Neues Notarztfahrzeug für Oberpullendorf markiert 80 Jahre Rotes Kreuz Burgenland
Ein Spinnennetz über der Windschutzscheibe, Geister an den Seiten und dazwischen ein neues Einsatzfahrzeug: Das Rote Kreuz Oberpullendorf hat sein neues Notarzteinsatzfahrzeug am 31. Oktober 2026 offiziell in Dienst gestellt. Die Präsentation im Halloween-Stil war ein ungewöhnlicher Rahmen für einen Mercedes Vito – aber einer, der sofort ins Auge fiel.
Rot-Kreuz-Landeskurat Julian Heissenberger segnete das Fahrzeug. Bei der Feier dabei waren unter anderem die Fahrzeugpatinnen und -paten, Vertreter aus Politik und Gemeinden sowie befreundete Blaulichtorganisationen. Nur die Technik spielte zwischendurch nicht ganz mit: Mikrofon und Beleuchtung fielen mehrmals aus.
Viel Leistung für viele Kilometer
Unter der Haube arbeiten 2 Liter Hubraum, 4 Zylinder und 237 PS. Dazu kommen 4MATIC-Allradantrieb und die Ausstattung für den Einsatz als Notarzteinsatzfahrzeug. Bezirksstellenleiter Rudolf Haider rechnet mit rund 40.000 Kilometern pro Jahr. Gelenkt werden soll der Mercedes ausschließlich von speziell geschulten Fahrern.
Finanziell unterstützt wurde die Anschaffung von sechs Fahrzeugpatinnen und -paten: Christian Csulich, Marion Kallinger, Wolfgang Ott, Tamas Palmai, Gabriele Rother und Dagma Thalhammer. Mit der Segnung wurde zugleich das 80-jährige Bestehen des Roten Kreuzes im Burgenland gefeiert.
Geschäftsleiter Thomas Wallner verwies dabei auf den Wandel seit der Gründung: Die medizinische Versorgung habe sich stark weiterentwickelt, die Aufgaben des Roten Kreuzes seien vielfältiger geworden. Unverändert geblieben sei aber der Auftrag, Menschen in Not rasch, professionell und unabhängig von Herkunft oder Lebenssituation zu helfen.
Ein Neubeginn nach dem Krieg
Die Gründungsversammlung des selbstständigen Rotkreuz-Landesverbands Burgenland fand am 13. August 1946 statt. Die Geschichte des eigenständigen Landesverbands hatte nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen – unter Bedingungen, die heute kaum vorstellbar sind.
Am 9. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Menschen kamen aus Kellern und Wäldern zurück, in denen sie Schutz gesucht hatten. Das Rote Kreuz gehörte zu den ersten Organisationen, die in den Nachkriegstagen wieder Ordnung zu schaffen versuchten. Selbst stand es vor dem Nichts: Es gab keine Räume, keine Einrichtungsgegenstände, und alle 17 Rettungswagen im Land waren von den abziehenden deutschen Truppen oder der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt worden.
Vor 1945 besaß das Burgenland keine eigenständige Rotkreuz-Struktur, sondern war an den Landesverband Wien und Niederösterreich angeschlossen. Während der Ersten Republik gab es weder eine zentrale Bezirksstelle noch viele Ortsstellen. Den Rettungsdienst führte das Rote Kreuz erst seit 1935 durch. Während des Zweiten Weltkriegs hatte das Deutsche Rote Kreuz den Rettungsdienst in 20 größeren Gemeinden mit Sanitätswagen, Material und Uniformen ausgestattet; Hilfsschwestern und Rettungsmänner erhielten eine militärische Ausbildung.
Am 1. Juli 1945 erhielt Adalbert Riedl vom Eisenstädter Bürgermeister Franz Elek-Eiweck eine schriftliche Vollmacht, die Interessen des Roten Kreuzes im Burgenland zu vertreten. Am 1. August wurden die ersten Mitarbeiter für Rettungsdienst und Kanzlei eingestellt. Weil es keine andere Möglichkeit gab, bezog die Kanzlei vorläufig einen Raum im Landesmuseum.
