Erhalt der Tiroler Bergwelt: Chancen und Herausforderungen der Almwirtschaft
In der atemberaubenden Hochgebirgslandschaft Tirols stehen nicht nur die majestätischen Gipfel im Fokus, sondern auch die kleinen, oft übersehenen Details, die zum Erhalt unseres Naturerbes beitragen. Eine Wanderung vom Nösslachjoch zum Lichtsee, die an historischen Steinsetzungen vorbeiführt, gibt uns nicht nur einen Einblick in die Schönheit der Region, sondern auch in die Herausforderungen, denen sich die Almwirtschaft gegenübersieht. Hier wird deutlich: Die Pflege von Almen und Bergwiesen ist unerlässlich, um Verbuschung durch Bäume und Büsche zu vermeiden. Wenn diese Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden, droht die Natur, sich selbst zu überlassen – und das kann fatale Folgen für die Artenvielfalt haben.
Ein Lichtblick in dieser Situation ist die „Schule der Alm im Valsertal“, die vor zehn Jahren gegründet wurde. Ihr Ziel? Die botanische Vielfalt in den Alpen zu bewahren. Teilnehmer lernen nicht nur traditionelle Almarbeiten wie Sensenmähen und Schrägzaunbau, sondern auch, wie man Almen und Bergwiesen richtig pflegt. Diese Initiative arbeitet eng mit dem Land Tirol und dem Tourismusverband Wipptal zusammen, um Freiwilligenprojekte zu aktivieren. Diese Projekte sind nicht nur wichtig für die Umwelt, sondern auch für den sanften Tourismus und den wirtschaftlichen Erfolg der Region.
Freiwilligenprojekt „2 Tage lang Bergbauer sein“
Ein besonders spannendes Angebot ist das Freiwilligenprojekt „2 Tage lang Bergbauer sein“. Hier können Teilnehmer hautnah erleben, was es bedeutet, in den Bergen zu arbeiten. An zwei Tagen unterstützen sie die Bergbauern bei der Pflege von Bergmähdern und Almen. Dabei wird nicht nur körperliche Arbeit geleistet, sondern auch Wissen über die Natur und Landwirtschaft ausgetauscht. Die Abende sind gefüllt mit regionalen Köstlichkeiten und Geschichten aus der Region. Die Termine für den Sommer 2026 sind bereits festgelegt: Obernberg am Brenner vom 26. bis 31. Juli, Matrei am Brenner vom 16. bis 21. August und nochmals in Obernberg vom 23. bis 28. August. Anreisen können die Teilnehmer bequem mit der Bahn bis Innsbruck oder Brenner und dann mit kostenlosen S-Bahn- und Busverbindungen oder dem PKW zu den Unterkünften.
Die Zusammenarbeit im Naturschutzgebiet ist dabei ein zentraler Bestandteil. Am Montag und Dienstag arbeiten die Teilnehmer direkt bei den Bergbauern, wobei sie eine Einführung durch Schutzgebietsbetreuer erhalten. Mittwoch wird zum Erkundungstag, an dem eine Geologin und Bergwanderführerin über die geologischen Besonderheiten und die lokale Kultur informiert. Am Donnerstag steht ein Ausflug ins Valsertal an, wo die Alm-Bäuerin Helga und ihre Ziegen besucht werden. Hier gibt’s auch eine regionale Almjause, die einfach nur lecker sein muss!
Die Bedeutung der Almbewirtschaftung
Die traditionelle Almwirtschaft hat in Tirol eine lange Geschichte – sie besteht seit etwa 2.500 Jahren. Doch die Herausforderungen sind groß. Bereiche ohne Bewirtschaftung sind oft von Grünerlen und Latschenkiefern überwuchert. Alte Heuhütten, auch Heupillen genannt, zeugen von dieser Tradition. Die Bedeutung der gepflegten Almlandschaften für den sanften Tourismus ist nicht zu unterschätzen. Immer mehr Menschen suchen Erholung in der Natur und schätzen die Schönheit der Berge. Daher ist es wichtig, dass diese Landschaften auch weiterhin erhalten bleiben.
Die Initiative „Naturschutzplan auf der Alm“ spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie fördert die Zusammenarbeit zwischen Almen und Naturparks und hat bereits zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume in den Naturparks Kaunergrat, Karwendel und Zillertaler Alpen umgesetzt. Über 30 Almen haben von den Naturschutzförderungen profitiert, um die Biodiversität und die Almen als Kulturlandschaft zu erhalten. Mit Unterstützung von Ehrenamtlichen werden Pflegemaßnahmen durchgeführt, die für die Erhaltung dieser einzigartigen Landschaften unerlässlich sind.
Egal ob beim Freiwilligenprojekt oder im Rahmen der „Schule der Alm“ – die Möglichkeiten, aktiv zur Erhaltung der Tiroler Bergwelt beizutragen, sind vielfältig. Wer Interesse hat, kann sich auf der Website der Schule der Alm informieren und direkt buchen. Die Natur ruft und es gibt viel zu tun!
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