Benko vor Gericht: Das Ende des Signa-Imperiums im Landesgericht Innsbruck
Am 4. November 2026 richtet sich der Blick in Innsbruck erneut auf René Benko. Der frühere Immobilienunternehmer und Gründer der Signa-Gruppe muss sich am Landesgericht Innsbruck verantworten. Im Zentrum des Schöffenprozesses stehen Vorwürfe des schweren Betrugs und der betrügerischen Krida.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft dem 49-Jährigen vor, die Privat- beziehungsweise Familienstiftung des Industriellen Hans Peter Haselsteiner um rund fünf Millionen Euro geschädigt zu haben. Benko soll Haselsteiner oder Vertreter der Familienstiftung am 6. November 2023, kurz vor der Insolvenz der Signa Holding, eine „wahrheitswidrige Garantie“ gegeben haben, um unmittelbar an das Geld zu gelangen. Sein Anwalt Norbert Wess wies beide Vorwürfe vor dem Prozess zurück. Benko bekannte sich laut APA nicht schuldig.
Ein Verfahren mit Vorgeschichte
Der 82-jährige Haselsteiner, langjähriger Geschäftspartner, Signa-Investor und Anteilseigner, war für den Mittwochvormittag als Zeuge geladen. Ein weiterer Vorwurf betrifft ein Jagdgewehr im Wert von 80.000 Euro. Benko soll es gegenüber dem Insolvenzverwalter und den Gläubigern verheimlicht oder verborgen haben.
Die Verhandlungen waren für Mittwoch und Donnerstag jeweils von 8:45 bis 20:00 Uhr angesetzt. Für Donnerstag wurde ein Urteil erwartet. Im Fall einer Verurteilung drohte Benko eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.
Nach dem Stand des Verfahrens wurde der österreichische Investor vom Landesgericht Innsbruck zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er seine Gläubiger geschädigt hatte. Hintergrund war ein Mietkostenvorschuss von 360.000 Euro für ein Anwesen in Innsbruck, den Benko zahlte, obwohl die finanzielle Lage seines Signa-Konzerns bereits sehr kritisch gewesen sei.
Bereits im Oktober 2025 war Benko zunächst zu zwei Jahren Haft verurteilt worden; in einem Teilaspekt wurde er freigesprochen. Der Oberste Gerichtshof hob diesen Freispruch auf. Deshalb wurde der Fall teilweise neu verhandelt und das Strafmaß neu festgelegt. Der gesetzliche Strafrahmen für das Delikt liegt bei einem bis zehn Jahren Freiheitsstrafe.
Benko erklärte, zum fraglichen Zeitpunkt an eine erfolgreiche Sanierung der Signa-Gruppe geglaubt zu haben. Die Anmietung des Hauses sei auf Wunsch seiner Frau erfolgt. Den Kindern habe dort ein normales Leben und ein regulärer Schulalltag ohne Personal ermöglicht werden sollen.
Fußfessel, Untersuchungshaft und ein Milliardenimperium
Vor Gericht erschien Benko erstmals mit elektronischer Fußfessel. Seit einigen Wochen stand er unter elektronisch überwachtem Hausarrest. Laut den vorliegenden Angaben befand er sich seit Januar 2025 in Untersuchungshaft; nach seiner Festnahme am 23. Jänner 2025 blieb er bis Oktober 2026 in Haft. Seit Oktober 2026 durfte er sich bis zum Prozessbeginn im elektronisch überwachten Hausarrest aufhalten.
Mit seinem Immobilien- und Handelsimperium hatte Benko ein Milliardenvermögen aufgebaut. Die Signa Holding galt als Österreichs größtes Immobilien- und Handelsunternehmen. Steigende Zinsen und Baukosten sowie risikoreiche Zukäufe, darunter die deutschen Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof, führten den Konzern in die Insolvenz. Gegen Benko und weitere Signa-Manager laufen mehrere zusätzliche Ermittlungen.
