Historische Wasserkaserne wird zum naturwissenschaftlichen Gymnasium in Hainburg
In Hainburg an der Donau ist am Donnerstag, 5. November 2026, das neue Gymnasium „Schule am Wasserturm“ offiziell eröffnet worden. Seit 7. September läuft dort bereits der Unterricht. Die ersten 51 Schülerinnen und Schüler besuchen zwei erste Klassen – gemeinsam mit ihren Eltern waren sie zum Start in das neue Schulgebäude gekommen.
Der Standort liegt auf einem historischen Gelände direkt an der Donau. Wo einst eine Tuchfabrik stand, war später eine Kaserne untergebracht, danach eine Wohnanlage. Die denkmalgeschützte, jahrelang leerstehende Wasserkaserne wurde innerhalb eines Jahres zum Schulstandort umgestaltet. Die Sparkasse Hainburg Privatstiftung hatte das Gebäude 2016 erworben, saniert und dafür 5,6 Millionen Euro investiert.
Riesenschlüssel für ein neues Kapitel
Die offizielle Übergabe wurde mit einem symbolischen Riesenschlüssel dargestellt. Moderiert wurde die Feier von Mathematiklehrer Michael Strobl, der gleich einmal um Daumendrücken für die erste Mathematik-Schularbeit im neuen Schulgebäude bat.
Gekommen waren unter anderem Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Bürgermeister Johannes Gumprecht und Vizebürgermeister Markus Madle, Bezirkshauptmann Michael Engel, Bildungsdirektor Karl Fritthum sowie Sparkasse-Privatstiftungs-Vorständin Maria Maya Ertl. Auch die Bürgermeister aus Bruck an der Leitha, Petronell-Carnuntum, Berg, Prellenkirchen und Kittsee nahmen an der Eröffnung teil. Ein Schulchor und ein Bläserensemble lieferten das musikalische Programm.
Gumprecht betonte, dass durch das Projekt ein mittelalterliches Gebäude in der Innenstadt neu genutzt werde. Direktorin Sabine Puchinger sagte, aus Plänen und Ideen sei ein lebendiger Schulstandort entstanden. Sie dankte den politischen Verantwortlichen, der Sparkasse Hainburg Privatstiftung, den Beteiligten aus Architektur und Bauwesen sowie ihrem Team. In den letzten Tagen vor Schulbeginn hatte das Schulteam selbst mitangepackt, um die Baustelle für den Unterricht herzurichten.
Bildungsdirektor Karl Fritthum würdigte die Umsetzung und hob auch Puchingers zusätzliche Funktion als Direktorin hervor. Anja Weinwurm vom Bildungsministerium kündigte an, die Schülerströme würden analysiert. Eine spätere Erweiterung des Gymnasiums sei möglich.
Naturwissenschaften im Mittelpunkt
Das Gymnasium ist eine Außenstelle des BR/BRG Bruck an der Leitha. Weil die Schule in Bruck stark ausgelastet ist und sich Hainburg lange ein eigenes Gymnasium gewünscht hatte, verkürzt sich für viele Kinder aus der Umgebung nun der Schulweg. Die beiden ersten Klassen werden zunächst von acht Lehrkräften unterrichtet, sieben davon arbeiten auch am Standort Bruck an der Leitha. Jedes Schuljahr sollen zwei weitere Klassen hinzukommen, entsprechend wird zusätzliches Lehrpersonal benötigt.
Inhaltlich setzt die Schule einen Schwerpunkt auf Naturwissenschaften. Schon ab der ersten Klasse gibt es „Neugierig forschen“, außerdem wird Englisch früher in verschiedene andere Fächer integriert. Hintergrund ist auch der geplante Campus mit einer Fachhochschule und der Technischen Universität Wien in Hainburg. Das Gymnasium soll die Kinder auf diesen Campus vorbereiten.
Ein naturwissenschaftlicher Saal gehört zu den Räumen, dort steht auch ein Skelett namens „Ötzi“. Daneben gibt es Fachräume für Technik und Design, Kunst und Gestaltung sowie Musik. Ein rund 80 Meter langer Raum im Dachgeschoss dient als Turnsaal und kann auch für Schulveranstaltungen genutzt werden. Für die Nachmittagsbetreuung stehen eigene Räume bereit; draußen gibt es einen Pausenhof, Grünflächen und Sportmöglichkeiten.
