Tullner Musikschule feiert doppelte Auszeichnung für Cordula Bösze und Peter Rom
In Tulln gibt es gleich doppelten Grund zur Freude: Cordula Bösze, Querflötenlehrerin an der Musikschule der Stadt Tulln, erhielt am 22. Oktober 2026 in St. Pölten von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner den Anerkennungspreis für Kultur 2026 in der Sparte Musik. Peter Rom, E-Gitarrenlehrer an derselben Musikschule, gewann beim Österreichischen Jazzpreis 2026 den ersten Preis in der Kategorie „Best Album“.
Die Jury zeichnete Rom für sein Album „Wanting Machine II.“ aus. Bösze wiederum beschreibt ihre Arbeit als Musikerin mit drei Tätigkeiten: Produzieren, Reproduzieren und Weitergeben. Das klingt knapp, steckt aber ein ziemlich weites Feld ab.
Von der klassischen Flöte zu neuen Klangwelten
Ihre musikalische Laufbahn begann klassisch. Früh wurde Cordula Bösze an der Musikuniversität Wien zur Flötistin ausgebildet. Nach ihrem Querflötenstudium veranstaltete sie Konzerte, in denen Musik auf Literatur, Film, bildende Kunst und Theater traf. Später wandte sie sich verstärkt Musik abseits des Mainstreams zu.
In jungen Jahren gründete sie die weltweit tourende Damenkapelle „Wiener Walzermädchen“. Es folgte das „bösze salonorchester“, das zeitgenössische Miniaturen aufführt. Außerdem arbeitete Bösze mit Improvisationsensembles, DJs sowie Elektronikerinnen und Elektronikern. Als Vermittlerin aktueller Musik ist sie in Österreich, Deutschland und Südtirol tätig.
An der Musikschule der Stadt Tulln gründete sie die Komponierwerkstatt „W.er A.ußer Mozart?“. 2013 wurde das Projekt mit einem Sonderpreis der Musikuniversität Wien ausgezeichnet. Zusätzlich unterrichtet Bösze Kinder und Jugendliche – also genau jene, die vielleicht erst noch herausfinden, ob Musik für sie nach Konzertsaal, Proberaum oder beidem klingt.
130 Konzerte und sieben Stunden Cardew
2011 kuratierte Bösze unter dem Motto „Volto Espressivo“ insgesamt 130 Konzerte der Initiative „musik aktuell – neue musik in nö“. Zu ihren Projekten gehörten außerdem die Mitarbeit an der Ausstellung „Zauberhafte Klangmaschinen“ 2009 in Hainburg und die Redaktion des gleichnamigen Buchs. Auch Musikvermittlungsprojekte wie „Klangnetze“, Publikationen, Moderationen für „wienmodern“ und Kurzfilme zählen zu ihren Tätigkeitsbereichen.
Ihr bisher größtes Projekt war am 30. November 2025 die Aufführung von Cornelius Cardews „The Great Learning“ als Schlusskonzert des Festivals Wien Modern im Wiener Konzerthaus. Sieben Stunden Musik, 350 Mitwirkende, ausgebildete und nicht ausgebildete Musikerinnen und Musiker – und das alles in einem Haus, das für gewöhnlich eher zum stillen Sitzen einlädt.
Das zwischen 1969 und 1971 entstandene Werk dauert rund acht Stunden und basiert auf Konfuzius-Texten in der Übersetzung von Ezra Pound. Inhaltlich geht es darum, wie Gemeinschaftssinn erlernt und musikalisch erfahrbar wird. Die sieben „Paragraphen“ wurden im gesamten Konzerthaus aufgeführt. Cordula Bösze brachte dabei professionelle und nicht ausgebildete Musikerinnen und Musiker aus Wien gleichberechtigt zusammen – mehr als 50 Jahre nach der Entstehung des Werks.
Im Sommer 2026 trat Bösze außerdem beim Festival „IMA 20+“ im Reaktor des stillgelegten Kernkraftwerks Zwentendorf auf. Zwischen ehemaliger Atomtechnik und zeitgenössischer Musik liegt, ehrlich gesagt, eine etwas schräge, aber passende Spannung.
Auszeichnung mit Tullner Verbindung
Der Anerkennungspreis 2026 in der Sparte Musik würdigt Böszes Engagement für zeitgenössische Musik und ihre Vermittlung an junge Menschen. Die entsprechende Passage der Kulturpreis-Broschüre 2026 stammt von Gottfried Zawichowski. Darin wird eine Musikerin beschrieben, die nicht nur aufführt, sondern Räume öffnet: für neue Klänge, für Zusammenarbeit und für Menschen, die vielleicht nicht mit fertiger musikalischer Ausbildung ankommen.
Auch der ORF widmete „The Great Learning“ Aufmerksamkeit. Der Beitrag wurde am 17. Juli 2026 veröffentlicht und als Wiederholung vom 13. März 2026 gekennzeichnet. Gestaltung: Rudolf Aigmüller; die Sendereihe heißt „Zeit-Ton“.
In Tulln bleibt Bösze damit nicht nur als Preisträgerin sichtbar, sondern auch als Lehrerin im Alltag der Musikschule. Nebenan kommt mit Peter Rom ein weiterer Ausgezeichneter aus dem Haus: erster Preis beim Österreichischen Jazzpreis 2026 für „Wanting Machine II.“ Zwei Namen, zwei Richtungen – und in den Gängen der Musikschule vermutlich weiterhin jede Menge Tonleitern, Verstärker und offene Türen.