Die Signa Holding meldete am 29. November 2023 Insolvenz an. Benko beantragte im März 2024 persönlich Insolvenz; das Landesgericht Innsbruck eröffnete ein Konkursverfahren. Der Masseverwalter Andreas Grabenweger wurde bestellt. Ende Jänner 2024 hatte die Republik Österreich einen Insolvenzantrag gegen Benko gestellt. Anfang März beantragte er selbst ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung, doch das Landesgericht Innsbruck lehnte den Antrag ab, weil kein Sanierungsplan vorlag. Am 8. März 2024 wurde das Konkursverfahren über sein Vermögen eröffnet.
René Benko, geboren am 20. Mai 1977 in Innsbruck, begann nach eigenen Angaben 1995 mit dem Ausbau von Dachböden zu Luxuswohnungen. 1997 erwarb er eine Kaufoption auf Anteile des Wellnesshotels Lanserhof und verkaufte sie gewinnbringend an den Hotelier Christian Harisch. 2001 kaufte er gemeinsam mit dem Bauunternehmer Günther Schertler eine Liegenschaft in Innsbruck und entwickelte dort das Fachärztezentrum Medicent. Im selben Jahr gründete er mit dem Kfz-Händler Karl Kovarik die Immofina Holding, die weitere Fachärztezentren in Österreich entwickelte.
2004 erwarb die Immofina das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck. Bis 2010 wurde es nach Plänen von David Chipperfield neu errichtet. Ebenfalls 2004 warb Benko Anleger für den geschlossenen Immobilienfonds „Signa:01 Property Fund“. 2005 wurde ein Unternehmensbeirat eingerichtet, 2006 die Immofina Holding in Signa Holding umbenannt.
Vom Kaufhaus Tyrol bis zum Chrysler Building
Signa kaufte 2007 insgesamt 16 innerstädtische Immobilien aus dem Portfolio der BAWAG P.S.K. Ein Jahr später erwarb das Unternehmen die frühere Länderbank-Zentrale in Wien, wo später das Hotel Park Hyatt Vienna entstand. 2009 beteiligte sich der griechische Reeder George Economou an Signa; 2015 schied er wieder aus. Die Familie Benko Privatstiftung hält 85 Prozent der Signa-Holding, Ernst Tanner zehn Prozent und Torsten Toeller fünf Prozent.
2010 kam das Gebäude der Deutschen Börse in Eschborn zum Portfolio. 2011 folgten das Münchner Kaufhaus Oberpollinger und das frühere Hotel Schlössle in Oberlech, aus dem später das Luxushotel Chalet N wurde. 2012 gründeten Signa Prime und die Beny Steinmetz Group ein Joint Venture. Im Dezember desselben Jahres erwarben die Partner für rund 1,1 Milliarden Euro das Berliner KaDeWe und 16 weitere Karstadt-Immobilien. 2015 trennten sich Signa und die Beny Steinmetz Group durch eine Aufteilung des Portfolios.
Am 2. November 2012 wurden Benko und sein Steuerberater Michael Passer wegen versuchter verbotener Intervention zu jeweils zwölf Monaten bedingter Haft verurteilt. Laut Gericht hatte Passer 2009 im Auftrag Benkos dem früheren kroatischen Premierminister Ivo Sanader 150.000 Euro angeboten, um ein Gerichtsverfahren in Italien zugunsten Benkos zu beeinflussen. Das Urteil wurde 2013 vom Oberlandesgericht und 2014 vom Obersten Gerichtshof bestätigt; der Strafregistereintrag wurde später gelöscht.
Am 18. Juni 2013 zog sich Benko aus der operativen Geschäftsführung der Signa Holding zurück und übernahm den Vorsitz des Beirats. Signa gründete die Sparte Signa Retail und wurde durch den Kauf von Karstadt, Onlinehändlern und weiteren Handelsunternehmen auch im Einzelhandel aktiv. 2014 wurden unter anderem das Goldene Quartier und die Parkapartments am Belvedere in Wien fertiggestellt. 2015 gründete Signa Retail mit Eataly ein Joint Venture in Deutschland.
