Bei herbstlichem Wetter machten sich die Kinder der Volksschule Friedersbach auf den Weg zur Friedersbacher Stauseebucht. Dort wartete bereits der Leiter der Bezirksforstdirektion, Dipl.-Ing. Dr. Gerald Dirnberger.

Gemeinsam mit ihren Begleitpersonen gingen die Volksschüler anschließend durch den Wald weiter. Der Ausflug war dabei nicht bloß ein Wandertag: An mehreren Stationen konnten die Kinder den Wald aus unterschiedlichen Blickwinkeln kennenlernen. Ein Waldexperte hatte die einzelnen Angebote vorbereitet.

Tierpräparate, Jahresringe und Bockerlschießen

Die Kinder betrachteten Tierpräparate, zählten Jahresringe und bekamen Werkzeuge sowie Maschinen für die Waldarbeit zu sehen. Danach war auch Geschicklichkeit gefragt: Beim Bockerlschießen konnten sie ihre Treffsicherheit erproben. Ein abwechslungsreicher Vormittag also – mit Waldluft, Bewegung und jeder Menge Anschauungsmaterial.

Für solche Angebote können Leitfäden und ein beigefügter USB-Stick Informationen, Tipps und Vorschläge für Waldaktivitäten liefern. Die Materialien richten sich an unterschiedliche Alters- und Zielgruppen und sollen Bildungsangebote sowie Waldführungen abwechslungsreich, erlebnisorientiert und lehrreich gestalten.

Von der Beispielführung bis zur eigenen Route

Enthalten sind verschiedene Aktivitäten, ausgearbeitete Beispielführungen, Hintergrundwissen und weiterführende Literatur zu zentralen Themen aus Wald und Forstwirtschaft. Damit lassen sich Themen neu und anschaulich vermitteln. Je nach Zielgruppe kann aus den Materialien eine individuelle Führung zusammengestellt werden – angepasst an den jeweiligen Wald und an die persönliche Gestaltung der anleitenden Person.

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Wie breit Waldpädagogik angelegt sein kann, zeigt auch HessenForst. Dort wird der Wald als Lernort für Kinder, Jugendliche und Erwachsene vorgestellt. Die Angebote richten sich unter anderem an Kindergärten, Schulklassen, Jugendgruppen, sonstige Gruppen sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Ziel ist, die hessischen Wälder als authentische Lernorte zu nutzen und Gestaltungskompetenz im Sinn der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zu fördern.

Wald als Klassenzimmer

Vermittelt werden die Vielfalt des Waldes, seine täglichen Leistungen für die Menschen und der Wert des Naturraums Wald. Waldpädagogisch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten landesweit Veranstaltungen an. Örtliche Forstämter informieren über regionale Bildungsangebote, über die Website können waldpädagogische Veranstaltungen bei Forstämtern angefragt werden.

Für Kindergärten steht dabei das Erleben der Natur mit allen Sinnen im Mittelpunkt, Schulklassen lernen außerhalb des Klassenzimmers. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren erfahren, wie sich der Wald für die eigene Bildungsarbeit nutzen lässt. Die Walderlebnistage finden hessenweit in allen Forstämtern statt; auf der Website werden freie Termine aufgeführt. Regionalstellen für Waldpädagogik gibt es in ganz Hessen.

Auch aktuelle Entwicklungen gehören dazu: Am 12.10.2026 wurden Informationen und die Anmeldung zu den Walderlebnistagen 2027 angekündigt. Am 15.06.2026 ging es um das Bildungsprojekt „Wir lassen den Wald wieder wachsen“. Wegen langanhaltender Trockenheit sterben seit 2018 großflächig Wälder ab. Für Kinder wurde 2020 im Raum Gießen ein Pilotprojekt entwickelt, das Mut machen und Perspektiven aufzeigen soll. HessenForst und TÜV Hessen haben das Projekt gemeinsam gestartet.

Am 16.02.2026 wurde außerdem das 8. Hessische Waldpädagogikforum angekündigt. Es findet am 9. Oktober im Forstlichen Bildungszentrum Weilburg statt und trägt das Thema „Offline im Wald: Kreativität trifft Achtsamkeit“.

Waldwiese, Waldrand und Klima

Zu den aktuellen Bildungsbausteinen zählen der „Lernort Waldwiese“ mit Naturerlebnissen wie Barfußlaufen sowie den Themen Blumen, Bienen und Schmetterlinge, der „Lernort Waldrand“ mit Naturerlebnissen im Jahresverlauf und die Klimabildung. Dabei werden Klima-Zusammenhänge des Waldes entdeckt und Handlungsmöglichkeiten entwickelt.

Zur Verfügung stehen unter anderem das Handbuch „Lernort Waldwiesen“ mit Praxisbeispielen für Veranstaltungen auf der Waldwiese und das Handbuch „Lernort Waldrand“ mit Aktionsideen für Naturerlebnisse im Jahresverlauf. Dazu kommen Arbeitsblätter zu den Stockwerken der Waldwiese und zu Ameisen in drei Anforderungsstufen: Stufe 1 mit vereinfachten Anforderungen, Stufe 2 mit curricularen Anforderungen und Stufe 3 mit erweiterten Anforderungen. Ausmalbilder zu einer Habitatbuche und zu den Stockwerken des Waldes sowie ein HessenForst-Memo ergänzen die Bildungsmaterialien.

Zusätzlich werden Informationen zu Jugendwaldheimen und Forstämtern angeboten. In Friedersbach reichten für den Anfang Tierpräparate, Jahresringe, Forstmaschinen und ein paar Schüsse beim Bockerlschießen – manchmal bleibt von einem Schultag eben genau das hängen.