Pustertal dreht das Spiel in Innsbruck und feiert den sechsten Sieg in Folge
Der HC Falkensteiner Pustertal hat in Innsbruck das Spiel gedreht. Die Südtiroler setzten sich beim HC TIWAG Innsbruck mit 2:1 durch und feierten damit den sechsten Sieg in Folge. In der Tabelle bleiben die „Wölfe“ auf Rang vier, während Innsbruck zum siebten Mal hintereinander verlor.
Leicht war die Aufgabe nicht: Pustertal musste erneut auf Pasquale, Rueschhoff, Bowlby und Lauridsen verzichten. Trotzdem kamen die Gäste ordentlich aus der Kabine. Mantinger und Moncada prüften den Innsbrucker Torhüter, auf der anderen Seite parierten beide Goalies mehrere gute Möglichkeiten. Innsbruck bekam im ersten Drittel mehrere Überzahlspiele, Pustertal überstand sogar eine kurze doppelte Unterzahl schadlos. Nach 20 Minuten lautete das Schussverhältnis 13:11 für die Gastgeber, Tore gab es keine.
Innsbruck geht vor der Pause in Führung
Auch im zweiten Abschnitt blieben klare Chancen zunächst Mangelware. Innsbruck hatte mehr Spielanteile und erhöhte den Druck, doch die Pusterer Abwehr hielt. Die restliche doppelte Unterzahl zu Beginn des Drittels, eine Strafe wegen zu vieler Spieler auf dem Eis und eine weitere gegen Osmanski wegen Behinderung überstand der Tabellenvierte ebenfalls. Das eigene Powerplay in der 25. Minute brachte dagegen keinen einzigen Schuss auf das Tor.
Colin Furlong musste mehrfach eingreifen und verhinderte unter anderem mit einer starken Parade gegen Mayer den Rückstand. Bei 38:25 Minuten war aber auch der Pusterer Schlussmann machtlos: Kevin Macierzynski schloss einen Zwei-gegen-zwei-Konter mit einem Schuss ins lange Eck ab. Innsbruck führte 1:0.
Im Schlussdrittel machten die Gäste sofort Druck und hielten sich die ersten fünf Minuten fast ausschließlich im Innsbrucker Drittel auf. Dann wurde es kurios beziehungsweise zumindest bitter für Pustertal: Mantinger erhielt in der 46. Minute wegen hohen Stocks eine vierminütige Strafe.
Bardreau bereitet vor und trifft selbst
Ausgerechnet in Unterzahl fiel der Ausgleich. Bei 47:24 Minuten verwertete JC Lipon die Vorarbeit von Cole Bardreau zum 1:1. Ein Pusterer Powerplay in der 52. Minute blieb anschließend ungenutzt, doch Bardreau legte wenig später selbst nach. Bei 53:15 Minuten traf er nach Zuspiel von Lobis zum 2:1 für die Gäste.
In der Schlussphase musste Pustertal nach einer Strafe gegen Purdeller wegen Beinstellens noch einmal in Unterzahl ran. Innsbruck warf alles nach vorne, Furlong hielt mehrere Abschlüsse fest und brachte den Auswärtssieg über die Zeit. Der Endstand: HC TIWAG Innsbruck – HC Falkensteiner Pustertal 1:2 (0:0, 1:0, 0:2).
Nach der Nationalteampause geht es für Pustertal am Mittwoch, 11. November, zu Hause gegen Olimpija Ljubljana weiter.
Die „Wölfe“ aus Bruneck
Der HC Pustertal, italienisch HC Val Pusteria, kommt aus Bruneck in Südtirol. Gegründet wurde der Verein 1954 als EV MAK Bruneck unter Präsident Ernst Lüfter, 2001 folgte die Umbenennung in HC Pustertal. Die Spitznamen „Wölfe“ und „Lupi“ sind geblieben, ebenso die Vereinsfarben Schwarz und Gelb.
Seit der Saison 2021/22 spielt der Klub in der ICE Hockey League, seit Oktober 2021 in der Intercable Arena mit 3.100 Plätzen. Geschäftsführer ist Erich Falkensteiner, Jason Jaspers Cheftrainer und Raphael Andergassen Kapitän. Im Sommer 2025 wurde die Falkensteiner Michaeler Tourism Group für drei Spielzeiten neuer Haupt- und Namenssponsor; seither tritt der Verein als HC Falkensteiner Pustertal auf.