2016 wurde der Bau des Einkaufszentrums Waltherpark in Bozen nach einer Volksbefragung genehmigt. Im selben Jahr stellte die WKStA Ermittlungen wegen eines möglichen Bestechungsversuchs im Zusammenhang mit der Gemeinde Lech ein. 2017 übernahm Signa unter anderem den Onlinehändler Probikeshop und 70 Prozent von Hood.de. Ende 2017 wurde ein von Benko für 60 Millionen Euro gekaufter Kika-Leiner-Flagshipstore in Wien auf eine Gesellschaft der Laura Privatstiftung übertragen.
Im Juni 2018 kaufte Signa für 600 Millionen Euro die Möbelketten Kika und Leiner mit rund 6.500 Beschäftigten. Im September wurde die Fusion von Karstadt und Kaufhof bestätigt: Signa hielt 50,01 Prozent, die Hudson’s Bay Company 49,99 Prozent. Im November 2018 meldete Signa den Erwerb von Beteiligungen an der „Kronen Zeitung“ und am „Kurier“. Ab 2018 verhandelte Signa mit Hamburg über den Bau des 245 Meter hohen Elbtowers; die geplanten Gesamtinvestitionen wurden 2022 mit rund 950 Millionen Euro angegeben.
Zum Signa-Portfolio gehörten unter anderem das Chrysler Building in New York, Selfridges in London, das KaDeWe in Berlin, das Goldene Quartier in Wien, die Kaufhausketten Karstadt, Kaufhof sowie Kika/Leiner und die Tageszeitungen „Kurier“ und „Kronen Zeitung“. Im März 2019 erwarb Signa gemeinsam mit der RFR Holding das Chrysler Building für 151 Millionen US-Dollar. In Wolfsburg plante Signa die Neugestaltung eines Areals am Hauptbahnhof.
Villa, Stiftungen und die Krise
2016 kaufte Benko für 9,25 Millionen Euro das Anwesen des Schlosshotels Igls bei Innsbruck samt 5.000 Quadratmetern Park. Das Hotel wurde abgerissen, danach entstand eine Villa im Südstaatenstil. Eigentümerin war eine Gesellschaft der Laura Privatstiftung. Ende 2023 pfändete die Republik Österreich die Villa. Laut Behörden ging es um nicht bezahlte Umsatzsteuern von mehr als zwölf Millionen Euro; der Staat meldete im Zusammenhang mit der Villa rund zwölf Millionen Euro an entgangenen Abgaben an.
Unter der Villa in Igls entstand eine rund 2.000 Quadratmeter große Badelandschaft mit einer Nachbildung der Blauen Grotte von Capri. Die Kosten wurden mit rund zwei Millionen Euro angegeben. Benko und seine Familie lebten weiterhin mietfrei in der Villa, mit Personal und Sicherheitsdiensten. Die monatlichen Kosten wurden mit rund 238.500 Euro angegeben und offiziell von seiner Mutter beziehungsweise Stiftungen getragen. Kurz nach dem ersten Insolvenzantrag reiste Benko noch im Privatjet zum Einkaufen nach Barcelona. 2024 wurde er auf einem Motorboot am Gardasee und in einem Mercedes G63 AMG gesehen; im Herbst 2024 fotografierte man ihn bei einem Jagdausflug mit Freunden.
Bis zu seiner Festnahme ließ sich Benko von Sicherheitspersonal begleiten, wofür 2023 monatlich bis zu rund 44.000 Euro anfielen. 2024 kaufte seine Familie seine Privatgarderobe für 77.000 Euro aus der Konkursmasse zurück. Laut Ermittlern sollen Strohmänner gepfändete Gegenstände zurückgekauft haben. Der Masseverwalter kritisierte die Nutzung des Motorbootes nach Insolvenzeröffnung sowie Benkos geringe offizielle Einkünfte von nur 450 Euro monatlich.
