Kirchdorfer Volksmusikanten haben beim Alpenländischen Volksmusikwettbewerb in Innsbruck kräftig aufhorchen lassen. Die „Finstermooser Hausmusik“ aus Vorderstoder erhielt eine „Auszeichnung“, die „Dambach Musi“ wurde mit „Sehr gut“ bewertet. Der Wettbewerb gilt als bedeutendster Wettbewerb der Alpenländischen Volksmusik.

Mehr als 150 Ensembles und Solisten aus Österreich, Südtirol/Italien, Deutschland, der Schweiz und Slowenien waren dabei – insgesamt rund 700 Personen. Fünf Jurys mit jeweils fünf Volksmusikexperten hörten den überwiegend jugendlichen Teilnehmern genau zu, bewerteten ihre Darbietungen und gaben ihnen Rückmeldungen für den weiteren musikalischen Weg.

Familienmusik aus Vorderstoder

Die „Finstermooser Hausmusik“ ist eine Familienmusik der Familie Gutleder. Ihr Name erinnert an das frühere Finstermoos, den damaligen Wohnort der Familie. Die Musiklehrer Birgit und Helmut Gutleder musizieren gemeinsam mit ihren Töchtern Franziska und Antonia.

In Innsbruck trat das Quartett mit Klarinette, Querflöte, Harfe und Steirischer Harmonika an. Die „Dambach Musi“ besteht im Kern aus dem Harmonikaduo Maximilian Rebhandl aus Roßleithen und Jakob Renhardt aus Kirchdorf. Dazu kommen Eva Holzer aus Windischgarsten und Jakob Kinbacher aus Kirchdorf an Gitarre und Posaune. Alle vier jungen Musiker werden an den Musikschulen Windischgarsten, Hinterstoder und Kirchdorf unterrichtet. Ensembleleiter und Musiklehrer ist Helmut Gutleder.

Erfolg für die Saitenstraßenmusi

Auch aus Nußdorf gab es beim Alpenländischen Volksmusikwettbewerb 2024 in Innsbruck Grund zum Feiern: Die sechsköpfige „Saitenstraßenmusi“ holte die Höchstnote „mit ausgezeichnetem Erfolg“ und außerdem den „Herma-Haselsteiner-Preis“. Der Wettbewerb stand zu diesem Zeitpunkt im Zeichen seines 25-jährigen Bestehens und versammelte mehr als 700 Musiker und Sänger aus Österreich, Bayern, Südtirol und der Schweiz.

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Zur Gruppe gehören Christoph Sinhart (22), Julia Sinhart (20), Elisabeth Sinhart (18), Hannes Schmid (22), Flori Schmid (20) und Jakob Hampel (26). Seit Februar 2023 treten die Musiker in dieser Besetzung auf. Zu hören sind Posaune, Klarinette, Geige, Ziach, Kontrabass und Gitarre – eine Mischung, bei der es ordentlich voll werden kann, wenn alle loslegen.

Schon 2019 gewann die damalige Vierergruppe den Traunsteiner Lindl-Preis. Für den Auftritt in Innsbruck probte die Saitenstraßenmusi intensiv. Regelmäßige Termine waren wegen Studium, Beruf und Ausbildung allerdings teilweise schwierig unterzubringen. Drei Tage verbrachten die Musiker mit jungen Volksmusikern aus dem gesamten Alpenraum. Der Erfolg ist für sie ein Ansporn und ein weiterer Schritt in ihrer musikalischen Laufbahn.

Wettbewerb mit langer Tradition

Der Alpenländische Volksmusikwettbewerb, der auch unter dem Namen Herma-Haselsteiner-Preis bekannt ist, gilt als größter überregionaler Wettbewerb für alpenländische Volksmusik. Seit 1974 findet er alle zwei Jahre in Innsbruck statt. Veranstalter ist der Tiroler Volksmusikverein unter der Leitung von Peter Margreiter. Ausgetragen wird die Veranstaltung Ende Oktober im Kongresshaus Innsbruck, sie dauert vier Tage. Am zweiten und dritten Tag stehen die Wertungsspiele auf dem Programm.

Rund 600 Teilnehmer aus den deutschsprachigen Alpenregionen nehmen üblicherweise teil. Das Ziel: Jungen Sängern und Musikanten sollen musikalische Begegnungen im Alpenraum ermöglicht und regionale Sing- und Musizierweisen gefördert werden. Für Musikgruppen gilt eine Altersgrenze von 25 Jahren, für Singgruppen von 30 Jahren; Familien und Gruppenleiter sind davon ausgenommen.

Fachleute aus den Alpenregionen – Theoretiker ebenso wie Praktiker – beraten die Teilnehmer. Der Großteil des Programms, mindestens drei Stücke, soll aus überlieferter Volksmusik der jeweiligen engeren Heimat stammen. Neu geschaffene Stücke sind erlaubt, wenn sie an die regionale Volksmusiktradition angelehnt sind. Im Gesangsbereich können unter anderem Lieder, Jodler, Balladen, Gstanzln – auch mit selbst verfassten Texten – und geistliche Lieder vorgetragen werden.

Abwechslung ist ausdrücklich gefragt: Die Programme sollen sich in Inhalt, Ausdruck, Charakter, Tempo und Besetzung unterscheiden. Bei der Anmeldung müssen mindestens fünf Sing- oder Musikstücke angegeben werden. Fünf Jurys mit insgesamt 29 Juroren bewerten die Teilnehmer. Ihre Zuständigkeiten reichen von Tirol-Südtirol, Bayern und Allgäu-Schwaben über Salzburg-Oberösterreich sowie Niederösterreich-Wien-Burgenland bis zu Steiermark-Kärnten-Slowenien-Friaul und Schweiz-Vorarlberg.

Vergeben werden die schriftlichen Prädikate „Ausgezeichnet“, „Sehr Gut“, „Gut“, „Mit Erfolg teilgenommen“ und „Teilgenommen“. Zur schriftlichen Bewertung gehören außerdem Empfehlungen der Jury für die weitere musikalische Arbeit der jeweiligen Gruppe.

Seit 2010 wird der Herma-Haselsteiner-Preis als zweckgebundener Geldpreis für besondere Leistungen vergeben. Ausgezeichnet werden können Gesangsgruppen und Gesangssolisten, singende Familien mit Eltern und Verwandten, singende Geschwister, Instrumentalsolisten, Instrumentalgruppen, musizierende Familien mit Eltern und Verwandten sowie musizierende Geschwister.

Musik in der ganzen Stadt

Rund um die Wertungsspiele gehört einiges dazu: ein Begrüßungsabend mit gemeinsamem Singen und Musizieren, ein Volkstanzabend, „Gsungen und Gspielt“, ein festlicher Abschlussgottesdienst und die Verkaufsausstellung „Rund um die Volksmusik“. Bei „Aufg’horcht in Innsbruck“ wird in der Innenstadt gesungen und musiziert.

Von der Jury ausgewählte Teilnehmer treten am Abend des dritten Tages beim Festabend auf. Das Abschlusskonzert findet im Saal Tirol des Kongresshauses vor großem Publikum statt. Der ORF zeichnet das Konzert für Fernsehen und Radio auf und strahlt es aus. Für die jungen Musiker aus dem Bezirk Kirchdorf bleibt davor aber vor allem eines: die Erinnerung an viele Instrumente, volle Säle und den kurzen, aufregenden Moment, bevor die erste Note sitzt.