Krampuskränzchen in Aschbach: Nikolaus, kleine Geschenke und ein kinderfreundlicher Abend
Am 4. Dezember 2026 wird es in Aschbach in Fürstenfeld finster – allerdings mit kinderfreundlichem Ausgang: Die Söchauer Fürsten der Finsternis laden zum 2. kinderfreundlichen Krampuskränzchen ein. Beginn ist um 17:00 Uhr bei Aschbach 4, 8362 Fürstenfeld.
Für die jüngsten Besucher gibt es dabei einen fixen Programmpunkt: Der Nikolaus kommt gegen 17:30 Uhr und bringt den Kindern ein kleines Geschenk. Ein Krampuskränzchen also, bei dem die Spannung ruhig ein bisserl kitzeln darf, ohne dass der Abend aus dem Ruder läuft.
Zwischen Nikolaus und Krampus
Der Nikolaus- und Krampusbrauch, wie er heute bekannt ist, hat eine lange Entwicklung hinter sich. Vor Ende des 16. Jahrhunderts gibt es keine Quellen zum Krampusbrauch. In den Gegenreformationsgebieten setzte sich die Figur dennoch fest; außerhalb davon wurde der Krampus vom norddeutsch-protestantisch geprägten Knecht Ruprecht verdrängt.
Im alemannisch-protestantischen Raum vermischten sich beide Gestalten vermutlich wegen eines gemeinsamen Ursprungs in einer italienischen Figur des 16. Jahrhunderts. Einer Vorstellung zufolge verschlingt der Teufel die Seelen der Sünder. Das Böse galt besonders im harten Winter als stark und wurde entsprechend dargestellt – mit furchteinflößendem Auftreten, Fell, Masken und Lärm.
Vermutlich erst ab der Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich aus den Klosterschulen und dem Kinderbischofsfest der Einkehrbrauch: Der Nikolaus prüft und beschenkt die braven Kinder, begleitet von Schreckgestalten, Teufeln und Tiermasken wie der Habergeiß. Unartige Kinder werden vom Krampus bestraft.
Vom Stubenspiel zum Krampuslauf
In der Gegenreformationszeit entstanden Stubenspiele, die noch heute in Bad Mitterndorf, Tauplitz, Pichl-Kainisch, im Salzburgerland und in Tirol aufgeführt werden. Seit dieser Zeit entwickelten sich Krampuspassen parallel zum Perchtenlauf. Am Perchtenlauf durften traditionell nur wehrfähige, unverheiratete Männer des Dorfs teilnehmen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Perchtenlauf wieder öffentlich veranstaltet.
Krampusumzüge gibt es weiterhin in vielen Orten des Ostalpenraums, im südlichen Bayern und in der Oberpfalz sowie in Österreich, Teilen Liechtensteins, Ungarn, Slowenien, der Slowakei, Tschechien, Teilen Italiens und Kroatiens. Als Krampus Verkleidete ziehen mit laut klingenden Glocken durch die Straßen, erschrecken Passanten und verwenden lange Ruten. Kinder versuchen beim Tiroler „Tuifltratzen“ beziehungsweise beim bairischen „Kramperltratzn“, die Krampusse zu reizen, ohne erwischt oder geschlagen zu werden.
Der Krampustag ist der 5. Dezember, der Vorabend des Nikolaustags am 6. Dezember. Nikolaus und Krampus treten meist am Abend des 5. Dezember gemeinsam auf, regional auch am 6. Dezember. Zu den größten Läufen zählt der Krampuslauf in St. Johann im Pongau mit über 1.000 Krampussen im Jahr 2008; er findet jährlich am 6. Dezember statt. Der größte Krampuslauf Österreichs findet in Klagenfurt statt und erstreckt sich über 1,5 Kilometer.
Regionale Spielarten des Brauchs
Wie der Brauch aussieht, hängt stark vom Ort ab. In Kärnten gibt es Schauläufe mit Feuerwerk, Fackeln und Feuerspuckern. In Salzburg werden Schaulustige unter anderem mit Ruten geneckt. In Osttirol gehört neben dem Umzug ein freiwilliger Krampuswurf zwischen einem Krampus und einem „Raufbold“ dazu; dafür gibt es eigene, abgesicherte Bereiche.
Eine weitere Osttiroler Tradition ist das „Tischziehen“. Freiwillige Männer halten hinter einem schweren Holztisch gegen anstürmende Krampusse. Diese versuchen, den Tisch umzuwerfen oder vom Ausgangspunkt wegzuziehen. Jede Runde wird einzeln gewertet, Männer und Krampusgruppen wechseln dabei häufig.
Im Defereggental begleiten am 5. Dezember zahlreiche Figuren Nikolaus und Krampus: Bajazzo, Lotter und Litterin als Bettler, ein Brautpaar mit Spielmann, außerdem Arzt, Polizist, Bürgermeister und Feuerwehrmann. Auch der Tod ist dabei – als Hinweis auf die Vergänglichkeit des Lebens.
Im Berchtesgadener Land gibt es zwei Krampusarten: fellbekleidete „Kramperl“ sowie beweglichere „Gankerl“ oder „Ganggerl“ mit Hosen, ohne Fell und mit kleineren Glocken. Die Gankerl begleiten insbesondere strohgebundene „Buttnmandl“, die den Glöcklern der Perchten ähneln.
Im Gasteinertal sind am 5. und 6. Dezember jährlich 80 bis über 100 Passen unterwegs. Sie bestehen aus Krampus, „Engerl“, „Buttnmandl“ als Kerblträger und Nikolaus und unterscheiden sich durch die Farben ihrer Gewänder. Am 5. Dezember ziehen sie in den Ortszentren von Bad Gastein, Bad Hofgastein und Dorfgastein von Haus zu Haus, am 6. Dezember in den ländlichen Gebieten.
Der Nikolaus, gegebenenfalls begleitet vom Engel und dem Körbelträger, betritt die Stube und belohnt die „Braven“. Danach kommen die Krampusse herein und bestrafen die „Schlimmen“. Treffen zwei Passen aufeinander, kreuzen die Nikoläuse ihre Bischofsstäbe, Engel und Körbelträger begrüßen sich, und die beiden Vorteufel rempeln sich gegenseitig an. Anschließend dürfen auch die übrigen Krampusse rempeln. Danach wünschen sich die Passen ein gutes Weitergehen und die Treue zum alten Brauch. Zu diesen Veranstaltungen kommen jährlich zahlreiche Einheimische und Gäste ins Gasteinertal.
Verwandte Gestalten
Im alemannischen Alpenraum, etwa im Allgäu und in der Schweiz, gibt es mit dem Klausentreiben einen ähnlichen Brauch, allerdings mit anderen Figuren. Funktional ähnelt der Krampus dem nord- und westdeutschen Knecht Ruprecht: Knecht Ruprecht tritt meist allein auf, Krampusse gewöhnlich in größeren Gruppen.
In Schwaben begleitet der Pelznickel den Gabenbringer. In der Schweiz steht der „Schmutzli“ an der Seite des Nikolaus. Auch er soll unartige Kinder bestrafen, trägt aber einen Sack und einen Schellengurt statt Kuh- oder Balkenglocken.
Äußerlich erinnert der Krampus an den Teufel sowie an mythische und tierähnliche Gestalten der alpenländischen Schiechperchten. Schiechperchten treten in den Rauhnächten auf, Krampusse gehören dagegen ausschließlich zum Adventsbrauchtum. In Skandinavien gibt es zwischen Weihnachten und Silvester ähnliche Gestalten; der Brauch heißt „julebukklaufen“ und war in Norwegen zumindest bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet.