Zur Vermögenssicherung wurden vier Stiftungen in Österreich und Liechtenstein gegründet. Benko errichtete mindestens die Familie Benko Privatstiftung und die Laura Privatstiftung. Die Familie Benko Privatstiftung meldete im März 2024 Insolvenz an: Die Verbindlichkeiten wurden mit rund 854 Millionen Euro, die Aktiva mit rund 21 Millionen Euro angegeben. Die Laura Privatstiftung stellte im März 2026 einen Insolvenzantrag. Die Ingbe-Stiftung in Liechtenstein soll zeitweise Gold im Wert von rund 45 Millionen Euro sowie hohe Bargeldbestände verwahrt haben.
Zu den Vermögenswerten gehörten ein geleaster Bombardier-Privatjet, der zuletzt mit 16 Millionen Euro bewertet wurde, sowie eine zweite Cessna, die der Masseverwalter für 5,3 Millionen Euro verkaufte. Die Luxusyacht „Roma“ wurde mit einem Angebotspreis von 40 Millionen Euro zum Verkauf angeboten. Benkos Kunstsammlung wurde auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. Dazu zählten Picassos „L’Étreinte“, 2021 für rund 17 Millionen Euro gekauft, ein Basquiat-Selbstporträt, 2021 für 11 Millionen Euro gekauft, sowie Werke von Hermann Nitsch und Andy Warhol. Das Picasso-Gemälde wurde später für rund 10,68 Millionen Euro verkauft.
2023 kaufte die Laura Privatstiftung zwei Springpferde für zusammen 4,76 Millionen Euro. Benko besaß unter anderem einen Porsche 911 Speedster sowie zwei Ferrari im Gesamtwert von rund 5,3 Millionen Euro. Für seine Ehefrau Nathalie kaufte Signa 2023 einen Lamborghini Urus für rund 480.000 Euro. Nathalie Benko besitzt zwei Villen auf Ibiza; eine davon wurde 2022 für 7,7 Millionen Euro zuzüglich Nebenkosten erworben.
Eine weitere Innsbrucker Villa war über eine Stiftung gemietet; die Miete wurde im Oktober 2023 für vier Jahre im Voraus bezahlt. Die liechtensteinische Arual Stiftung, deren Name rückwärts „Laura“ ergibt, besitzt über mehrere Gesellschaften die Villa Ansaldi am Gardasee. Sieben Luxusvillen am Gardasee wurden Ende 2024 an den Schweizer Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann verkauft. Nach Benkos Festnahme zog die Familie 2025 aus der Villa in Igls aus.
Verluste, Kontakte und offene Ermittlungen
Laut Masseverwalter schrieb die Signa Prime bereits seit 2014 im operativen Geschäft Verluste. Auch Working Capital und freier Cashflow seien durchgehend negativ gewesen. Das Geschäftsmodell sei auf laufende Immobilienaufwertungen und Umstrukturierungen angewiesen gewesen. 2021 kritisierten Medien regelmäßige Immobilienaufwertungen und Ausschüttungen ohne entsprechende operative Gewinne; Benko verwies auf unabhängige Gutachter und Wirtschaftsprüfer.
2021 wurde über einen Kredit von 25 Millionen Euro der Falcon Private Bank an die Familie Benko Privatstiftung berichtet. Im Sommer 2023 warnte die Europäische Zentralbank Banken, Signa-Kredite könnten nicht ausreichend besichert sein. Die WKStA erhob 2021 Anklage gegen Benko im Zusammenhang mit der Causa Chorherr; Anfang 2023 wurde er freigesprochen. Medien berichteten über Verbindungen der Signa-Retail-Sparte zum Wiener Sicherheitsunternehmen DSIRF.
