Doppelspektakel am Himmel: Sonnenfinsternis und Perseiden über Österreich
Am Abend des 12. August 2026 wird der Himmel über Europa gleich doppelt interessant: In großen Teilen des Kontinents ist eine Sonnenfinsternis zu sehen, danach erreicht der Meteorschauer der Perseiden seinen Höhepunkt. In Österreich bleibt die Finsternis partiell, in Island und Spanien wird sie hingegen total. Wer einen freien Blick Richtung Westen hat, sollte sich den Abend also nicht verplanen.
Die totale Finsternis zieht bei wolkenfreiem Himmel von der Nordküste Sibiriens über den Arktischen Ozean, Ostgrönland, die westlichsten Teile Islands und Spanien bis zu den Balearen. Auf Mallorca tritt die Totalität kurz vor Sonnenuntergang ein. Österreich erlebt unterdessen die stärkste Verfinsterung seit der totalen Sonnenfinsternis vom 11. August 1999: Der Mond bedeckt hier fast 90 Prozent der Sonne.
In Österreich wird es knapp vor Sonnenuntergang dunkel
In Wien beginnt die Finsternis um 19.22 Uhr. Das Maximum wird dort beim Sonnenuntergang um 20.14 Uhr erreicht. In Vorarlberg verschwindet die Sonne erst um 20.39 Uhr hinter dem Horizont – dort lässt sich das Schauspiel am längsten beobachten. Der genaue Verlauf kann online für den jeweiligen Ort abgerufen werden.
Empfohlen wird ein möglichst freier, tiefer Horizont im Westen. Das ist nicht überall selbstverständlich: Die Johannes-Kepler-Volkssternwarte Steinberg bei Graz fällt wegen Bäumen und anderer Hindernisse am Westhorizont für die Beobachtung aus. Der Steirische Astronomen Verein (STAV) lädt deshalb ab 19.00 Uhr nach Kitzeck im Sausal ein. Wenn das Wetter mitspielt, sollen dort nach der Finsternis auch die Perseiden zu sehen sein.
In Graz bietet der Fachbereich Astrophysik und Geophysik der Universität Graz am Schloßberg Beobachtungen mit Finsternisbrillen und einigen Teleskopen an. In Wien organisieren die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie und der Österreichische Astronomische Verein ab 19.00 Uhr Beobachtungen und Fotografien der partiellen Finsternis auf der Sophienalpe.
Auch auf der Dachterrasse der Urania kann die Finsternis ab 19.00 Uhr verfolgt werden. Wegen des Umbaus stehen dort allerdings keine Teleskope bereit. Dafür werden kostenlose „Solar Viewer“ ausgegeben. Wer lieber unterwegs bleibt, findet in Niederösterreich Angebote beim Astronomischen Zentrum Martinsberg, bei der Niederösterreichischen Volkssternwarte Michelbach und bei der Franz-Kroller-Sternwarte Traiskirchen. Dort kann anschließend ebenfalls der Perseiden-Meteorschauer beobachtet werden.
Beobachtungsabende von Bildstein bis zum Attersee
Die Vorarlberger Amateurastronomen laden ab 19.00 Uhr auf die Wiese vor der Basilika Bildstein. Am Haunsberg veranstaltet das Haus der Natur ab 17.00 Uhr auf der Sternwarte zunächst einen Vortrag zur Sonnenfinsternis. Bei Schönwetter sind Sonnenbeobachtungen auf der Terrasse geplant, danach geht es mit den Perseiden weiter.
Weil der Westhorizont der Sternwarte Gahberg verdeckt ist, verlegt das Astronomische Arbeitskreis Salzkammergut die Beobachtung gewissermaßen aufs Wasser. Gemeinsam mit der Attersee-Schifffahrt werden am 11., 12. und 13. August abendliche Sternschnuppenfahrten auf dem Attersee angeboten. Das klingt nach einer ziemlich guten Kombination: See, dunkler werdender Himmel und hoffentlich freie Sicht.
Das VISTA Science Experience Center in Klosterneuburg hält von 18.00 bis 23.00 Uhr das Programm „Cosmic Hours. From Eclipse to Starlight.“ bereit – mit Astro-Ausstellungsbereich, Filmvorführungen, Science Talks mit Astrophysikern und gemeinsamen Himmelsbeobachtungen.
In Kärnten nimmt das Observatorium Kanzelhöhe während der Finsternis weiterhin Bilder der Sonne in verschiedenen Wellenlängen auf und überträgt den Verlauf nahezu live. Zusätzlich gibt es einen Livestream von verschiedenen Beobachtungsorten.
Bitte nicht ohne Schutz in die Sonne schauen
Für die Beobachtung sind spezielle Finsternisbrillen erforderlich. Ein direkter Blick in die Sonne kann schon mit bloßem Auge schwere Augenschäden verursachen. Feldstecher und Teleskope dürfen ohne geeigneten Filter keinesfalls verwendet werden. Sonnenbrillen, rußgeschwärzte Gläser, CDs und ähnliche Hilfsmittel sind ungeeignet – auch wenn sie in solchen Momenten schnell aus irgendeiner Schublade geholt werden.
Wer in Österreich keinen passenden Platz findet oder schlechtes Wetter erwischt, kann die totale Sonnenfinsternis online verfolgen. Die Europäische Weltraumorganisation ESA überträgt sie live aus dem Observatorio Astrofísico de Javalambre in Teruel, Spanien. Zu sehen ist die Sendung über ESA Web TV und den ESA-YouTube-Kanal. Durch das Programm führen die Weltraumwissenschafterin und Wissenschaftskommunikatorin Dame Maggie Aderin sowie ESA-Wissenschaftsdirektorin Carole Mundell. Die ESA stellt außerdem umfangreiche Lehrmaterialien zur Sonnenfinsternis bereit.
Nach dem Sonnenuntergang kommen die Sternschnuppen
In der Nacht vom 12. auf den 13. August 2026 erreichen die Perseiden ihren Höhepunkt. Unter idealen Bedingungen sind maximal 60 bis 100 Meteore pro Stunde möglich. Der Strom entsteht, wenn die Erde die Staubspur des Kometen 109P/Swift-Tuttle durchquert. Die Partikel sind meist nicht größer als Sandkörner, verglühen aber mit etwa 60 km/s in der Atmosphäre und ziehen dabei helle Leuchtspuren über den Himmel.
Die Perseiden sind außerdem für besonders helle Feuerkugeln, sogenannte Boliden, bekannt. Solche Leuchterscheinungen können selbst bei Mondlicht oder in helleren Gegenden sichtbar sein. Der 12. August 2026 bringt damit tagsüber eine totale Sonnenfinsternis, die in Europa partiell oder total zu sehen ist, und in derselben Nacht den Höhepunkt des Meteorstroms – sofern die Wolken nicht gerade ihren eigenen Plan haben.