Die Saison 2025/26 brachte den bis dahin größten Erfolg in der ICE Hockey League: Rang zwei im Grunddurchgang, ein 4:0 gegen Red Bull Salzburg im Viertelfinale und ein 4:1 gegen Ljubljana im Halbfinale bedeuteten erstmals den Einzug ins Liga-Finale. Gegen die Graz99ers blieb Pustertal allerdings ohne Sieg und verlor die Serie mit 0:4. Der Vizemeistertitel ist dennoch die beste Platzierung des Vereins in dieser Liga. Den größten Vereinserfolg hatte der Klub schon 2011 mit dem Gewinn der Coppa Italia gefeiert.
Der Weg dorthin begann weniger glänzend – auf einem Natureisplatz in Bruneck. Nach dem Gewinn der Serie B stieg der Verein 1972 in die höchste italienische Spielklasse auf. Versuche in den Jahren 1968, 1969 und 1972 waren zuvor wegen der eingeschränkten Nutzbarkeit des Rienzstadions gescheitert; danach bekam Bruneck eine Kunsteisanlage. In der Saison 1972/73 spielte der Klub erstmals in der Serie A, im selben Jahr entstand der Jugendsektor, der heute zu den größten und bestorganisierten in Italien zählt. Rund 30 Jahre hielt sich Pustertal in der höchsten italienischen Liga, das beste Serie-A1-Ergebnis war Platz zwei 1981/82 hinter dem HC Bozen.
Italienische Meisterschaftsfinali erreichte Pustertal in den Spielzeiten 2011, 2011/12, 2013/14 und 2015/16. In den Jahren 2007/08 bis 2010/11 scheiterte die Mannschaft zunächst in der Relegationsrunde an Ritten, verlor dann Halbfinalserien gegen Ritten und Asiago und unterlag 2010/11 im Finale gegen Asiago jeweils mit 2:4. In der Saison 2009/10 stand Pustertal 144 Tage an der Tabellenspitze, schlug Alleghe im Viertelfinale mit 4:0 und verlor das Halbfinale gegen den späteren Meister Asiago nach einer 2:0-Serienführung mit 2:4.
Unter Trainer Stefan Mair, der Pustertal von 2008 bis 2011 betreute, gab es Rang vier 2008/09, Rang drei 2009/10 und die Vizemeisterschaft 2010/11. In seine Amtszeit fiel auch der erste Titel des Vereins, die Coppa Italia 2011. Der Vertrag wurde nach drei Spielzeiten nicht verlängert. In der Saison 2008/09 war Zimmerhofer-Hobag Hauptsponsor, der Zuschauerschnitt stieg erstmals auf 2.000 pro Spiel, und ein Empty-Net-Tor von Mika Alatalo gegen Alleghe am letzten Spieltag brachte den ersten Halbfinaleinzug seit 25 Jahren. Gegen Ritten gewann Pustertal im Halbfinale ein Spiel, verlor die Best-of-7-Serie aber mit 1:4.
2010/11 stand der Klub in der Serie A im Finale gegen Asiago und verlor ebenfalls mit 2:4. In den Spielzeiten 2007/08, 2008/09, 2009/10 und 2010/11 absolvierte Pustertal jeweils 13, 14, 14 und 14 Spiele im Grunddurchgang. Auf dem Eis standen damals unter anderem Tomaž Razingar, Andrea Carpano und Gigi Da Corte; Marko Tuomainen, Jan Vodrážka und Gigi Da Corte beendeten nach 2009/10 ihre Karrieren.
Von der Alps Hockey League in die ICE
2016/17 gehörte Pustertal zu den Gründungsmitgliedern der grenzübergreifenden Alps Hockey League. Seit 2016 bemühte sich der Verein um die Aufnahme in die EBEL, doch das veraltete Stadion stand dem Vorhaben zunächst mehrfach im Weg. Mit dem Baubeginn der neuen Arena 2020 wurden die Pläne konkreter, zur Saison 2021/22 folgte die Aufnahme in die ICE Hockey League.
Die erste ICE-Saison endete mit Rang fünf im Grunddurchgang und einer direkten Playoff-Qualifikation, im Viertelfinale war gegen Fehérvár AV19 Schluss. 2022/23 wurde Pustertal Elfter und schied nach dem Grunddurchgang aus. 2023/24 folgten Rang acht, ein 2:1 in den Pre-Playoffs gegen Olimpija Ljubljana und ein 4:3 gegen Fehérvár im Viertelfinale; im Halbfinale verlor Pustertal gegen den EC KAC mit 0:4. 2024/25 reichte Rang neun, gegen Ljubljana gelang erneut der Sieg in den Pre-Playoffs – zum dritten Mal in vier Jahren stand der Klub damit in den Playoffs.