2021 wurde Signa Sports United an die New Yorker Börse gebracht, der Aktienkurs fiel zunächst um 25 Prozent. Der deutsche Wirtschaftsstabilisierungsfonds gewährte Galeria Karstadt Kaufhof im Jänner 2022 weitere 220 Millionen Euro. Insgesamt erhielt die Signa-Retail-Sparte bis Juli 2022 rund 700 Millionen Euro Staatshilfen. Kurz nach der Auszahlung einer Staatshilfe von 450 Millionen Euro sollen Signa-Eigentümer über eine luxemburgische Tochtergesellschaft 450 Millionen Euro als Dividende erhalten haben.
2022 wurden geheime Spenden an die Südtiroler Volkspartei bekannt. Benkos Berater Heinz Peter Hager bestätigte Zahlungen, Benko bestritt seine Kenntnis. Signa Prime reduzierte den Buchwert ihres Portfolios um 1,16 Milliarden Euro auf rund 20,4 Milliarden Euro, wies für 2022 aber einen Nettogewinn von 90 Millionen Euro aus. Laut Berichten verbuchte die Signa Holding 2022 einen Verlust von rund 500 Millionen Euro, Signa Retail Selection einen Verlust von rund 1,39 Milliarden Euro. 2023 versuchte Benko, wichtige Immobilien zu verkaufen, um Liquidität zu beschaffen.
Benko pflegte Kontakte zu österreichischen Politikern verschiedener Parteien und veranstaltete jährlich ein Treffen mit Politik- und Wirtschaftspersönlichkeiten. Alfred Gusenbauer und Susanne Riess wurden Mitglieder des Signa-Beirats. Sebastian Kurz wurde nach seiner politischen Karriere Berater der Signa-Gruppe. Gusenbauer und Kurz stellten der Signa Honorarnoten in Millionenhöhe.
Im Ibiza-Video 2017 behauptete Heinz-Christian Strache, Benko und andere Milliardäre würden über einen Tarnverein die FPÖ finanzieren. Die genannten Personen und Unternehmen bestritten dies; Strache bezeichnete seine Aussagen später als Prahlerei. Signa beschäftigte als Lobbyisten unter anderem Ole von Beust und Joschka Fischer. Zu deutschen Politikern bestanden laut Berichten enge Kontakte, unter anderem zu Olaf Scholz, Peter Tschentscher, Markus Söder, Joachim Herrmann, Jens Spahn und Ulrich Nußbaum.
Am 8. November 2023 trat Benko als Beiratsvorsitzender der Signa Holding zurück. Hans Peter Haselsteiner erklärte im Jänner 2024, Benko habe trotz fehlender formaler Funktion weiterhin Entscheidungen beeinflusst und Geschäftsführer angewiesen. Benkos Jahresvergütung bei Signa betrug 2019 fast 26 Millionen Euro.
Am 23. Jänner 2025 wurde Benko in seinem Büro im Kaufhaus Tyrol festgenommen. Als Haftgründe wurden Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr genannt. Das Landesgericht Wien verhängte am 24. Jänner 2025 Untersuchungshaft. Die Haft wurde mehrfach verlängert; ab Februar 2025 sah das Gericht nur noch Tatbegehungsgefahr als Haftgrund.
Benko wird unter anderem vorgeworfen, Investoren durch fingierte eigene Kapitalbeiträge zu weiteren Einzahlungen veranlasst, eine Beteiligungsgesellschaft samt Gardasee-Villa ohne angemessene Gegenleistung an die Ingbe-Stiftung verkauft und seine tatsächliche Kontrolle über die Laura Privatstiftung verschwiegen zu haben. Außerdem sollen Vermögenswerte wie Waffen, Uhren und andere Gegenstände verborgen oder unter Wert übertragen worden sein. Im Juli 2025 erhob die WKStA Anklage wegen des Verdachts, Benko habe bei seiner Insolvenz Vermögenswerte beiseitegeschafft.
