe-Basis beziehungsweise ein Selbsthilfezentrum eingerichtet werden. In größeren Gemeinden sind gegebenenfalls mehrere dezentrale Anlaufstellen sinnvoll. Dort sollten medizinische Grundversorgung mit lokalen Möglichkeiten, eine Notversorgung für gestrandete Personen sowie eine Anlaufstelle für freiwillige Helferinnen und Helfer organisiert werden.

Im Krisenmanagement braucht es einen Einsatzstab, gegebenenfalls im Schichtbetrieb, und eine notstromversorgte Einsatzleitung. Für Einsatzkräfte und Führungspersonal müssen Beleuchtung, Heizung, Kochen und Lebensmittel, Kommunikation, Hygiene und Notschlafstellen sichergestellt sein. Alarmpläne und andere Unterlagen gehören in Papierform bereit, außerdem Drucker, Kopierer und EDV für Informationsblätter und Verordnungen.

Behördenfunk und Amateurfunk können die Kommunikation sichern. Treibstoffe und Betriebsmittel für Einsatz- und Kommunalfahrzeuge sollten gelagert, Verbrauchsmaterialien und Baustoffe wie Holz vorhanden sein. Auch Störungen von Brandmeldeanlagen und die dadurch mögliche zusätzliche Belastung der Einsatzkräfte gehören in die Planung. Die Notrettung aus Aufzügen darf dabei nicht unter den Tisch fallen.

Für Informationen an die Bevölkerung kommen Fahrzeuglautsprecherdurchsagen, Flugblätter, Aushänge, vorhandene Funkgeräte in der Bevölkerung, Zivilschutzsignale und Radiodurchsagen infrage. Gerade wenn Handynetze oder Internet nicht verlässlich funktionieren, wird aus dem alten Radio plötzlich wieder ein ziemlich wichtiges Gerät.

Ein Blick auf die schwierigen Fälle

Besondere Aufmerksamkeit brauchen Seniorenwohnheime und betreute Wohneinrichtungen. Auch Internate und Wohnheime, insbesondere mit Minderjährigen, stellen Gemeinden vor eigene Herausforderungen. In der Landwirtschaft müssen Melk- und Futteranlagen, Lüftungen und weitere notwendige Einrichtungen berücksichtigt werden. Dazu kommen Bestattungsbetriebe, die bei länger dauernden Ausfällen ebenfalls nicht einfach pausieren können.

Weiterführende Informationen zur kommunalen Krisenvorsorge finden sich auf der Website von Herbert Saurugg: https://www.saurugg.net/2019/blog/krisenvorsorge/steiermark-erster-blackout-massnahmenplan-fuer-gemeinden. Ergänzungen zur Checkliste können an Herbert Saurugg oder Stefan Vötter gesendet werden.