In der Saison 2021/22 begann Luciano Basile als Trainer in der ICE Hockey League, nach einem Leistungsabfall ersetzte ihn Raimo Helminen. Stefan Mair kehrte 2022/23 zurück, verließ den Verein aber nach wenigen Wochen. Tomek Valtonen übernahm und blieb zunächst auch 2023/24. Nach sechs Siegen zum Saisonstart ließ die Leistung nach, Valtonen trat zurück, Co-Trainer Kasper Vuorinen sprang interimistisch ein. Im Mai 2024 wurde Jason Jaspers verpflichtet.
Zum Kaderstand vom 7. Juli 2026 gehören die Torhüter Colin Furlong und Eddie Pasquale. In der Verteidigung stehen Greg DiTomaso, David Farrance, Daniel Glira, Markus Lauridsen, Dominik Obexer, Austin Osmanski, Josef Prast und Luca Zanatta. Im Angriff finden sich Cole Bardreau, Henry Bowlby, Ivan Deluca, Gerry Fitzgerald, Gunnarwolfe Fontaine, Alex Ierullo, JC Lipon, Alan Lobis, Matthias Mantinger, Luke Moncada, Tommy Purdeller, Austin Rueschhoff und Luciano Zandegiacomo. Vertreten sind Spieler aus Kanada, den USA, Italien, Dänemark und der Schweiz.
Früher prägten unter anderem Maurizio Mansi, Miroslav Fryčer, Bill Stewart, Jan Alston, Philippe DeRouville, Sandy Moger und Rem Murray den Verein. Alston kam in 22 Spielen auf 44 Scorerpunkte – 29 Tore und 15 Assists. DeRouville erreichte in seinen zwei Pusterer Jahren Fangquoten von 90,1 beziehungsweise 89,2 Prozent, Moger war für seine Ablenkungen vor dem Tor bekannt und beendete nach der Saison 2006/07 seine Karriere. Murray wurde 2009 verpflichtet und übernahm eine Führungsrolle.
Die Vereinsstatistik bis zum Ende der Saison 2008/09 führt Martin Crepaz mit 863 Spielen, 306 Toren, 524 Vorlagen und 830 Punkten an. Bei den Spielen folgen Gerd Mayr mit 637 und Thomas Tinkhauser mit 583. Rick Bragnalo kommt auf 286 Tore und 423 Vorlagen, Max Oberrauch auf 262 Tore, 278 Vorlagen und 540 Punkte, Wladimir Jeremin auf 448 Punkte. Die meisten Strafminuten sammelten Reinhold Oberhofer mit 747, Martin Helfer mit 615 und Christian Mair mit 444.
Das alte Rienzstadion hatte 2006/07 mit durchschnittlich 1.454 Ligazuschauern den höchsten Schnitt der italienischen ersten Liga. 2007/08 waren es etwa 1.800, 2008/09 rund 2.000, 2009/10 noch 1.721; zehn Spiele waren damals ausverkauft, insgesamt kamen in der regulären Saison 34.431 Zuschauer. 2008 hieß die Halle durch eine Partnerschaft mit einer Elektrofirma vorübergehend Leitner Solar Arena, vor der Saison 2014/15 kehrte der Name Rienzstadion zurück.
Die Fans organisieren sich seit dem Umzug in die Intercable Arena 2021/22 als Rienzkurve. Davor gab es Anfang der 1990er-Jahre den Fanclub B.Y.W., der etwa bis 1998 bestand, und ab 2003 Wolves 1896. Bei Heimspielen gehören Laser, Feuer und Maskottchen Rufus zur Pregame-Show; der kleine Wolf ist seit 2009 dabei. Zu wichtigen Auswärtsspielen fahren Fanbusse. Duelle mit dem HC Bozen und dem SV Ritten sind wegen der regionalen Nähe besonders brisant, Bozen gilt als Erzrivale.
Auch abseits der Kampfmannschaft hat sich das Netz erweitert: Von 2010 bis 2012 war der SV Kaltern Farmteam, 2012/13 arbeitete Pustertal mit dem HC Meran zusammen. Seit 2021/22 bestehen Kooperationen mit den WSV Sterzing Broncos und dem HC Falcons Brixen, im August 2026 kam der HC Unterland Cavaliers aus der Alps Hockey League als weiterer Partner hinzu.