Im Verfahren wegen betrügerischer Krida warf die WKStA Benko zwei konkrete Handlungen vor: eine wirtschaftlich nicht vertretbare Vorauszahlung von rund 360.000 Euro für die Anmietung einer Villa in Innsbruck und eine Schenkung von 300.000 Euro an Angehörige. Der Gesamtschaden wurde mit rund 660.000 Euro angegeben. Im Oktober 2025 wurde die Anklage rechtskräftig. Im Juli 2026 hob der Oberste Gerichtshof den Freispruch zur Villa auf und verwies den Fall zurück. Im September 2026 wurde Benko in beiden Verfahrensteilen zu insgesamt 30 Monaten Haft verurteilt. Das Urteil wurde rechtskräftig, da keine Rechtsmittel eingelegt wurden.
Im Dezember 2025 wurde Benko wegen des Verheimlichens wertvoller Uhren vor dem Insolvenzverwalter zu 15 Monaten bedingter Haft und einer Geldstrafe von 4.320 Euro verurteilt. Eine Mitangeklagte wurde mangels Beweisen freigesprochen. Der Schuldspruch wurde im September 2026 vom Obersten Gerichtshof bestätigt; über die Strafhöhe sollte noch entschieden werden.
Die WKStA untersuchte außerdem ein 17-Millionen-Euro-Darlehen an einen früheren Signa-Berater, die bevorzugte Rückzahlung eines 15-Millionen-Euro-Kredits an die Ingbe-Stiftung, die Vermietung des Chalet N unterhalb der Selbstkosten, möglichen Käuferbetrug beim Projekt „Wohnen am Belvedere“, ein „Geldkarussell“ zur Täuschung von Investoren über eigene Kapitalbeiträge, den Verkauf der Villa Eden Gardone an die Ingbe-Stiftung, möglichen Investmentbetrug zulasten saudischer und emiratischer Staatsfonds, COVID-Förderbetrug im Zusammenhang mit dem Chalet N, möglichen Kreditbetrug bei einem 25-Millionen-Euro-Kredit sowie weitere Untreue- und Kapitalbeschaffungsdelikte.
Der Staatsfonds Mubadala forderte in einem Schiedsverfahren 713 Millionen Euro von Benko persönlich zurück. Der Masseverwalter der Signa Prime erhob den Vorwurf der Insolvenzverschleppung. Signa Prime sei spätestens seit 31. März 2022 materiell insolvent gewesen; der mögliche Schaden wurde mit mindestens einer Milliarde Euro angegeben.
Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt seit November 2023 wegen möglicher Geldwäsche und Insolvenzdelikte. Liechtensteinische Behörden ermitteln wegen des Verdachts auf betrügerische Krida und Geldwäsche. Die Staatsanwaltschaft Trient ermittelte gegen Benko und 76 weitere Personen wegen möglicher organisierter Kriminalität, Ausschreibungsmanipulation, unzulässiger Parteienfinanzierung, Einflussnahme, Korruption, Steuerdelikten und Betrugs. Später erhob sie Anklage gegen Benko und 36 weitere Personen; die Vorverhandlung wurde für den 23. Oktober 2026 angesetzt.
Benkos Vermögen wurde 2014 auf rund 850 Millionen Euro, 2018 auf rund 3,1 Milliarden Euro, 2019 auf 4,9 Milliarden US-Dollar und 2021 auf 5,6 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Schätzungen für 2019 beruhten laut späteren Angaben teilweise auf überhöhten Immobilienbewertungen. Seit 2023 wird Benko nicht mehr in der Forbes-Liste der Milliardäre geführt.
In Deutschland und Österreich gingen durch die spätere Signa-Krise schätzungsweise 18.000 bis 20.000 Arbeitsplätze verloren, mindestens 10.000 davon bei Galeria Kaufhof Karstadt. Draußen vor dem Gericht ist davon wenig zu spüren. Drinnen aber hängen an jedem Satz Jahre aus Expansion, Schulden, Stiftungen und großen Versprechen.