Die Unterstützung durch den Landesverband Wien und Niederösterreich blieb begrenzt, deshalb wuchs der Wunsch nach einer eigenen Organisation. Am 13. August 1946 wurde im Einvernehmen mit dessen Präsidenten Mitlöhner der selbstständige Landesverband Burgenland gegründet. Unter der Leitung von Hofrat Adalbert Riedl wurde er organisatorisch und wirtschaftlich ausgebaut. Ende der 1950er-Jahre übersiedelte der Landesverband in das renovierte „Wertheimerhaus“ in der Unterbergstraße in Eisenstadt. Die Bezirksstellen erhielten eigene Verwaltungs- und Rettungsgebäude, teilweise auch mit Wohnungen.
Riedl war rund 30 Jahre Präsident und legte in dieser Zeit die Grundlage für den Ausbau des Rettungswesens und eine dauerhaft funktionierende Hilfsorganisation. Am 24. April 1976 trat er aus Altersgründen zurück. Danach wurden Dr. Edmund Zimmermann zum Präsidenten sowie Dr. Reinhold Gschwandtner und Franz Graschitz zu Vizepräsidenten gewählt.
Vom einzigen Rettungswagen zum Helfernetz
Am 3. September 2026 feierte das Rote Kreuz Burgenland sein 80-jähriges Bestehen mit einer Festsitzung im Landtag in Eisenstadt. Im Mittelpunkt standen die Geschichte der Organisation und der Dank an rund 3.400 freiwillige Helferinnen und Helfer.
Zur Feier kamen unter anderem Landtagspräsidentin Astrid Eisenkopf, Diözesanbischof Ägidius Zsifkovits, der Zweite Landtagspräsident Johann Tschürtz und Landesrat Leonhard Schneemann. Schneemann war früher Zivildiener, Sanitäter und Ortsstellenleiter in Oberkohlstätten.
Die ersten Helfer starteten nach der Gründung mit einem einzigen Rettungswagen. Sie verteilten Lebensmittel, Kleidung und Schweizer Hilfspakete. Später war die Organisation bei mehreren Krisen gefordert: 1956 stand sie während des Ungarischen Volksaufstands an der Grenze bereit, 1989 betreute sie Tausende Flüchtlinge aus der DDR. 2015 versorgte das Rote Kreuz innerhalb weniger Wochen rund 300.000 Menschen.
Heute reicht das Angebot vom Rettungsdienst und Krankentransport über Pflege, Betreuung und soziale Dienste bis zur Krisenintervention. Dazu kommen die Team Österreich Tafel sowie Jugend- und Bildungsangebote. Rund 3.400 Freiwillige und etwa 355 hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen das Rote Kreuz Burgenland, unterstützt von Zivildienern und Jugendlichen im Freiwilligen Sozialjahr.
Astrid Eisenkopf hob hervor, dass die Arbeit von Menschen getragen werde, die Zeit und Kraft für andere einsetzen. Präsident Werner Krischka formulierte als Ziel, der nächsten Generation eine starke Organisation zu übergeben und dabei den Kern des Roten Kreuzes zu bewahren. Vizepräsident und Bezirksstellenleiter Leo Radakovits erhielt von Krischka die Goldene Verdienstmedaille für herausragende Verdienste.
Pressesprecher Manuel Komosny moderierte die Feier und gestaltete den historischen Rückblick. Ein Quartett der Joseph Haydn Privathochschule begleitete den Festakt musikalisch, die Burgenländische Landeshymne bildete den Abschluss.
Platz für die nächsten Aufgaben
In Oberpullendorf geht der Blick derweil nach vorn – und ein Stück weit auch auf den Boden rund um die Bezirksstelle. Das Rote Kreuz Burgenland führt Gespräche mit „Gesundheit Burgenland“ über eine Erweiterung des Grundstücks. Das neue NEF ist bereits da, die nächsten Kilometer werden nicht lange auf sich warten lassen.