Bei einem Rundgang wurden die neuen Räume vorgestellt. Teile der historischen Bausubstanz blieben erhalten und wurden in die Gestaltung integriert. Wärmepumpe, Kühldecken und moderne Unterrichtstechnik sind weitgehend unauffällig in das Gebäude eingebaut – die Technik drängt sich also nicht in den Vordergrund.
Die Schülerinnen und Schüler äußerten sich überwiegend positiv, manche berichteten von Vorfreude, ein Kind auch von leichter Nervosität. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner fragte nach ihren Eindrücken: Carla lobte die verständnisvollen Lehrkräfte, Alex mag Geografie, Isabella Turnen. Bella gefallen Englisch und Mathematik, Marlena findet es gut, dass die ersten Schüler des Standorts zugleich die ältesten sind. Ivo mag Biologie und Mathematik, Christian gefällt das Forschen im Musiksaal.
Sanierte Wasserkaserne bleibt im Besitz der Stiftung
Die Sanierung umfasste neue Decken, ein neues Dach und neue Fenster, die Restaurierung der Gewölberäume im Erdgeschoss sowie den vollständigen Innenausbau. Eigentümerin bleibt die Sparkasse Hainburg Privatstiftung, die dem Bund die Räumlichkeiten langfristig für den Schulbetrieb zur Verfügung stellt.
Den Abschlusssegen spendeten der katholische Stadtpfarrer Christoph Pfann und der evangelische Pfarrer Jan Magyar. Danach ging es noch einmal durch die Räume – vorbei an alten Mauern, neuer Unterrichtstechnik und dem Skelett im naturwissenschaftlichen Saal.
MINT als größerer Bildungsrahmen
Der naturwissenschaftliche Schwerpunkt passt in eine Entwicklung, die in Niederösterreich schon länger sichtbar ist. Nach Angaben der Bildungsdirektion gibt es dort 80 Einrichtungen vom Kindergarten bis zur HTL mit dem MINT-Gütesiegel. Ausgezeichnet werden besonders gute, innovative und vielfältige Angebote in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Bildungs-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister betonte, MINT-Berufe böten zukunftsträchtige Arbeitsplätze sowie zusätzliche Verdienst- und Karrieremöglichkeiten. Schülerinnen und Schüler sollten über Branchen, Studienrichtungen sowie Aus- und Weiterbildungswege informiert werden. Mädchen müssten stärker mit vielfältigen, teils männerdominierten Berufsfeldern vertraut gemacht werden. Den Lehrkräften dankte sie für ihr Engagement.
Michaela Roither, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung Niederösterreich, begrüßte die 13 neuen MINT-Gütesiegel-Träger. Kreative Schulangebote könnten das Interesse von Kindern und Jugendlichen an Technik und Naturwissenschaften fördern; ein früher Kontakt mit MINT-Themen, bereits im Kindergarten und in der Volksschule, könne nachhaltiges Interesse entstehen lassen.
Das „MINT-Gütesiegel 2024–2027“ wurde von der Industriellenvereinigung, dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, der Wissensfabrik Österreich und der Pädagogischen Hochschule Wien verliehen. In Niederösterreich erhielten 13 Bildungseinrichtungen das Gütesiegel erstmals, österreichweit sind 690 MINT-Schulen und -Kindergärten auf der „MINT-Landkarte Österreich“ verzeichnet. Das Gütesiegel gilt drei Jahre; nach einer Phase der Qualitätsentwicklung ist eine erneute Einreichung möglich.
Zu den neuen Trägern in Niederösterreich zählen die Volksschulen Röhrenbach, Hyrtlplatz/Mödling, Gloggnitz und Moosbrunn, die Mittelschulen Groß-Siegharts, Gramatneusiedl, Drosendorf und die Mittelschule für Ökologie in Gmünd, die Gymnasien Baden Biondekgasse, Hollabrunn, Schwechat und Gmünd sowie der Landeskindergarten in der Quellenstraße in Mödling. Veröffentlicht wurde diese Information am 17. Juni 2024.
